23. 2. 2024

Roberto Gonzalez-Monjas
Schön geht es weiter


Eine sehr erfreuliche Nachricht aus dem Musikkollegium – Roberto Gonzalez-Monjas hat den Vertrag bis Juli 2027 verlängert. Das ist schön für uns, wenn wir an die vielen Konzertereignisse zurückdenken und uns nun noch länger auf Weiteres mi ihm freuen können. Roberto  ist ein Ausnahmemusiker und -mensch, und er ist viel gefragt. Selbstverständlich ist die Vertragsverlängerung nicht. Der Grund, den er selber in der Mitteilung zitieren lässt, ist ein grosses Kompliment an das Musikkollegium:  «Ich fühle mich privilegiert, meine Zusammenarbeit mit dem Musikkollegium Winterthur bis 2027 zu verlängern! Das Musikkollegium Winterthur ist ein faszinierender Schnittpunkt zwischen hundertjähriger Tradition und kühner Moderne, ein Orchester von höchster Qualität, Raffinesse und Intelligenz, eine Institution, die sich für Exzellenz, Bildung und Gemeinschaft einsetzt. Ich könnte nicht stolzer darauf sein, zur Familie des Musikkollegium Winterthur zu gehören, und ich freue mich schon auf die nächsten Jahre des Musizierens, der Risikobereitschaft und der Inspiration.»


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Bild: ©   Herbert Büttiker

Melomanie und Theaterdampf

„Les Misérables“ im Theater St. Gallen  21. 12. 2023


Von der Première am 9. Dezember hörte man begeisterte Reaktionen, jetzt läuft die Aufführungsserie bis Mitte Februar im Theater St. Gallen. Anschliessend geht sie nach München ans Theater am Gärtnerplatz und damit zum Produktionspartner der aufwendigen, aber auch schlackenlosen Inszenierung. Dle besuchte Aufführung vom 21. Dezember war eine der vielen Repertoire-Aufführung, aber von einer musikalischen Hochstimmung geprägt, als ob es die erste oder letzte gewesen wäre. Das Publikum reagierte ensprechend. Die Protagonisten durften für ihre Songs durchwegs Szenenapplaus entgegennehmen. 


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Bild: ©   Ludwig Olah / Edyta Dufy



Satire mit Herztönen

„Olivo e Pasquale“  mit der Zürcher Kammeroper  31. 12. 2023


Sechzehn Jahr trennen „Don Pasquale“ von „Olivo e Pasquale“, der Opera buffa, die Gaetano  Donizetti in Rom 1827 zur Uraufführung brachte. Schon in dieser frühen Komödie fallen die lyrischen und emotional echten Töne auf, die der Komponist dem Brio entgegensetzte. Das Romantische hat im klassischen Muster der Opera buffa mit dem tyrannischen Papa, gegen die sich die Jungen mit ihrer Intrige durchsetzen, seine schlichte Formel. Sie heisst: Gegen die Liebe auf den ersten Blick ist kein Kraut gewachsen. Selbst der lyrische Tenor, der als generöser Weltmann daher kommt und den Blick auf die liebenswürdige Isabella wirft, sieht das so und akzeptiert, dass sie ihren Blick schon vergeben hat. Das Werk ist auch aus musikalischer Sicht entdeckenswert. Die Zürcher Kammeroper macht es mit einem hervorragenden Bühnen- und Instrumentalensemble und auf einem Zürcher Nebenschauplatz klar, im Gemeindesaal von Zollikon, der mit dieser Aufführungsserie bis 14. Januar zum Stadttheater wird. Wer italienische Oper liebt, erlebt da ein kleines Bühnenwunder.


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Bild: ©   Dennis Youlov



Ein originelles Konzept

„Le Chalet Suisse“  im Theater Biel-Solothurn  18. 1. 2024


Der Zufall will, dass es mit Donizetti gleich weitergeht, und dagegen kann man nichts haben: Der Bergamasker, der für Italien, Wien und Paris wie am Laufmeter eine ganze Menge Opern geschrieben hat, überrascht immer wieder, wie sehr er am Puls des Dramas, auf dem emotionalen Drive der Szene komponiert hat, und wie tief er ins Seelengetriebe seiner Protagonisten geleuchtet hat. Selbst eine Petitesse wie eine Farsa, eine einaktige Buffa oder ein kleines Dramma giocoso wie hier nun „Betly ossia la Capanna Svizzera“ hat die unverkennbare Signatur des traumwandlerischen Genies. Das Theater Biel-Solothurn gastiert nun im Theater Winterthur mit seinem konzeptionell originellen Abend, der Donizettis „Betly“ Adolphe Adams“ einstigem Hit „Le Chalet“ voranstellt. Da es sich um das mehr oder weniger identische Libretto handelt, war es eine schlüssige Idee, das Werk des Franzosen zur Probesituation umzufunktionieren und „Betly“, zweifellos das stärkere Stück, als Aufführung folgen zu lassen. Das hat seinen Witz und seine Schlüssigkeit, wenn auch der aktuelle Blick auf das Sujet, das 1834 bzw. 1836 Paris respektive Neapel eroberte, Fragen aufwirft.   


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Bild: ©   Konstantiin Nazlamov



Sand im Getriebe der Verdi-Oper

„Ernani“  im Theater St. Gallen  20. 1. 2024


Mit Sätzen wie "Der Wind bläst den Sand empor" beginnt die Aufführung. Ein "Engel" folgt Ernani auf Schritt und Tritt und unterbricht das Geschehen auch in den spannendsten Momenten mit poetischer Prosa. „Brevità e fuoco" forderte Verdi von seinem Librettisten Francesco Maria Piave, mit dem er für die Oper nach Victor Hugos Schlüsselwerk der romantischen Dramatik erstmals zusammenarbeitete. Entsprechend wenig überzeugend ist aus dieser Perspektive der Ansatz der von Barbora Horákovás Inszenierung, die Oper assoziativ aufzusplittern, nicht nur mit den Texten, sondern mit grossem Aufwand auch in optischer Hinsicht. Während die Regie den Hauptfokus auf den Verlierer Ernani richtet, bietet die Aufführung unter der Leitung von Modestas Pitrenas ein austariertes Konzert der Stimmen, mit dem Orchester auch ein so kraftvolles wie feinnerviges Hörbild der Oper insgesamt.


           Besprechung siehe:

           www.oper-magazin.de

           und:

           PDF-Roccosound





Bild: ©   Edyta Dufaj



Mann, Frau und der ganze Zirkus

„Carmen“  im Theater Basel  3. 2. 2024


Carmen ist Georges Bizets populärste Figur, ein faszinierender Frauentyp gewiss, vor allem aber auch eine musikalische Attraktion dank ihren spanisch-folkloristisch inspirierten Auftritten. Der für die Opéra-comique geschriebene Fünfakter wurde ja sofort als grosse lyrische Oper verstanden, und das hat dann auch mit der sozusagen „höheren“ Opernkunst Bizets zu tun, den Arien von Micaëla und Don José. In deren Schicksal hat sich Bizet vielleicht mit mehr Aufwand eingefühlt als in dasjenige der Carmen, für die er sich auch auf eine vorhandene Melodien zurück griff. Aber Carmens innerstes scheint mit dem Hauch des Todes im Kartenterzett wenn auch kurz, so doch abgründig genug auf. Ihr Schicksal und dasjenige Don Josés erfüllen sich in einem einzigen Brennpunkt im Finale. Sie ist freilich das Opfer, er der Täter. Femizid ist heute der abschliessende Fachbegriff für den Skandal, der dieser Opernschluss bedeutet. Dieser richtet mit den letzten Takten aber den musikalischen Scheinwerfer auf Don José: „…c‘est moi qui l‘ai tuée! Ah! Carmen! ma Carmen adorée!“, sind die Worte der letzte musikalische Phrase der Oper. Tatsächlich, falls man den Begriff des Tragischen ins Spiel bringen möchte und damit den Konflikt aus Prinzip, so ist „Carmen“ die Tragödie des Mannes, der sich in den eigenen Widersprüchen seiner Beziehung zu Liebe und Sexualität zugrunde richtet. Am Wendepunkt seines Lebens bezeichnend ist auch, dass er eine Entscheidung unter Männern ist: Wie er sich von Carmen doch lossagt, sich dann aber durch das Auftauchen des Konkurrenten und Vorgesetzten, eifersüchtig und rebellisch, ins Abseits manöveriert gehört zur „Geschichte“, um die es in dieser Oper geht, in der Carmen für Don José zur Femme fatale wird. Was eine Regisseurin mit erklärt feministischem Ansatz daraus macht oder eben nicht macht, ist jetzt im Theater Basel zu sehen.


            

             Besprechung siehe (exklusiv):

             www.oper-magazin.de      


Bild: ©   Janosch Abel



Enge und Weite
„Jenufa“  im Theater Bern  28. 1. 2024

Mit der Besetzung aller Rollen, mit Chor und Orchester unter der Leitung von Nicholas Carter bietet das Theater Bern eine Janáček-Aufführung, die unter die Haut geht. Claude Eichenberger als Küsterin und Alžběta Poláčková als Jenůfa sowie Beau Gibson als Laca und Michał Prószyński als Števa verkörpern die Figuren, die das Libreto in der mährischen Dorfenge angesiedelt sieht, mit hoch expressivem Einsatz. Die Inszenierung lässt sich entsprechend nicht weiter auf die Milieuschilderung ein und zielt rigoros auf das Psychodrama – am Ende in die Weite, in die Janáček das Paar Jenůfa und Laca schickt.

              Besprechung siehe (exklusiv):
              www.oper-magazin.de      

Bild: ©   Ingo Hoehn


Das Studium der Männer

„Die lustige Witwe“ im Opernhaus Zürich  11. 2. 2024


„Das Studium der Weiber ist schwer“ verkünden di Männer im inbrünstigen Marschtempo in Lehars Operette „Die Lustige Witwe“. Dei Inszenierung des Opernhauses Zürich zeigt aber eine Hanna Glawari, die am Ende des Abends über die Männer doziert. Sie sind offenbar im allgemeinen einfach gestrickt (Verehrer), im speziellen (Danilo) ein schwieriges Studienobjekt. Danilo, ihr wichtigstes Fallbeispiel, lässt beides ahnen. Nach dem Happy-End verschwindet er gleich wieder aus ihrem Leben – oder die Inszenierung anders verstanden: Der Traummann war nur ein Traum. Barrie Kosky, sein Team und sein Ensemble beleuchten die Operette mit überraschenden Scheinwerfern.  


Bericht hierWitwe.pdf    

Bild: ©   Monika Rittershaus


Mimì in New York

„Rent“ im Theater St. Gallen  17. 2. 2024


Hundert Jahre nach Puccinis „La Bohème“ startete am Broadway Jonathan Larsons Welthit „Rent“, ein Rock-Musical mit dem selben Stoff als Grundlage, nur eben aus dem Paris des 19. Jahrhunderts versetzt in die New Yorker Bohème in den Zeiten von Aids und Heroin. Mimi verdient sich das Geld für den Stoff als Stripperin – auf der Suche nach dem Feuer für ihre Kerze betritt sie nun die WG auf der St. Galler Bühne, wo selbstverständlich immer wieder mal auch Puccinis Oper gespielt wird. Bezug und Kontrast erhellen sind für beide Versionen erhellend, und die Liebe zu Puccini bleibt.


Bericht hier  

Bild: ©    Edyta Dufaj


Expressionismus pur

„Turandot“ im Theater Winterthur  22. 2. 2024


Der Applaus war lang und verdient: Die Inszenierung von Giacomo Puccinis Oper „Turandot“, die das Landestheater Detmold im vergangenen September herausgebracht hat, machte am Freitag im Theater Winterthur Furore. Die Truppe ist mit grossem Chor, Orchester und einem starken Ensemble angereist. Chinesische Drachen, Requisiten und Accessoires hatte sie nicht mit einzupacken: Die Inszenierung zeigt eine expressionistisch-abstrakte und reduzierte Bilderwelt, sehr adäquat zum musikalischen Geschehen, dessen Format vom hervorragenden Dirigat des Detmolder Generalmusikdirektors Per-Otto Johansson bestimmt wird.


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Bild: ©    Matthias Jung



Die Geschichte zu

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