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Inhalt des Musicals


Was geht eigentlich in einem Schulhaus vor, wenn Ferien sind und dieses grosse Haus für ein paar Wochen verlassen und leer ist? In Dinhard passiert folgendes: Die Abwartskatze Tigi, allein zu Hause, lädt alle Dinharder Katzen zu einem grossen Katzenfest ein.
Auch die kleinen Kätzlein wollen natürlich dabei sein, aber das stört viele grosse Katzen und sie vertreiben die Jungen vom Fest.
Drei Kleine lassen sich das aber nicht gefallen. Sie verstecken sich in einem Nebenraum auf einer Kiste.
Klecks, der dorfälteste Kater, kommt auch ans Fest. Erst jetzt kann das Fest so richtig losgehen. Klecks erzählt, wie sein Grossvater von einem verborgenen Schatz im Schulhaus gesprochen hat. Die Idee, man könnte tatsächlich etwas Wertvolles finden, lässt die Katzen nicht mehr zur Ruhe kommen. Aber auch nach langem Suchen finden sie nichts. Doch dann, wie soll es anders sein, entdecken die jungen Katzen in ihrem Versteck den Schatz: die alte Truhe, auf der sie sitzen. Jetzt dürfen auch die Kleinen wieder dabei sein, nachdem Klecks die grossen Katzen belehrt hat, dass auch die Kinder dazugehören.
Der Schatz entpuppt sich als eine Handvoll Fotos aus vergangenen Schultagen.
Der alte Klecks, der von seinem Grossvater viel weiss, erzählt zu jeder Fotografie die dazugehörende Geschichte.
So erfährt man, wie es früher mit den langen Schulwegen war, wo sich die Kochschule befand, wer alles auf die Schulreise ging, wie das mit der Nähschule war, was den Schüler von früher vom Schüler von heute unterscheidet und wie sich doch die Mode geändert hat.
Aber soll nun dies der ganze Schatz sein? Alte Schwarzweissfotos? Muana ist enttäuscht, sie hätte gerne glitzernden Schmuck gefunden. Aber die Katzen erkennen, dass der Schatz aus den Geschichten besteht, die die Bilder erzählen. Das Fest geht weiter: Die einen tanzen, die andern erzählen sich weitere Geschichten von früher. Sogar die jungen Katzen dürfen neben Kater Z. auf das Sofa sitzen und zuhören.

Eine Brücke aus Musik und Poesie


Ein weit zurückliegendes Ereignis, nämlich der Bau eines Schulhauses vor 50 Jahren, und 120 Kinder, die dort jetzt ein und aus gehen: das sind Grössen ganz unterschiedlicher Art. Im Musical «Klecks und das Katzenfest im Schulhaus» verbinden sie sich jedoch auf überraschende und glückliche Weise.
Jubel und Trubel im Schulhaus, ganz unter Ausschluss der Erwachsenen, davon mögen Kinder ja träumen; und dass sie sich in der Rolle und Maske ihrer so herrlich ungezähmten und verspielten vierbeinigen Freunde austoben können, das erhöht gewiss den Reiz dieses Traums. Der Fund der alten Fotos öffnet dann das Fenster in die Vergangenheit - natürlich zunächst für die Erwachsenen im Saal. Denn für sie bedeutet das Jubiläum die Begegnung mit Erinnerungen, mit der eigenen Geschichte und mit dem geheimnisvollen Walten der Zeit. Was interessiert das die Kinder-Katzen? Wirklich verhehlen sie nicht, dass alte Bilder nicht gerade das non plus ultra dessen sind, was sie sich unter einem «Schatz» vorstellen können; dass das Wort für sie einen verheissungsvolleren Beiklang hat, ist ja immer mitzuhören. Aber die Neugierde ist doch da, und indem die Kinder spielerisch umsetzen, was sie auf den verbleichenden Aufnahmen sehen, schlagen sie eine Brücke zwischen ihrer Gegenwart und der Welt ihrer Eltern und Grosselten. Es ist eine Brücke aus Poesie und Musik über der Tiefe der Zeit. Diese Tiefe mag für die Kinder in diesem wirklichen Festspiel, wie es Gabriela Büttiker erdacht und geschrieben und Alfred Felder komponiert hat, für einmal zu erahnen sein; und den Erwachsenen mag diese Tiefe, jugendlich übermütig erleuchtet, für einmal weniger schreckhaft vorkommen als bei manch anderer Gelegenheit, wenn einer der ebenso gefeierten wie gefürchteten «runden» Geburtstage angesagt ist. Denn nicht zuletzt sind die Kinder ja begnadete Komödianten und zu allen Spässen aufgelegt. Zu Witz und Karikatur erhalten sie in diesem Stück reichlich Gelegenheit und Unterstützung durch die launische Musik dazu.
Auch diese Musik folgt mit reicher Phantasie dem Thema des Stücks, lebt im Wechselspiel von Alt und Jung, von Vergangenheit und Gegenwart. Alt und Jung: Felders Partitur verbindet einen Instrumentalpart von professionellem Anspruch mit Gesangsaufgaben, die von den Schülern gut bewältigt werden können. Für sie ist viel frische und eingängige Melodik mit im Spiel, vom Moll-Duett «Tigi, muesch nöd truurig sii» bis zum flotten Hauptschlager «Mir sind d'Chinde vo Dinert». Schön ist, dass auch die Jüngsten dabei eingeschlossen sind: «Mir Chline ghöred au dezue». Abweichungen vom Erwarteten im Rhythmus und melodischen Verlauf der Lieder fordern dabei die musikalischen Fähigkeiten und die Konzentration der Kinder immer wieder heraus, und mit der «Marschmusik mit Küchengeräten» begeben sie sich sogar auf das Feld eines unkonventionellen Rhythmus- und Klangexperi- ments.
Was an kätzischem Treiben von Klarinette, Violoncello und Klavier zu hören ist, gehört vielfach ohnehin in den Bereich der zeitgenössischen Musik mit ihren improvisatorischen Elementen, Dissonanzen und aufgebrochenen Formen. Mit diesen Möglichkeiten treibt die Musik beispielsweise in den Zwischenspielen von «Sueche, sueche», «Katzen kaufen keine Kleider» oder «Söcke lisme» ihre lautmalerischen Blüten, und immer wieder entfaltet sie ein Klanggeschehen von praller Mimik und Gestik. Im packenden Tangorhythmus der «Sueche»-Nummer und im «Boogie», der alle brave Schematik über Bord wirft, treibt Felder ein witziges Spiel mit bekannten Formen der Musik. In einigen Momenten der musikalischen und theatralischen Dramaturgie führt dieser Kontrast von Traditionellem und Modernem zum eigentlichen Zusammenprall der musikalischen Stile: Auf das ländlerhafte Lied «Ich bi de Schüeler vo früener» voller Nostalgie folgt unmittelbar die von Matthias Kräutli am Syntheziser komponierte Rap-Nummer, und im «Tanz von Alt zu Neu» lässt Alfred Felder sogar eine barocke Tanzform (Rigaudon) direkt in einen rockigen Beat münden. In diesen Partien schliesst sich der Kreis von musikalischer Gestaltung und thematischer Aussage des Stücks besonders eng, und es wird deutlich, wie sehr «Klecks» wirkliches Musik-Theater ist, in welchem Gesang, Theaterspiel und Tanz zum Ganzen zusammenwachsen.