ANKUNFT DER LORELEY AUF DEM KLOSTETRHOF

Spannend, was sich in St. Gallen am Fuss der Domtürme tut: Die Festspiele präsentie-ren erneut eine unbekannte Oper: Alfredo Catalanis Oper „Loreley“ – ein Werk des Komponisten von „La Wally“. Ein Proben-besuch führte schon alles vor,  mitreissende Musik und  sängerische Intensität für die Geschichte von Liebesverrat, und Rache, Verführung und Elfenmagie. Und schon im sonnigen Licht des Probenmorgens ahnte man den nächtlichen Zauber der roman-tischen Rheinlegende und die menschliche Tragödie. Mehr dazu hier im PDF.

Bilder: ©   Herbert Büttiiker









   

LORELEY STEIGT VOM FELSEN

An der  Probe, vor gleichsam noch nackter Bühne, konnte man seine eigene   Fantasien spielen lassen und sah im Tagtraum den Nixenreigen, Mondschein, Nacht-blau. Die Bühne ist dann eingekleidet worden, und zwar sehr.  Grelle Farben, maskenhafte Gestalten, grotesker Tanz  – mit ihrer Inszenierung von Alfredo Catalanis „Loreley“ rücken die St. Galler Festspiele den romantischen Stoff in ein über-raschendes Licht. Die märhenhafte Geschichte wird in einer beziehungsreichen Collage in die Realität geholt und zugleich in surrealer Bildhaftkgeit zum zeitlosen Mythos stilisiert – getragen von fesselnder und alles in allem fesselnd interpretierter Musik.

Bericht am 26. Juni in „Der Landbote“  und ZRZ sowie hier im PDF.

Bild: ©  Toni Suter









   

DER SÜDEN LOCKT

Zum Thema „Spanische Rhythmen“ präsentierte das Musikkollegium an seinem
4. Classic  Openair ein Orchesterkonzert, das in das Land des feurigen Tempera-ments  führte. Grosse Orchesterbravour war zu erleben. Orchestersolisten begeisterten dabei ebenso wie die Geigerin Leticia Moreno als Starsolistin. Die Operngala verband italienische und französische Oper in einem weit gespannten Programm, in welchem der Tenor Saimir Pirgu zum Publikumsliebling avancierte.

Bericht am 10. 7. im „Landboten“ und hier im PDF.

Weitere Bilder: HIer

Bild: ©  hb









   

VON DER MÜLLHALDE ZUM ZIRKUS

Neuer Schauplatz, neue Kostüme und eine Choreografie, die das Akrobatische zum selbstverständlichen Teil einer spektakulären Show macht  – Andrew Lloyd Webbers Musical „Cats“ ist aus der strengen Orientierung an der Uraufführung seit kurzem entlassen, und die Regisseurin und Choreografin Kim Duddy hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt, um unterstützt von einem hochkarätigen Team und Ensemble die Katzenrevue zwischen Katzensprung und Katzenjammer poppig neu zu interpretieren.

Die Besprechung am 14. Juli in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF.
am  14. Juli.

Bildgalerie hier

Bild: ©  hb









   

SPIELERISCHE IDEEN

Für das Festival „Young Artists in Concert“  in Davos hat Reto Bieri für seine tausend Ideen 80 junge Künstlerinnen und Künstler zusammengerufen, unter ihnen auch die Cellistin Chiara Enderle (Bild). Sie sollen spielen, natürlich, dafür sind Musiker da, aber sie sollen auch spielerisch spielen, so will es das diesjährige Davos Festival, das unter dem Stichwort  „Spielplatz“ steht.


Ein Beitrag dazu am 18. Juli in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF.

Bilder: ©  hb









   

DIE GROSSE OPENAIR-DISCO AM WALENSEE

Die tanzseligen 70-er Jahre samt Ami-Schlitten und Glitzerkugel sind gut für viele Sehnsüchte und Retroträume. Aber „Saturday Night Fever“ ist mehr als eine Show auf dem Glanzparkett, das war im Film so und ist jetzt auch auf der Walensee-Bühne zu erleben. Noch schwieriger als manche Schrittfolgen des Disco Dance sind für die jungen Leute aus Brooklyn die Schritte im Leben - vor dem Absturz sind sie nicht gefeit, ob Tony und Stephanie es schaffen, bleibt offen.

Der Bericht am 21. 7. in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF.

Bildgalerie: Hier

Bild: ©  hb

KARTENSPIEL ÜBER DEM SEE

Zweimal geht Carmen ins Wasser, bei ihrer inszenierten Flucht und am Ende im Todeskampf mit Don José. Die Bregenzer Festspiele nutzen ihren Trumpf: die Seebühne und die Kapazität für ein technisch aufwen-diges, optisch spektakuläres Bühnendesign. Auch die Inszenierung von Rossinis „Moses in Ägypten“  im Haus nutzt die Technik, und die Sänger agieren mit Knetfigürchen.


Bericht am 22. Juli in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier  im PDF

Bilder: ©  Karl Forster

LUCERNE FESTIVAL 2017

Who `s who war die Frage am Eröffnungsapéro des Lucerne Festivals. Wer sind wir, fragt das Festival in diesem Sommer unter dem Stichwort „Identität“. Wir: das ist auch das Festival selber, das mit dem Zyklus der Sinfoniekonzerte die grosse Tradition ins Zentrum rückt, aber den Fokus mit der Festival Academy und weiteren Formaten intensiv auf gegenwärtige und zukünftige Wege der klassischen Musik richtet. Einen starken Auftakt erlebte das Festival mit dem Auftritt des Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung von Riccardo Chailly und mit der eindrücklichen Kammeroper „Blank out“ des Niederländers Michel van der Aa. 


Bericht im „Landboten“ und ZRZ sowie hier im PDF.

Bild: ©  Peter  Fischli

Bild: ©  Priska Ketterer

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2017/I

2016/II

2016 / I

2015

2014


Giuseppe Verdi und „La Traviata“


Das SKRIPT  der Vorlesung an
der Volkshochschule Winterthur.
Themen sind:

  1. -Von Marie Duplessis zum Roman
    und vom Schauspiel zur Oper

  2. -„La Traviata“ und Verdis Biografie,
    die Entstehung der Oper

  3. -Form und Sinn – die solite forme,
    Dramaturgie und Musikdrama


Lesen als PDF

„La Traviata“ im Opernhaus: PDF


Die Geschichte zu

„Roccosound“








EIN ORCHESTRALES WOCHENENDE

Bin ich eine Sinfonie oder was? Die Frage der Identität stellt sich für viele Orchesterwerker ausserhalb des Kanons von Haydn bis Bruckner und Mozart bis Mahler. Riccardo Chaillys insgesamt drei Programme waren sinfonisch im höchsten Grad, aber nur ein Werk im Konzert am Freitag, Tschaikowskys  „Manfred-Sinfonie“,  war mit der Hälfte seines Namens halbwegs der Gattung verpflichtet. Das Shanghai  Symphony Orchestra, das als  erstes asiatisches Orchester überhaupt zu Gast war, präsentierte sich dann mit Tschaikowskys Violinkonzert und Schostakowitschs Fünfter  im klassischen Konzertformat. Patricia Kopatchinskaja und die Lucerne Festival Academy boten mit Heinz Holligers Violinkonzert „Hommage à Louis Soutter“ unter seiner Leitung ein Werk, dessen Expressivität alles formale Gerüst völlig in den Hintergrund treten lässt. Hier besonders, wie im Konzertsaal dieses Wochenendes überhaupt, waren solche Identitätsfragen zweitrangig. Packende Hörerlebnisse, virtuose und farbige Höchstleistungen, Emotion und Bildhaftigkeit bestimmten die Temperatur im Konzertsaal.


Bericht am 22. August in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF.

Bild: ©  Priska Ketterer

SINGENDES SPRECHEN

Heinz Holligers Tonwelt konnte man in einem weiteren Konzert der Academy am 26. 8. begegnen. Kurtags „Botschaften  des Fräuleins R. V. Troussova“ und „Lunea“, seine eigenen Lenau-Fragmente verbinden Text und Musik auf verschiedene Weise. Die Sopra-nistin Natalia Zagorinskay fokussierte Kurtags Musik im Espressivo eines lyrischen Ichs, ungemein stark in der Identifikation. Der Bariton Ivan Ludlow hatte sich in „Lunea“ eher  das Klanggeschehen im Orchester kommentierend zu verbinden. So modern das singende Sprechen und sprechende Singen  in diesem Spektrum klang, so sehr steht es in der Tradition: Am Abend war dann mit Monteverdis „L‘incoronazione di Poppea“ die Morgenfrühe des Recitar cantando packend zu erleben.

Zu Monteverdi der Bericht am 28. August in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF.

Bild: ©  Priska Ketterer

ZWISCHEN DEBÜT UND ABSCHIED

Das Lucerne Festival auf einer Zeitungsseite beschreiben zu wollen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Auch ein Querschnitt über gut eine Woche, der einige der Ereignisse berücksichtigt, muss mehr weglassen als erwähnen, aber er kann von Highlights berichten und einen Umriss des Ganzen andeuten: Lucerne Festivals vertritt die Sache der Musik im weiten Horizont und kann es sich leisten, weil es vom Ruhm der grossen Stars und dem überragenden Level grosser Orchester lebt: L‘ Orchestre de l‘Opéra national de Paris, die
Berliner Philharmoniker
oder das City of Bir-
mingham Symphony
Orchestra gehören da-
zu. Mit ihnen präsen-
tierte das Festival den
an die Spitze gelangten
Philippe Jordan, den
längst dort thronenden
Simon Rattle und die Newcomerin an der Spitze Mirga Grazinyte-Tyla. Während sich Rattle als Chefdirigent der Berliner von Luzern verabschiedete, gab es auf Nebenschauplätzen bemerkenswerte Debüts wie das der Schweizer Cellistin Chiara Enterle.  Eine Klasse für sich ist die Lucerne Festival Academy, die etwa unter Heinz Holliger für die Moderen einsteht. Aber durch John Eliot Gardiner und seine Ensembles war auch die alte Musik mit den drei Opern von Claudio Monteverdi sehr prominent vertreten.

Bericht am 5. 9. in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF.

Bild: ©  Priska Ketterer

Bild: ©  C. Fischli

Bild: ©  Priska Ketterer

Bild: ©  C. Fischli

Bild: ©  P. Hürlimann

LICHT AN IM MUSIKOLLEGIUM

Die Eröffnung stand für das Motto der Saison: „Es werde Licht“. Von Sibelius spielte das Orchester unter der Leitung seines Chefdirigenten „Nächtlicher Ritt und Sonnen-aufgang“ zu Beginn und im zweiten Teil Beethovens Durch-Nacht-zum-Licht-Sinfonie. Helldunkel, spielerisch und bedrohlich klang dazwischen Philippe Hersants  „Dreamtime“. Das für Emmanuel Pahud geschriebene und von ihm jetzt in der Schweiz  zum ersten Mal gespielte Flötenkonzert beeindruckte durch seine Farbigkeit und suggestive Ausdruckskraft. Das Orchester war gefordert und bewies seine Fitness für die neue Saison.

Bericht am 8. 9. im „Landboten“ und hier im PDF.



Bericht am 22. Juli in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier  im PDF

Bilder: ©   Herbert Büttiker

WILHELM TELL EXPRESSIONISTISCH

Der Komponist Armin Brunner und der Dirigent Christof Escher haben schon so manchem alten Streifen zu neuem Leben verholfen und manchem Stummfilm mit der Begleitung eines Live-Orchesters auch eine „Sprache“ gegeben. Jetzt sind sie auf Tournee mit „Wilhelm Tell“ aus dem  Jahr 1923, der in Deutschland gedreht wurde – eine spannende Begegnung mit einem Thema, das irrtümlich immer als eine Schweizer Angelegenheit betrachtet wird. Auf ein reines Melodram zugespitzt wie in der pathetischen Gestik des Stummfilms rücken die universellen Fragen um Gewaltherrschaft und Widestand, Mord und Menschlichkeit. Aufführung am 14. 9 im Neuwiesenhof Theater Winterthur. Bericht am 13.9. im „Landboten und hier im PDF.

EIN MORDSSPASS

Frauen machen auf Kanni-balisch, das brave Mädchen hat die Tristesse. Das Pub-likum hat den Mix aus defti-gem Spiel des Theaters Kanton Zürich und schmei-

chelhaften Klängen des Opernhauses. Die gemein-same Produktion basiert auf einer Operette von Jacques Offenbach und ihrer Bear-beitung von Johann Nestroy unter dem Titel „Häuptling Abendwind“. Die gelungene zeitgeistige Adaption stammt  von Stephan Benson und Till Löffler.

Bericht in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF.

Bild: ©  Tanja Dorendorf

DAS ELYSIUM UND DIE KATASTROPHE DER LIEBE

Franz Schreker hat sich mit dem Libretto selber eine vertrackte Rechnung in Sachen Sex, Erotik und Liebe gestellt, und er hat sie in einer schillernden und heraus-fordernden Partitur  vertont – eine faszinierende Aufgabe, die das Theater St. Gallen zum Saisonstart vor allem musikalisch mit Bravour angegangen ist– mit  Claude Eichenberger (Carlotta), Andreas Conrad (Alviano), Jordan Shanahan (Tamare) und Tomislav Lucic als fesselnden Interpreten der Hauptpartien.


Bericht am 18. 9. n „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF.

Bild: ©  Iko Freese

HÄNSEL UND GRETEL SIND VIELE

Der Wald ist unheimlich, aber auch eine Kathedrale, in de Kinder im Grossen aufgehoben sind. Das Theater Heidleberg bringt Engelberg Humperdincks Märchenoper in fantastisch schönen Bildern und mit zwei Protagonistinnen in Winterthur auf die Bühne, die den Kinderrollen vollkommen gerecht werden. Mit im Spiel ist der Wiesendanger Kinderchor. Er zeigt, dass Hänsel und Gretel viele sind.


Bericht von der Aufführung am 25. 9. im „Landboten“ und hier im PDF

Bericht von den Proben am 21. 9 im „Landboten“ und hir im PDF.

Weitere Bilder von der Probe hier.

Bild: ©  Herbert Büttiker

Bild: ©  Annemone   Taake

Bild: ©  Annemone   Taake

Albumblatt in eigener Sache
22. September 1987


Meine erste Besprechung aus dem Opernhaus Zürich war die Wiederaufnahme der „Fledermaus“. Sie erschien am 22. September 1987 in der Zürichsee-Zeitung. Am meisten von mir gerühmt  wurde Ulrike Steinsky, Kammersängerin und unterdessen Ehrenmitglied der Wiener Volksoper. Sie verkörperte damals die Adele, an der Volksoper ist sie längst die Rosalinde – auch in dieser Saison wieder. 30 Jahre Opernkritik  kommen nicht an 30 Jahren Bühnenkarriere heran, aber ein Grund, ein wenig zu feiern, sind sie wohl auch. 

Die erste Opernbesprechung war der „Fledermaus“-Text allerdings nicht, diese kam Monate zuvor in Winterthur auf das Papier, und noch viel weiter zurück liegen jene „Kritiken“, die ich als Teenager dem Tagebuch anvertraute. Das begann 1968 mit „Il Trovatore“ von Giuseppe Verdi im Opernhaus. Keinem anderen Haus habe ich mehr Live-Erfahrung zu verdanken als diesem. Das Theater Winterthur, das Theater St. Gallen und andere schliessen sich an. Von guten wie schlechten Momenten habe ich so manches Lied gesungen – aber eben halt nur in der Prosa der Kritik. Wobei „kritisieren“ ja nicht das Ziel war und ist, sondern nur eine der Kurven auf dem Weg zum Verstehen, um das Erlebnis zu vertiefen und die Oper als die grosse Kunst zu feiern, die sie ist. 

Zum Jubiläum hier ein unveröffentlichter Aufsatz aus meinem Laboratorium, geschrieben 2016. Es handelt sich, wie könnte es anders sein, um ein Verdi-Thema.


Wie wurde aus dem König von Schweden ein Gouver-neur von Boston? Die ein-gehende Beschäftigung mit der Entstehungsgeschichte von „Un ballo in maschera“ und Verdis  Auseinander-setzung mit der Zensur gibt Einblick in die Werkstatt des Dramatikers, seine Persön-lichkeit und seine Stellung in Italiens Wende um 1860.



Download HIER

AUF DER WIESE GEDEIHT DIE LIEBE NICHT

Er ist nicht bereit für die Liebe, sie überrennt ihn mit ihrer Glut – Onegin und Tatjana verpassen sich, aber vergessen sich nicht: die spätere Wiederbegegnung zerreisst ihre Herzen – und unsere jetzt im Opernhaus Zürich: Barrie Koskys Inszenierung fokussiert mit dem Scheinwerferkegel auf die unglückliche Beziehung und auch im Orchester kochen die Emotionen. 


Bericht am 26. 9. n „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF.

Bild: ©  Monika  Rittershaus

FAST DAS SELBE
NUR GANZ  ANDERS

Der vorübergehende Ersatz für die Tonhalle  in der Industriehalle Maag  darf sich sehen lassen. Und die Abonnenten finden sich im Saal gut zurecht. Die Stuhl-reihen wirken vertraut, Galerie und Dimension sind dem vertrauten Saal ähnlich. Stuckatur , Kron-leuchter  und der  farbige Komponistenhimmel fehlen, aber der Raum ha seine schlichte Eleganz und eine visuelle Klarheit, der auch ein transparentes Klangbild entspricht. Am Eröffnungs-konzert gab es viel offizielles Lob, und  im Publikum am Ende den grossen Applaus für das Tonhalle-Orchester und seinen Chefdirigenten.

Bericht in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF.

Bild: ©  Priska  Ketterer

OPERNZAUBER DER SCHELLACK-ÄRA
Nein Caruso oder Gigli sind im Theater St. Gallen nicht wieder auferstanden, aber ein Trichter-Grammophon spielt in der neuen Inszenierung von Giacomo Puccinis „La Bohème“ auf dieser Bühne eine Rolle. Es  gehört zum Rahmen, in den die Inszenierung die um 1830 spielende Geschichte im Pariser Künstlermilieu stellt: Wir tauchen mit Handys und Selfiestab bewehrt in den  Marché aux Puces de Saint-Ouen ein. Auf diesem von Touristen gern besuchten Flohmarkt, umgeben von Kostüm und   Dekor der Goldenen Zwanziger Jahre, versenkt sich eine Mimì von heute in das traurige Schicksal der Mimì von gestern und von vorgestern. Das Ergebnis dieser Regieidee ist eine optisch liebevoll gestaltete, berührend gespielte und  gesungene Inszenierung. Ein Glanzpunkt der Produktion – und das widerspricht aller Schellack-Erfahrung – ist das orchestrale Klangbild, das unter Hermes Helfrichts Leitung Puccinis sinfonische Kunst hell strahlen lässt.


Bericht am 24. 10. in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF

MIT MOZART AUF DER SELBEN BÜHNE
Dass Zwillinge je noch Zwillingsdiener habe, liegt vielleicht noch im Bereich des Wahrscheinlichen, dass sie auch noch denselben Namen führen, eher nicht: Aber Shakespeare ist nicht verlegen um eine Begründung, und seine „Comedy of Errors“ funktioniert prächtig. Im Theater Rigiblick zeigt die Free Opera Company aufs schöntse, wie die reichlich absurde Konstruktion auch als Opera Buffa wie aus dem Leben gegriffen wirkt, wieviel musikalisches Potenzial der Librettist Lorenzo da Ponte darin gefunden hat und wie einfallsreich und gekonnt der Mozart-Freund Stephen Storace den Text in Musik gesetzt hat.


Bericht am 17. 10. in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF.

Bild: ©  Mirjam Bollag Dondi

Bild: ©  Mirjam Bollag Dondi

Bild: ©  Iko Freese

MUSIKALITÄT ZUM VERSCHENKEN

In der Mitte des traditionell dreiteiligen Konzerts des Tonhalle Orchesters stand eigenwillig stark ein neues Werk, die europäische Uraufführung des Tripelkonzerts von Sofia Gubaidulina für grosses Orchester, Violine, Violoncello und Bajan, das russische chromatische Knopfakkordeon. Das Akkordeon hatte aber auch ein Nachspiel nach dem Konzert. Der 36-jährige israelische Dirigent Omer Meir Wellber, der an diesem Samstag Geburtstag  feierte, lud zu einer kleinen musikalischen Party ins Foyer zu Tango und Csardas und outete sich als Akkordeonvirtuose. Er spielte und improvisierte, von Kollegen begleitet, und er begleitete Kollegen: Temperament, Spielfreude, raffinierte Musikalität, Energie hat der Mann zum Verschenken und Feiern. Sich feiern zu lassen, war eher Nebensache, wie sich schon beim stürmischen Applaus am Ende des Konzerts gezeigt hatte. Dass er sich die Partitur der 1. Sinfonie von Brahms restlos einverleibt hat, war da auch zu sehen. Er gehört zu den exzessiven gestischen Gestaltern der musikalischen Verläufe, und das muss nicht unbedingt ein Lob sein: Das Sehen stiehlt dem Hören irgendwie auch die Schau, und man schliesst doch gern auch immer wieder die Augen, um dem Gehör den Vortritt zu lassen. Und zu hören war, dass der gefeierte Jungstar seines Metiers zauberte, nicht nur mit dem berühmten sinfonischen Durchbruch im Finale. Bericht am 31.10. in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF.

Bild: ©  hb

MISCHA MAISKY  IN WINTERTHUR

Es hat lange gedauert bis der Cellist Mischa Maisky, der seit Jahrzehnten um den Globus tourt, auch einmal beim Musik-kollegium Halt machte. Dieses hatte neben dem Saint-Saëns-Hit des Cello-Stars auch imponierend Eigenes zu bieten: eine für das Orchester geschriebene Kammersinfonie von Richard Dubugnon und, wie neu zu hören,  Beethovens „Pastorale“, Im „Landboten“ am 3. 11. und hier im PDF.


WIR SIND JUNG – FÜR UNS EINE STARKE RFAHRUNG

Zehn Violinsonaten hat Ludwig van Beethovenin seinem Opus-Katalog. Roberto Gonzalez und Kit Armstrong machen sich auf die Expedition: In drei Konzerten am 3., 4., 5. November spielen sie in Winterthur alle Werke in dichter Folge.



Zu diesem „Beethoven-Challenge“ ein ausführliches Gespräch mit Roberto Gonzalez hier im PDF.

Bild: ©  Musikkollegium

Bild: ©  Herbert Büttiker

DON OTTAVIO

Juan Diego Florez hat für die Tenor-Figuren der Mozart Opern die richtige stimmliche Statur. Die ganze Palette gibt es auf CD. Im Opernhaus zeigte er, dass das nicht nur Track für Track  der Fall ist , sondern diese  Palette in einem einzigen grossen Auftritt beherrscht. Zehn zehn Mozart-Arien bewältige er im Rezital mit dem Orchestra La Scintilla.

Bericht am 4. 11. in ZRZ und „Der Landbote“ sowie hier im PDF.


DIE POESIE AM DÜNNEN FADEN

Wer bedauert, dass die Barock-Opern heut zwar mit den Instrumenten aus jener Zeit zu hören ist, die Inszenierungen aber zum Tummelfeld moderner Regien geworden isrt, kann zum mindest im Kleinformat des Marionettentheaters von Carlo Colla eine historische Aufführungspraxis auch für die Augen erleben. Zu Gast waren die Mailänder im Theater Winterthur mit Händels Oper „Giustino“. Bericht im „Landboten“ am 6. 11. und hier im PDF.


Bild: ©  pd

DER HURRIKAN ZIEHT VORBEI

Den Schlussapplaus im Opernhaus an der Premiere der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ konnte man vielleicht knapp als stürmisch bezeichnen, aber ein  brausender Opernabend kommt anderes daher. Für einen Hurrikan im Opernbetrieb fliesst zu wenig Herzblut in der Arbeit von Brecht und Weill, und wenn die Inszenierung da und dort einen schrillen Zacken zulegt und Hilfe bei gruseligen Effekten sucht, ist das wohl eher kontraproduktiv. Die Neuinszenierung im Opernhaus konnte einen auch mehr oder weniger ratlos zurücklassen.

Bericht in den ZRZ und im „Landboten“ sowie hier im PDF. 

Bild: ©  Tanja Dorendorf

LUISA SPLETT – DIE MUSIKERIN VON A BIS Z

Sie überrascht immer wieder mit Programmen und Rezitalformern, die das übliche Konzertformat auflockern – und sie hat eine erfrischende kommunikative Ader: Jetzt reist die in Winterthur geborene und in Berlin lebende Pianistin gerade mit einem Alphabet von Ort zu Ort. Es besteht aus Komponistennamen von A bis Z. Ein Vorbericht am 15. 11. im „Landboten“ und hier im PDF


Hier Bilder vom Auftritt in Winterthur am 19. 11. 2017

FRANZ WELSER-MÖST UND BRUCKNES 8. SINFONIE

Eine grosseWanderung durch die sinfonisch Hochebnene  mit dem Tonhalle-Orchester – Bericht am 17. 11. in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF

Bild: ©  hb

ADE WALDHERRLICHKEIT

Unter einer „Familienoperr“ stellt man sich vielleicht ein trautes Zusammensein vor dem Weihnachtsbaum vor und die  vielen Wünsche, die da in Erfüllung gehen. Das Theater ist aber keine Wunscherfüllungsmaschine, und so lässt das Opernhaus die Räubertochter Ronja nicht einen mehr oder weniger unheimlichen Märchenwald erkunden, sie tappt im unterirdischen Kanalsystem der zerstörten Stadt in die Falle. Das Vogelgezwitscher hört man immerhin in Jörn Arneckes Musik, und so hat die Utopie auch ihren Klang in der Inszenierung, die starke Bilder kreiert, aber vielleicht doch etwas zu weit an der Regieschraube dreht, um Kindern  verständlich zu sein. Mit den grossartigen Darstellern können sie aber mitleben.

Bericht in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im  PDF

Bild: ©  Danielle Liniger

Bilder: ©  hb

EXPORT IMPORT

Das Musikkollegium fliegt nach Asien und exportiert so ein exquisites Winterthurer Produkt nach Südekorea und Japan. Was exquisit heisst, präsentierte es am Mittwoch im Konzert auch hier. Das Theater Winterthur ist grösstenteils auf Import ausgerichtet: Vergnügliche Ware wurde  am Donnerstag vom Eurostudio in Form des Musicals „Haisrpray“ angeliefert.

Berichte zu beidem am25. 11. im “Landboten“ und hier im PDF.

Bild: © hb

Bild: © pd

ASIEN-TOURNEE DES MUSIKKOLLEGIUMS

Drei Tage und drei Konzert in Daegue, Tokio und Osaka: Im wunderbaren Saal der der Osaka Symphony Hall spielte sich das Orchester vor dem Konzert ein und gab noch einmal alles für ein begeistertes Publikum.

Berichte:

Roccosound-NEWSLETTER: PDF

Reisenotizen PDF

„Landbote“ PDF

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Bilder : © Herbert Büttiker

Bilder: ©  Herbert Büttiker

ÄSTEHTISCH  UND EINSICHTIG

Man glaubt diese Oper ja zu kennen und hat auch schon die Inszenierungen erlebt, die das vertraute Japanbild  beiseite lassen, und die moderne Business- und Sextourismuswelt in Puccinis „Madama Butterfly“ hinein projizieren. Ted Huffman zeigt mit einem starken Ensemble, dass das Stück mit Brisanz ganz aus sich heraus erzählt werden kann und wie neu zu erleben ist.


Bericht 12. 12. in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF

NEW YORK UND DA TEMPO DES LEBENS

Wer noch 24 Stunden zu leben hat, verzweifelt an der Frage, was denn das Leben sei (Bitte melden, wer seine Adresse kennt). Wie es drei Navy-Matrosen auf dem 24-stündigen Landgang finden, erzählt Leonard Bernsteins Musical „On the Town“ im Theater St. Gallen. Und hier nur so viel: Das wichtigste ist Tempo, Tempo, Tempo – das clevere Inszenierungsteam lässt das bravouröse Ensemble im Taxi durch die Strassenschluchten und in der U-Bahn von Stadtteil zu Stadtteil preschen. 


Bericht am 11. 12. im „Landboten“ und RZ sowie hier im PDF

Bild: © Toni Suter

Bild: © J. Etter

FACETTENREICH

Perkussion ist ein subtiles Handwerk. Das zeigten mit Bela Bartoks 1. Klavier-konzert am Mittwoch im Musikkollegium die drei Schlagzeuger, aber auch der Pianist Andras Schiff mit kultiviertem Anschlag auch im „bruitistischen“ Moment.

Facettenreich war auch das Programm, das klug und überraschend Schritt für Schritt von Haydn zu Bartok führte. 


Bericht 15. 12. in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF

Bild: © Herbert Büttiker