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Herbert Büttiker

Über allem die Liebe
52 Mal Mozart

52 Kolumnen zum Mozart-Jahr 2006
Fr. 20.- (zuzüglich Versandkosten)

hgbuettiker@swissonline.ch

 

Auch in einem beträchtlichen Bücherberg ist nicht der ganz Mozart zu
finden. Im Übrigen hat bei den Sondierungen durch viele Schichten
das Prinzip Zufall mitgespielt, beziehungsweise ein Zahlenspiel, das die
Themen offenkundig oder versteckt und beiläufig mit der Wochen-
zahl verknüpft. Gleichwohl gehört auch dies zur Erfahrung: Wo immer
man ansetzt, in einiger Tiefe trifft man auf das Grundgestein der
Mozartschen Künstlerexistenz. «Über allem die Liebe», der Titel über
dieser Sammlung, möchte es andeuten.  

Inhaltsverzeichnis

Des Wolfgangerl Compositiones – Köchels Nr.1  1
Zwei Geschwister, eine Kindheit – zwei Karrieren 2
Kleines und Grosses: Der dreimalige Akkord 3
13 097 Tage: Ein kurzes Leben in vier grossen Akten 4
Ganz der Ton des empfindsamen Herzens 5
Der Sechsjährige zwischen Scharlach und grosser Gala 6
Klaviersonate Nr. 7: Der siebte Himmel? Mozart in Augsburg 7
Der 8. Juni 1781 und der Fuss in der Musikgeschichte 8
Andere Töne: Neun Briefe an das «Bäsle, Häsle» 9
Von der Nachtmusik zum Klingelton – und zurück 10
Zum zweiten Mal in Wien – ein trister Herbst 11
La finta semplice – ein schwieriges Unternehmen 12
Mozart zu Hause: Latein und die Liebe zum Müssiggang 13
Mozart in Italien: Der Vierzehnjährige als Dieb und Ritter 14
Das erste Kind und die Arbeit am 15. Streichquartett 15
KV 16 – London hört die erste Sinfonie von «Master Mozart» 16
Klavierkonzert: Komplimente für den Vogel Stahrl 17
Gunst und Kunst: Zum dritten Mal in Wien 18
Rätsel über Rätsel: Mozart spielt den Zarathustra 19
Ein Elefant, Salzburger «trek» und heitere Musik 20
Zwischen Genie und Mittelmass: Carl Thomas Mozart 21
Mozart Amadé und der andere grosse Wolfgang 22
Musik für alle und eine Fuge für den Kaiser 23
Die singende Gans: Ein gescheiterter Opernplan 24
«Allerliebste mama ... ... in tiefsten Respect ihr getreürer sohn» 25
Genie und Alltag: «Etwas in betreff der Schwemmer Liserl» 26
Der Traum von Erfüllung – Susannas «Rosenarie» 27
Der Schlüssel unserer wahren Glückseligkeit 28
Figaro qua, Figaro là – das Meisterwerk des Mozartverehrers 29
Oper und Leben: Holpernde Kutschen, schwebende Knaben 30
Denken und Spielen, Improvisieren und Komponieren 31
Hinterlassenschaft aus grosser Musik, Schulden und Rätsel 32
fex hex 333 und der vernünftige Disput über die Musik 33
«Huisassa, hupsasa» – tanzen, springen im Dreivierteltakt 34
Andacht und «eine menge Gratulanten auf dem halse» 35
Linzer Tage zwischen C-Dur und Dornenkrone 36
Der ehrliche Mann und das Wunder: Leopold Mozart 37
Gynäkologie und F. X. Süssmayer, «der Dalkete bub» 38
Die letzten Sinfonien: drei Gipfelwerke oder ein Gesamtkonzept? 39
«40 Violinen haben gespiellt»: Anfang der Zukunft 40
Die Sinfonie: Gesinnungen und Gedanken in Tönen 41
Mozarts Denkmal: Constanzes bewegtes zweites Leben 42
«Entsetzlicher Jubel» – das Zeitgeschehen lässt nicht kalt 43
«Pimperl eine Prise spanischen toback und 3 busserl» 44
«Ich darf nur im theater seyn . . . so bin ich ganz ausser mir» 45
Ave verum: 46 Takte und die Frage der Glückseligkeit 46
Aloysia und Constanze oder Die «curiose» Arbeit der Biografen 47
Don Giovanni und der Kern der Prager Schönheiten 48
Lorenzo da Ponte – ein wahrer Phönix im Wiener Opernnest 49
Mozart und Salieri gehen in die «Zauberflöte» 50
Ein umtriebiger Geist in der Zeit grosser Umbrüche 51
Über allem die Liebe – Vier Kaiser und ein genialer Künstler 52

 

 

17

Klavierkonzert: Komplimente für den Vogel Stahrl 17
 

34 oder sagen wir dem Zahlenspiel zuliebe: zweimal
17 Kreuzer bezahlte Mozart für den «Vogel Stahrl», den
Star, der ein Thema seines in der traditionellen Zäh-
lung 17. Klavierkonzerts (G-Dur, KV 453) pfeifen konnte.
«Das war schön!», schrieb Mozart dazu ins Ausgaben-
buch unter dem Datum 27. Mai 1784, wo er den Kauf-
preis und eben das G-Dur-Finalthema notierte, wie es
ihm der Star nachpfiff, ein wenig eigenwillig nämlich,
mit einer Fermate im zweiten Takt und einem tonart-
fremden Gis im dritten. Ganz billig war der Kauf des
begabten Sängers nicht. Zum Vergleich: Am 1. Mai
hatte Mozart den Kauf von «zwei Mayblumel» für einen
Kreuzer notiert.

Allerdings konnte man sich in diesem Jahr einiges
leisten. Mozart war gefragt wie nie und mit Arbeit ge-
segnet: 22 Konzertauftritte in sechs Wochen verzeich-
nete er in diesem Frühjahr, sechs Klavierkonzerte ent-
standen übers Jahr, für den Eigengebrauch oder für
andere. Für eine seiner Schülerinnen, Barbara Ployer,
komponierte er – gegen «gute Bezahlung», wie er dem
Vater berichtet – auch das G-Dur-Konzert mit dem Fi-
nalthema, das sich so wunderbar gassenhauerisch
pfeifen lässt – Begabung in der Grössenordnung des
Vogels Stahrl vorausgesetzt.

Dass Mozart über seinen Haushalt kreuzergenau
Buch führte, hatte demnach wohl nichts mit einer
Sparübung zu tun, sondern eher mit der wenig aus-
dauernden Freude an den schönen Zahlen des ökono-
mischen Erfolgs. Die Buchhaltung wurde bald einge-
stellt, Mozarts wussten den Wohlstand anders zu ge-
niessen. Im September zogen sie in eine recht mondäne
Wohnung an bester Adresse: Grosse Schulerstrasse di-
rekt hinter dem Stephansdom, wo sich Mozart zum Bei-
spiel den Luxus eines Billardzimmers leistete.
Der Vogel Stahrl machte den Umzug mit und auch den
nächsten noch, zweieinhalb Jahre später, im April 1787,
vom «Figaro-Haus» in das luftigere Gartenhaus in der
Vorstadt Landstrasse. Da allerdings geschah es: «Noch
in den besten Jahren Musst er erfahren Des Todes bit-
tern Schmerz», reimte Mozart am 4. Juni. Noch in den
besten Jahren ... Hatte sich der «liebe Narr» mehr Mo-
zartisches angeeignet als das fröhliche G-Dur-Thema?
Mozarts scherzhaft-empfindsamer Nachruf scheint es
nahe zu legen: «Er war nicht schlimm; Nur war er et-
was munter, Doch auch mitunter ein lieber loser Schalk,
Und drum kein Dalk», heisst es im Gedicht.

Solches mag man auch beim Anhören des G-Dur-
Konzertes denken. Nur, wie leicht gerät Mozart auch in
tiefere, unabsehbare Zonen, schon im Allegro und erst
im Andante! Diese Musik weiss zu viel, um nur einfach
zu trällern, selbst im Staren-Allegretto. Davon ahnte
der Vogel nichts, «denn», so der Schluss des Gedichts,
«wie er unvermutet Sich hat verblutet, Dacht er nicht an
den Mann, Der so schön reimen kann».