Hans-Ulrich Munzinger

 

Hans-Ulrich Munzinger

Monsieur Jérôme

Erzählungen und Texte

BoD, Norderstedt, 2019                                                                  

212 Seiten, Fr. 25.-
inkl. Hör-CD MP3-Format


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humunzinger@hotmail.ch

herbertbuettiker@gmail.com


Das Buch ist erhältlich bei Obergass Bücher Winterthur und bei bennos KUTURTREFF, Steinberggasse Winterthur


Hans-Ulrich Munzinger

Anschrift : humunzinger@hotmail.ch


Seit 1953 in Solothurn und Basel, lebt und arbeitet seit 1988 in Winterthur. Musiker. Schreibt Erzählungen, Reden, Lyrik.

Musikstudium (Violoncello) und Studien an den Universitäten Basel und Bern (Germanistik, Philosophie, Musikwissenschaft – ohne Abschluss). Unterricht an verschiedenen Musikschulen, Leitung von Kammerensembles, Cellist im Ensemble Theater am Gleis Winterthur

1988 – 2014 Abteilungsleiter, später Direktor des Konservatoriums Winterthur

Mitglied verschiedener Kunststiftungen, Moderator von Konzerten (WINTERKLASSIK Schlosshalde Winterthur), Cellist im TRIO SONORO (mit Franziska Gallati, Klavier, und Julia Muñoz Toledo, Violine), Präsident Volkshochschule Winterthur und Umgebung. Konzerte und Lesungen

2019 erschien sein erstes Buch Monsieur Jérôme – Erzählungen und Texte
(Kant – Hannibal in den Alpen – Tag und Nacht – Morgenrot und Rosenduft)

Ein Band mit neuen Erzählungen und Texten ist in Vorbereitung


Aus einem Interview mit Herbert Büttiker:
«Musik und Sprache sind für mich zwei Geschichten, die sich gegenseitig beeinflussen. Ich suche in der Sprache eine ähnliche Konzentration zu erreichen wie in einer musikalischen Phrase, es geht um einen zum Teil intuitiven Prozess, ähnlich wie bei der Erarbeitung eins Musikstücks.»


Aus einer Rezension (Helmuth Dworschak):

Munzingers Texte sind sehr musikalisch und vielstimmig, er spielt gerne mit Wörtern und Namen. Gerne bindet er dem Leser einen Bären auf, wenn er dafür einen Satz wie diesen hinschreiben kann: «Immanuel Kant war für Professor Heberlein eine Null.» …. Etwas fehlt, so könnte man die Texte von Hans-Ulrich Munzinger zsuammenfassen. Das ist es, was das Erzählen antreibt. Aber kann, was erzählt wird, überhaupt wahr sein? Auch darum geht in dieser Gespenstergeschichte.»


Leserinnen und Leser schreiben:

…. Vielen herzlichen Dank für MONSIEUR JÉRÔME: ein echtes Vergnügen, ein Lesespass der Extraklasse. Abwechslungsreich, farbig, mit viel Sprachwitz. Und neben/mit dem Humor hat es auch viele nachdenkliche Seiten….
…. La lecture de Monsieur Jérôme me procure bien du plaisir! J’y trouve du sourire, de la bienveillance, de la mélancolie, une douce acidité, des double-fonds et bien d’autres éléments….
…. Überall schimmert das Fazit durch: „Man vermeide es, sich in der Kunst Klarheiten verschaffen zu wollen“. Das lässt einen in ständiger Spannung weiterlesen im Glauben, dass am Schluss eben doch eine Antwort käme. Aber sie kommt nicht. Ein fabulierendes Warten auf Godot, aber nie frustrierend….
…. Mit viel Freude habe ich die beiden ersten Geschichten (Jérôme und Hannibal) gelesen. Was für eine präzise Sprache und verblüffende Eigenständigkeit der Erzählweise….



Textproben

Aus: Hokus Pokus (unveröffentlicht)

Mary und Max sowie Minna und Moritz, an sich ganz normale Paare, sind durch eine Besonderheit verbunden. Nämlich, dass die beiden Frauen Schwestern und die beiden Männer Brüder sind. Zu diesem Gleichen kommt der Unterschied, dass die Schwestern zwar im gleichen Jahr Geburtstag haben, aber nicht Zwillinge sind, während Max und Moritz Zwillinge sind, aber in verschiedenen Jahren geboren wurden, was, trotzdem ich den Sachverhalt klar dargestellt habe, einigen Wirbel auslösen könnte. Hokus Pokus.

Die Schwestern zuerst:
Minna ist im gleichen Jahr zur Welt gekommen wie Mary. Da die Geburt von Mary zu Anfang des Jahres, die Geburt der Minna zu Ende des gleichen Jahres, elf Monate später erfolgte, haben beide Schwestern den gleichen Jahrgang, sind also gleich alt, ohne aber Zwillingsschwestern zu sein. Alter und Geburtsjahr teilen sie, nicht aber den Tag. Sie sind gleich alt, aber keine Zwillinge.

Anders sieht die Sache bei Max und Moritz aus:
Sie sind Zwillinge. Die Geburt von Max erfolgte wenige Minuten vor, die von Moritz wenige Minuten nach Mitternacht, also nicht am gleichen Tag, und da es sich unglücklicherweise um die Nacht des Jahreswechsels gehandelt hatte, nicht einmal im selben Jahr. Geburtstage und Geburtsjahre sind bei ihnen verschieden, aber Zwillinge sind sie trotzdem, wenn auch nicht gleich alt. Die Geburtsschreie, vom Vater auf dem Handy festgehalten, belegen es: kurz vor Mitternacht der des einen, wenig später, aber eben bereits am neuen Tag und im Neuen Jahr, der des anderen. Daran kann nicht gerüttelt werden. Zwillinge, aber verschieden alt.
…..

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Die Schublade, die ich neulich schloss, war
randvoll. Ich musste artig drücken. Jetzt
hat sich etwas verklemmt, so dass ich
sie nicht mehr öffnen kann. Es sei
denn mit Gewalt. Also öffne
ich die nächste. Untere?
Obere? Sie enthält
- oh Schrecken -
Gleiches.

Aber es hat noch Platz.


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Der lachende Dritte

Sie beide, sie
kommen um die
Ecke, sie nehmen im
Café Platz, sie sprechen,
gestikulieren, der eine zum
andern zum einen, aber dass
sie – nein, sie lachen nicht.
Diese nicht. So warte ich.
Der nächste, wenn er
käme, er müsste,
er müsste
muss

lachen


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Aus: Hoffmanns Erzählungen (unveröffentlicht)

Forster trug einen schickeren Anzug als gewöhnlich, Frau Kummer hatte es sofort bemerkt. Sie ging auf den Mann zu, der neben seinem Wagen stand und offensichtlich auf jemanden wartete.

Sie hatten mich doch angefragt, ob Sie mitfahren könnten, sagte Forster. Heute ist der Prozesstag in der Sache Hoffmann.

Tatsächlich, sagte Frau Kummer, wie konnte ich es vergessen.

Auch sie war heute gepflegt gekleidet, Forster sah es sofort. Er kannte die Frau nicht. Er war ihr vor einigen Tagen auf der Strasse begegnet. Sie hatte ihn angesprochen, er sei es doch, der im Prozess gegen den Uhrmacher Hoffmann als Experte auftrete. Jeden Tag lese sie in der Presse darüber. Und nun interessiere es sie, dabei zu sein, wenn er als Experte vor Gericht aussage.

Eine ungewöhnliche Frage, dachte Forster. Aber natürlich, hatte er geantwortet, unbeschwert, können Sie mitfahren, ohne weiteres!

Als Nachbarin, hatte Frau Kummer gesagt.

Hoffmanns Nachbarin?

Aber nein, sagte sie brüsk, wie um den Anschein, irgendwie in die Sache verwickelt zu sein, auszulöschen, nicht Hoffmanns Nachbarin, was denken Sie! Ihre Nachbarin!
……………