Die Geschichte zu

Roccosound“














06. 10. 2021

ZUM JAHRESWECHSEL



«Nel mezzo del cammin di nostra vita

mi ritrovai per una selva oscura,

ché la diritta via era smarrita.»


Gerade das Inferno wollen wir nicht herauf beschwören, aber etwas von Dantesker Irritation ist 2020 ins Leben gekommen. Die Welt ist aus dem Tritt geraten, neben den Weg getreten, die Aussichten sind verworren, man weiss nicht so recht, wo es lang geht. Man ist nicht einmal sicher, ob es gut ist, die bisher gegangene Strasse wieder zu finden und einfach weiter zu gehen. Aber alles andere ist auch schwer vorstellbar und so bleiben wir für das Jahr 2021 besser beim Wunsch, die Normalität möge bald zurückkehren, wir mögen den Anschluss finden, es möge weiter gehen und das vergangene Jahr möge Geschichte werden als Intermezzo, als Einbruch, Einbusse, Zwangspause.


Was bleiben darf und soll, ist die Trauer über den Verlust von Menschen und die Nachdenklichkeit, zu welcher uns die Pandemie auch gezwungen hat. Diese wirke fort im prosperierenden Treiben als Kraft der Besinnung und Konzentration uf das, was einem jeden von uns auf seine Weise wesentlich ist.


In diesem Sinn: Allen ein Jahr mit Zukunft, ein gutes 2021

Wann ist live live?


Die Frage, was ein Konzerterlebnis zum Live-Erlebnis macht,  lässt sich in Graden unterschiedlich beantworten. Mit den Ausführenden den Augenblick zu teilen, scheint die Hauptsache, aber was heisst teilen. Reicht akustisch oder braucht es mehr noch, auch die gemeinsame Präsenz am Ort? Dies lässt uns die gegenwärtige Lage besonders vermissen, und wir wissen nun erst recht, ein Live-Erlebnis wäre eben dies: der gemeinsame Moment der Spielenden und Hörenden am Ort des Geschehens, der Konzertbesuch.


Die Konzertform der Stunde ist jedoch der Live-Stream. Immerhin, im Unterschied zur Konzertaufzeichnung, fahren Ausführende und Hörer auf der selben Zeitschiene – von Sekunden oder Millisekunden einmal abgesehen. Eine kleine Verzögerung ist mit der Übermittlung ja zwangsläufig verbunden, und sie lässt natürlich fragen, wie gross sie sein darf. Ist eine Stunde später auch noch live? Mit welchem Abstand zwischen Aufführung und Wiedergabe wird aus der Live-Übertragung eine Konzert-Aufzeichnung?


Davon gibt es in den Regalen und Diskotheken oder im Internet beliebig viele. Die Pandemie-Abstinenz, macht aber deutlich, was  uns am Live-Stream wichtig ist: Die Vorgabe von  Ort und Zeit, die Ankündigung des Programms,  und wenn auch alle weiteren Schritte für den Konzerbesuch entfallen und man zu Hause auf dem Sofa sitzen bleibt vor Bildschirm und Musikanlage, so macht doch die Erwartung den Unterschied wischen Live und Aufzeichnung aus.  Man mag unter künstlerischen Gesichtspunkten diese Unterscheidung für unwesentlich halten, meine Erfahrung in Zeiten der Pandemie weist aber in die andere Richtung:  Für den Gang ins Konzert gibt es keinen Ersatz, ausser den Ersatz, der fast wie der Gang ins Konzert ist. Und eine gute CD-Aufnahme ist eine Alternative, und die Tschaikowsky-CD des Tonhalle-Orchesters ist eine Freude für sich.





Bericht zum Tonhalle-Konzert vom 22.01. 2021

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Betrachtungen zu «Simon Boccanegra»

aus dem Opernhaus Zürich vom 2. 12. 2020

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Rossini und Donizetti vertreiben das Gespenst

Serata Italiana im Theater Winterthur   29. 1. 2021


Auf weiter Flur allein in den Sitzreihen machte sich vor Beginn der Veranstaltung das Gespenst im Saal des Theaters Winterthur fühlbar. Schliesslich waren Geisterspiele angesagt, Auftrite ohne Publikum. Aber allmächtig ist das Gespenst der Pandemie auch wieder nicht. Rossini und Donizettis pfiffige und beherzte Heiterkei vertrieben es aus dem Saal, und wer zu Hause vor einem Bildschirm das Streaming-Konzert mitverfolgte, erlebte auch, dass die Lckdown-Beschränkungen nicht alles verhindern. Da waren etwa das Wiedersehen mit guten Bekannten aus dem Operntheater Biel-Solothurn, Michele Govi und Leonardo Galeazzi, die sich  mit ihrer grossartigen Komödiantik als Dottore Malatesta und Don Pasquale  auf der Bühne vorschriftsgemäss begrüssten. Und zu entdecken war die brasilianische Mezzospranistin, Josy Santos, die Rossinis „Femmine d‘Italia“, Rosina unf Isabella,  grossartig verkörperte. Man sollte sich den Namen merken für Zeiten nach Corona..


Bericht in „Der Landbote“ vom 1. Februar und hier im PDF

CORONA 2021

Phase 0

Screenshots aus der Videoaufzeichnung /hb

Sie können auch Fernsehen

Argentinischer Abend mit José Cura, Musikkollegium Winterthur 9. 2. 2021


Die Akteure im Fernsehstudio wissen es seit eh und je. Der Bildschirm bei den Leuten ist nicht ein Fenster zu ihnen, sondern ihre Bühne draussen bei den Zuschauern. Der Moderator ist der Gast in der guten Stube. Viele Streamings, die gerade zum Notproviant der Bühnen avanciert sind, wissen davon nichts. Sie müssen auch nicht. Das Prinzip Fenster und nach Möglichkeiten der gute Ton sind das Entscheidende, um in diesen Zeiten der Pandemie mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben, und ja, vor allem künstlerische Botschaften zu übermitteln.


Interessant war in diesem Zusammenhang der Abend mit José Cura, den er von der künstlerischen Seite her nicht zum ersten Mal bot, und dessen Programm nicht zum ersten Mal ein Publikum mit Liedern argentinischer Komponisten begeisterte: Mit einer melodisch farbigen, melancholisch expressiven und auch humorvollen Musik in anspruchs- und stimmungsvollen, für das Orchester dankbaren Arrangements von – Kompliment! – José Cura selber. Aber es war doch, wie er kundtat, sein erstes Konzert seit elf Monaten und sein erster Streaming-Event. Ob er sich bewusst darauf vorbereitete oder einfach sein Naturell spielen liess?


Jedenfalls war es ein kommunikativer Event und war José Cura präsent wie wenn es sich um eine TV-Sendung gehandelt hätte. Locker und charmant, besinnlich, humorvoll und ohne Anbiederung war er in Kontakt mit uns zu Hause. Dass er anderseits mehr oder weniger konsequent den fast leeren Saal ignorierte und zum Orchester hin sang und sprach, war kein Paradox, sondern schlicht das Werk der frontal auf ihn gerichteten Kamera und seinem Spiel vor diesem unserem Auge.


José Cura, der Vielseitige, den auch die Fotografie interessiert, mit grossen Tenor-Partien unterwegs (Otello in Zürich), aber auch als Dirigent und Komponist auf den Podien präsent, war dann aber doch weniger Moderator als Sänger, Interpret einer Musik, deren Emotionen wie von selber Rede und Klang wurden. Dass er dabei auch gestisch mit dem Orchester kommunizierte wirkte erstaunlich natürlich. Man mochte bedauern, dass einem der lyrische Inhalt der Lieder nur rudimentär erschloss, aber die Lebendigkeit und das Hintergründige der Stimme liessen das auch vergessen, und dazu boten die instrumentalen Beiträge, darunter das Spiel der Gitarristin Barbara Kubikova, viel Fesselndes. Von den Komponisten ist der Name Alberto Ginastera vertraut, aber in den Vordergrund rückte eindrücklich Carlos Guastavino, als dessen kongenialer Kollege sich Cura nicht nur als Interpret, sondern auch als Komponist (mit einer Vertonung von Gedichten Pablo Nerudas)  erwies.

Screenshots aus der Videoaufzeichnung /hb

Bellinis „Norma“

Mozarts „Entführung“

In eigener Sache


Um eine Verbindung zwischen dem deutschen Singspiel und der italienischen Tragedia lirica geht es hier nicht oder wenigstens nur insofern, als mit beiden Werken ein Thema gegeben ist, das einen unterwegs in Sachen Oper, selbstversändlich  interessieren muss: die Liebe. In der „Entführung aus dem Serail“ gibt es das Duett von Konstanze und Bellmonte am Rande des Todes, der den beiden angedroht ist: „Mit dem / der Geliebten sterben, ist seliges Enzücken“, singen sie. Das Finale der „Norma“ als „Liebestod“ der Priesterin und ihres sich neu zu ihr bekennenden Geliebten Pollione zu verstehen, hat eine lange Tradition. Doch stellt die Analyse von Text und musikalisch-szenischem Verlauf dies in Frage.


Die Aufsätze zu diesen Fragen haben eine lange Geschichte. Die eingehende Beschäftigung mit der „Entführung“ geht zurück auf eine Inszenierung von Jossi Wieler im Theater Basel von 1998. Konstanzes missverstandenes Wort vom „Wechsel der Gefühle“ waren der Ausgangspunkt. Sie führten zu einer Analyse der Figurenkonstellation, die einen neuen Blick auf das Werk wirft: als eine „Schule der Liebenden“, vergleichbar mit „Così fan tutte“ und „Zauberflöte“.  PDF


Meine Sicht auf das „Norma“-Finale habe ich erstmals 2001, in einem Beitrag in Zeichen und Werte aus Anlass von Bellinis 200. Geburtstag in konzentrierter Form formuliert. Unter dem Titel „Liebestod oder was“ ist dieser Ansatz nun eingehend verarbeitet. PDF

Global ist lokal ist global

Konzert-Stream des Musikkollegiums

Das Theater Winterthur streamt „Turandot“ 


Noch ist kein Ende in Sicht. Das reale Kulturleben bleibt auf Tauchstation. Um so mehr verdienen die Kulturschaffende unsere Aufmerksamkeit, die im Meer des Internets schwimmen und den Kopf über Wasser halten. Mit ein paar Klicks steht jeder am Strand. Der Meereshorizont ist weit und die Ufer sind unbegrenzt. Im digitalen Ozean lösen sich die Grenzen von Kulturstädten und Veranstaltungsstätten auf,  die Links zu Portalen und Kanälen verbinden uns mit diesem und jenem. Ein Stream geht in alle Welt und ein Publikum streamt aus aller Welt. Vielleicht ist dies das Positive im Negativen der Lockdown-Epoche. Sicher, je früher sie zu Ende geht, um so besser. Was sie aus der Not in den Vordergrund bring, ist ja auch nur eine Seite des Kulturlebens, die es ohnehin auszeichnet: Der Ort, wo etwas entsteht, ist gegenüber dem Was und dem Wie zweitrangig. Das künstlerische Ereignis gewinnt seine Bedeutung nicht vom Ort, an dem es stattfindet, aber der Veranstaltungsort und die Institution haben Rang und Renommee durch die Ereignisse, die sie schaffen oder ermöglichen. Vielleicht behalten unter diesem Aspekt auch die Techniken des Live-Streams einen bleibenden Stellenwert. Für deren Einübung auf der Produzenten- wie auf der Empfängerseite hat, ob man das nun sarkastisch oder optimistisch wertet, die Pandemie nun ja gesorgt.


Lokal ist auch global: Das gilt für das gestrige Konzert des Musikkollegiums (es lässt sich nachhören), das mit einem originellen ersten Konzertteil jazzige Freude ausstrahlte, nach der Pause passend eine romantische Sinfonie bot: Darius Milhaud liess sich in den 1929-er Jahren in London von einem amerikanischen Jazz-Orchester inspirieren. Antonin Dvorak komponierte während seines Amerika-Aufenthalts die Sinfonie «Aus der neuen Welt». Der junge britische Dirigent Duncan Ward animierte ein eine fesselnd frische Orchesterarbeit. Dass der angesagte Solist, der Klarinettist Andreas Ottensamer wegen Reisebeschränkungen nicht mit von der Partie war, tat dem Abend keinen Abbruch: Das Musikkollegium hat seinen eigenen grossartigen Solisten, Sergio Pires, der mit den Bravour-Stücken von Debussy und Lutoslawski dafür den Beweis erbrachte.


Global ist auch lokal: Wer aus Optimismus das Saisonprogramm des Winterthurer Theaters noch nicht entsorgt hat, findet für den kommenden Freitag und Samstag die Ankündigung von Giacomo Puccins attraktiver Oper «Turandot». Die Produktion des Theaters Detmold konnte nicht realisiert werden, und Oper auf der Bühne geht derzeit nicht. Gestreamt wird eine Inszenierung des Theaters Dortmund aus Vor-Corona-Zeit aus Dortmund. Dass die Fussball- auch eine grosse Musikstadt ist, zeigte die Oper Dortmund zur Eröffnung der Saison mit einem Opernkonzert, das als geglückter Ersatz für die ebenfalls nicht realisierte «Carmen» hier über die Bühne ging. Turandot ist die chinesische Prinzessin, die alle Freier töten lässt, welche die ihnen gestellten drei Rätsel nicht lösen können – eine Märchengestalt, für die zumal in der Position als Titelfigur von Puccinis letzter, in den 1920-er Jahren entstandener Oper, der Diminutiv fehl am Platz ist. Es geht hochdramatisch zu und her, grosse Gesangsstimmen sind gefordert und in dieser Produktion zu hören, Die Inszenierung evoziert den exotisch sagenhaften Kaiserhof, verweist mit der expressionistisch ausgeleuchteten und bewegten Menge aber auch auf die filmische Moderne der Epoche Puccinis. Auf der Höhe der Zeit war Puccini auch mit seiner Musik, und das Orchester lässt das in allen Facetten auch hören – die Aufführung insgesamt fesselt und lässt die leere im realen Theater der Stadt ein wenig vergessen.


Auf nach Schottland

Das Tonhalle-Orchester mit Mendelsssohns „Schottischer Sinfonie“. 6. 4. 2021


In diesen Zeiten besonders: Reisen geht auch im Kopf, lassen wir uns inspirieren! Für einen Osterausflug nach Schottland offerierte das Tonhalle-Orchester einen grandiosen Vorschlag: Felix Mendelssohns «Schottische Sinfonie» – eine Aufnahme aus dem Maag-Saal, der sich im Rausch dieser Musik gleichsam auflöst. Es geht ab an die wilde Küste, ab zu den alten Ruinen und Schlössern, hinaus in den Sturm und hin zur tragischen Geschichte der Mary Stuart, wohin überall in Geschichte und Landschaft uns der Komponist als Weggefährte führt. An die Eltern schreibt er aus Edinburgh am 30. Juli 1829: "In der tiefen Dämmerung gingen wir heut nach dem Palaste, wo Königin Maria gelebt und geliebt hat; es ist da ein kleines Zimmer zu sehen, mit einer Wendeltreppe an der Thür; die stiegen sie hinauf und fanden den Rizzio im kleinen Zimmer, zogen ihn heraus, und drei Stuben davon ist eine finstere Ecke, wo sie ihn ermordet haben. Der Kapelle daneben fehlt nun das Dach; Gras und Epheu wachsen viel darin, und am zerbrochenen Altar wurde Maria zur Königin von Schottland gekrönt. Es ist da alles zerbrochen, morsch, und der heitere Himmel scheint hinein. Ich glaube, ich habe heut da den Anfang meiner Schottischen Sinfonie gefunden."


Mendelssohn hat keinen Reiseprospekt geschrieben, sondern eine Sinfonie, im Rahmen ihres CD-Projekts präsentiert sie das Tonhalle-Orchester, geleitet von seinem Chef Paavo Järvi zu Ostern als Stream auf ihrer Homepage. Auch heute kann man sich diese Klangreise noch gönnen und eine unerhört virtuose Aufführung erleben. Das Orchester hat den Sound des grossen Dampfers, aber die Agilität einer Yacht. Es ist in schnellen Tempi unterwegs, aber das Adagio hat die Wärme, das Finale die pathetische Fülle.  Vivace non troppo mahnte Mendelssohn vorsichtig, die Tonhalle kann auf den Rat verzichten, vivacissimo sprüht der 2. Satz makellos nur so dahin. Es ist viel präzise Leichtigkeit in diesem Spiel, aber in der Sturmmusik des ersten Satzes rollen die Wogen mit voller Wucht heran. Dass sich am Schluss das Orchester vor dem leeren Saal verneigt, wundert für einmal nicht: das Publikum ist von Schottland noch nicht zurück. (Link: siehe Homepage "Tonhalle-Orchester")


Drei Frauen und noch eine

„Les contes d‘Hoffman“ im Opernhaus Zürich . 11. 4. 2021


Das Opernhaus kann der Pandemie auch trotzen, und dies, wie die Premiere am Sonntag gezeigt hat, auf schönste Weise, nämlich in künstlerischer Hochform einer Neuinszenierung von Jacques Offenbachs Phantastischer Oper „Les Contes d‘Hoffmann“. Einziges Manko: Zu sehen war (und bleibt) die Produkution vorerst nur vor dem Bildschirm – aber die präzis fokussierte und sozusagen kallifgraphische Arbeit von Regie (Andreas Homoki) sowie Bühnenbild, Kostüm und Maske macht auf dem Bildschirm beste Figur.


Bericht hier im PDF


Grosse Besetzung vor kleinem Publikum

Das Tonhalle-Orchester mit Werken von Dvorak und Suk . 30. 4. 2021


Fünfzig waren zugelassen, fünfzig konnten den musikalischen Glücksfall im Saal der Tonhalle Maag erleben. Aber ganz verpassen muss ihn niemand: Das Konzert mit böhmischem Flair bleibt  als Stream im Internet präsent. Der Komponist Josef Suk ist wohl für viele eine Entdeckung, Dvoraks eher selten gespieltes Violinkonzert ist in einer fulminanten Interpretation zu erleben.


Bericht hier im PDF

CORONA 2021

Phase 50

Donizettis Delirium

Das Inernationale Zürcher Opernstudio mit „Viva la Mamma“ in Winterthur 6. 5. 2021


Vor 60 Jahren wurde das Opernstudio im Opernhaus Zürich gegründet und für seine Hauptproduktion stieg es 2014 erstmals aus dem Keller und bespielte die gosse Bühne des Winterthurer Theaters. Auch „Viva la Mamma“ ist jetzt ein Produktion des Opernstudio in in Zusammenarbeit mit dem Theater Winterthur und mit dem Musikkollegium – und es präsentiert wiederum eine aufwendige, reich ausgestattete und ausgereifte Inszenierung.  


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Gespräch mit der Regisseurin hier

Operngesang auf dem Amazonas

„Florencia en el Amazonas“ – Oper von Daniel Catan im Theater St. Gallen 8. 5. 2021


Das Theater St. Gallen is immer wieder gut für Entdeckungen, auch für ein offenes Ohr für die Vielfalt des Musiktheaters. Mit der Oper des Mexikaners Daniel  präsentiert die Bühne im Umbau die Schweizer Erstaufführung eines modernen Werks (uraufgeführt 1996 in Houston), das keine zeitgenössischen Avantgarde-Standarts bemüht, aber ins (musikempfängliche) Herz der Gegenwart trifft.


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Screenshot /hb

Bild:  Edinburgh / ©  hb

Bild: © Herwig Prammer

Bild: © Iko Freese

CORONA 2021

Phase 1000

Aufbruch in der Andermatt Concert Hall

Lena–Lisa Wüstendörfer wird Intendantin –  Konzert des Swiss Orchestra    6. 6. 2021


Am Sonntag  steckte Andermatt zwar im Nebel, die Bergwelt fehlte, dafür aber gab es die Höhen der klassischen Musik im Konzertsaal: Das Swiss Orchestra mit seiner Gründerin und Leiterin Lena-Lisa Wüstendörfer beeindruckte auf dem Weg in die alpine Residenz.


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Schönbergs Wien – der Augenblick der Befreiung

Klangundszene in Winterthur   13. 6. 2021


Ist für heutige Menschen nicht die Freiheit das Höchste und die Liebe ein Anachronismus? Arnold Schönberg löste die Fesseln der Tonalität, aber seine Musik beschwört Glück und Schmerz der Liebe. So in den Liedern, die im Zentrum eines szenischen Konzerts stehen, das eine expressionistisch spannende Hörerfahrung vermittelt – ein weiteres Projekt von Rachel Eisenhut, die mit Texten und Szene Lieder und Kammermusik experimentell neu beleuchtet.

Vorschau in „Der Landbote“ vom 11. Juni hier im PDF

Rückblick auf „Histoire naturelle ou Le rève d‘Emilie“ PDF

Bild: © hb

Bild: © hb

Ein Blick in die renovierte Tonhalle

Presserundgang 16. 6. 2021


Ein Rundgang im renovierten Komplex von Kongresshaus und Tonhalle: die Freude auf die Wiederauferstehug der Kultur hat eine neue Dimension – mit grosser Aussicht auf See und Berge und einem Raumerlebnis, das nach der Musik ruft. Im September ist es soweit.


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Bild:Alberto Venzago

Wald bei  Trüllikon  / hb

Ein typischer Zehetmair-Abend

Abschied vom Musikkollegium Winterthur  23. 6. 2021


Er möge keine Reden und Zeremonien und die Geschenke – ein Buch mit den Programmen, die er mit dem Musikkollegium realisiert hat, dazu eine Lithografie , die Winterthur vom Heiligberg aus gesehen zeigt – nehme er lieber im privaten Kreis nach dem Konzert entgegen. Die kurze Rede des  Präsidenten  des Musikkollegiums Heinrich Hempel enthielt Lob und Dank auch aus persönlicher Sicht und darüber hinaus die Mitteilung, für Zehetmair wäre das Abschiedsereignis am liebsten einfach ein Konzert. Es war denn auch einfach ein Konzert, spannend wie Zehetmair-Konzerte sind. Einzig dass seine Frau, die Bratschistin Ruth Killius mit im Spiel war und er mit ihr Mozarts Sinfonie concertante für Violine, Viola und Orchester KV  364 aufführte, hatte mit Abschiedsfeier zu tun: Der Programmpunkt erinnerte zum einen an seinen allererstes Aufritt in Winterthur von 2010,  mit diesem Werk und mit Ruth Killius als Duo-Partnerin auf dem Programm, zum anderen lässt sich von einer festliche Aufführung sprechen, in ebenbürtig souveränem Wechselspiel von Mozarts Gnaden.


Wenn man wollte, konnte man die Eröffnung des Abends mit Felix Mendelssohns Ouvertüre „Das Märchen von der schönen Melusine“ ebenfalls mit einer Reminiszenz verbinden. Eine Mendelssohn-CD ist das erste Dokument seiner Zusammenarbeit mit dem Musikkollegium, und so  märchen-dramatisch darf auch ein Festkonzert beginnen. Als typisch für Zehetmair überhaupt darf der Kontrapunkt gelten, den er mit Iannis Xenakis‘ „Aurora“ für Saiteninstrumente aus den 1970-er Jahren ins Programm setzte, ein Stück, das mal mit geballten, mal zersplitternden Klängen, mit viel Glissando, knarzigem Spiel am Steg und weiteren Effekten die Streicher fordert, und wenn man sich die Morgenröte bei dieser bruitistischen Musik ausmalen wollte, in Gedanken vielleicht den Blick über das Meer und eine betriebsame Hafenstadt am frühen Morgen streifen liess.


Haydns Sinfonie Nr. 92 (Oxford) war nicht zur Erholung gedacht, Zehetmair arbeitete mit Wucht ihre Kontraste und überraschenden Wendungen heraus. Anstelle der ursprünglich vorgesehenen „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“ von Béla Bartok war Haydn aber gewiss der bequemere Weg für ein festliches Finale. Das Schöne dabei. auch die Bläser waren wieder mit im Spiel, Zehetmair konnte den Applaus, der ihm galt, ans ganze Orchester weiterleiten, und das war gut so. Denn wie erwähnt, sich feiern zu lassen, ist seine Sache nicht.


„Eine bedeutende Etappe – zu Thomas Zehetmairs Abschied“ siehe in „Der Landbote“, 23. 6. 2021 und hier im PDF.

Der Saal wartet – die Töne kommen

Präsentation des Programms in der Tonhalle 5. 7. 2021


Das Tonhalle-Team ist zurück am Stammplatz. Die Maag-Tonhalle ist eine Abschiedsträne wert, der Blick und die ersten Klänge im renovierten Saal lassen sind für Freudentränen prädestiniert. Bei der Vorstellung der Saison blickten der Chefdirigent Paavo Järvi und die Intendantin Ilona Schmiel hinauf zum Komponistenhimmel. Mozart, Beethoven, Wagner, Brahms blicken von der Decke herunter. Die Restauratoren haben vergessen, die Galerie zu aktualisieren oder wenigstens auf das Saison-Programm abzustimmen:  Am  15. September wird der alte neue Tonhalle-Saal mit Gustav Mahlers 3. Sinfonie eröffnet, Paavo Järvi beginn einen Bruckner-Zyklus, und aus der Sicht der Konzertmeisterin Julia Becker müsste, wenn schon Johannes Brahms da verewigt ist, selbstverständlich auch Robert Schumann geehrt werden.  Nach Zürich kommt  sodann eine lebende Legende aus den USA, John Adams. Die ganze Vielfalt der kommenden Saison zeigt sich auf der neu gestaltete  Homepage der Tonhalle. Vorfreude ist erlaubt, auf die Klänge des Orchesters muss man warten, die Orgel allerdings wurde den Medienleute vorgeführt: Im mystischen Licht warme, farbig feine Klänge und ein Brausen des vollen Werks für Mendelssohn. Ihn sollte man auch an den Tonhalle-Himmel malen, aber Hauptsache, ihn und alle anderen vereint der neu erstrahlende Klangraum.

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Fabio Luisi und die Philharmonia Zürich

Abschiedskonzert  19. 6. 2021


Ein erstklassiges Opernorchester sei auch ein sehr gutes Sinfonieorchester, sagte Luisi, als er 2012 als Musikdirektor nach Zürich kam, denn da sie immer auf die Sänger hören müsste, hörten die Musiker sich auch selber besser zu, seien flexibel, wach und agil. Vielleicht war man ein wenig verblüfft und dachte vor allem an Marketingideen als Grund für die Taufe des Orchesters, das sich seither Philharmonia Zürich nennt. Aber dem Wort folgten Taten, das Konzertleben im Opernhaus wurde zum starken Faktor, das Orchester stellte sich ins Rampenlicht, im Haus, auf Tournee und in eine statlichen Reihe von CDs. Das Abschiedskonzert mit einer grossartigen Wiedergabe von Anton Bruckners hat das alles nochmals unterstrichen.

Bruckner hat keine Oper geschrieben, aber sein sinfonischer Kosmos ist vielleicht so etwas wie transzendentales Theater. Das Konzert auf der Opernhausbühne ist noch den ganzen Monat im Video-Stream nachzuhören. Und zu sehen: Hier einige Screenshots rund um den Höhepunkt des 2. Satzes.


Bild:er: Screenshots / hb

Bild: © hb

Der Unschuldsengel als Hexe

„Notre Dame“ an den St. Galler Festspielen  25. 6. 2021 


Victor Hugos Roman ist die Vorlage, die Figur des Archidiaconus von Paris rückt ins Zentrum der Oper „Notre Dame“ von Franz Schmidt, die 1914 in Wien uraufgeführt wurde und heute nur selten gespielt wird. Auf der Freilichtbühne der St. Galler Festspiele wird sie zum grossen Spektakel mit dramatischer Brisanz. In Im Sog des spätromantischen Orchesters erlebt man das Scheitern der Männer, allen voran des Geistlichen Oberhaupts, in der Begegnung mit der attraktiven wie herzensgütigen jungen Frau, die deswegen als Hexe sterben muss. Ein grossartiges Team für die wagnerischen Deklamationsspiel und eine  farbige, surreal bildstarke Inszenierung fesseln auf dem Klosterplatz, wo diese Geschichte ihre besondere Ausstrahlung entfaltet.

Bericht PDF

Wenn der Himmel weint

„Notre Dame“ auf dem St. Galler Klosterplatz 7. 7. 2021


Um die Oper in der alternativen Besetzung nochmals zu erleben, nicht um einer alternativen Wetterlage willen, sassen wir gestern wieder auf dem Klosterplatz, wieder vor der imponierenden Bühne mit der vom Brand gezeichneten Rosette der Kathedrale von Paris. Wieder fesselt „Notre Dame“ –  und nun auch im Dauerregen, dem zu trotzen in den Pelerinen im Publikum leicht fiel – sicher im Gegensatz zu den Beteiligten auf der nassen Bühne,  die in bewundernswerter Schicksalsergebenheit die Pfützen ignorierten, in denen sie standen, knieten und lagen.

Dass der Himmel bei der Geschichte um Esmeralda und den Glöckner von Notre Dame weint, ist so weit auch nachvollziehbar. Auch gehört der Wolkenbruch ja zur Trickkiste zumal der Filmregisseure, und immerhin störte der Regenvorhang den Klang von der Bühne her kaum. Die aus Belgrad stammende Sopranistin Sofija Petrovic war als eine berührend und geschmeidig singende und sich bewegende Esmeralda eine ideale Rollenbesetzung (der fatale Männertraum!). Auch der Tenor Roman Payer machte als selbstbewusster Phoebus gute Figur. Sam Taskinen, Bass-Bariton und im Selbstverständnis eine Frau, beeindruckte als schlanker wie kraftvoller Quasimodo. Wiederum imponierten Cameron Becker als Gringoire und Simon Neal als Archidiaconus, die in ihren Rollen noch gewachsen scheinen. Und jetzt,  im strömenden Regen, hatte die fürchterliche Ironie, mit der die Oper die Figur des Gottesmannes umgibt, ihre eigene Pointe, wenn sich dieser im salbungsvollen  Kirchenton die Stimme des biblischen Jonas zu eigen macht und sich aus dem Bauch des Wals in die Tiefe des Meer gespuckt und von Wassermassen umspült sieht.


Bericht der Premiere hier

Bild: © gb

Ein kaum bekanntes Meisterwerk der italienischen Oper

„Nerone“ im Festspielhaus Bregenz  21. 7. 2021


Verdis «Rigoletto» in der Inszenierung des Festspielsommers 2019 ist auch die Oper der Seebühne dieses Jahres. Die Attraktion für das grosse Publikum sind die populären Meisterwerke des Repertoires, im italienischen Fach neben Verdi vor allem Puccini. Ein Werk wie Umberto Giordanos  «Andrea Chénier»  war ein Experiment, und auf Experimente lässt sich Bregenz im Festspielhaus ein, gerade auch mit Werken italienischer Komponisten neben und nach Verdi-Puccini. Mit Arrigo Boitos «Nerone» knüpft das Festival im Haus an die Inszenierung von Franco Faccios «Amleto» an, eine Oper nach Shakespeares «Hamlet», deren Text ebenfalls Boito verfasst hatte. In diesem Zusammenhang war auf das operngeschichtlich spannende Thema der Konfrontation und späteren Zusammenarbeit der jungen ehrgeizigen Künstlergruppe der «Scapigliati» mit Giuseppe Verdi nachzugehen (siehe unten).

Für die Inszenierung des «Nerone» war dasselbe Team am Werk wie für «Amleto». Auf dem See ist nächstes Jahr Puccinis «Madama Butterfly» programmiert. Ob Arrigo Boitos erste und bekanntere Oper «Mefistofele» auch mal an die Reihe kommt? Im Haus oder, warum nicht, auf der Seebühne. Jedenfalls bestätigt auch „Nerone“ bei aller Komplexität der Entstehung und Grösse des musikdramatischen Entwurfs die suggestive Könnerschaft des Literaten, Operndichters und Komponisten Boito.


Bericht der Premiere hier

Von „Amleto“ zu „Otello“ hier

Der digitale Fortschritt am Ziel oder eher nicht

„Upload“ auf der Werkstattbühne in Bregenz  29. 7. 2021


Die Robotik macht grosse Fortschritte, schon bald arbeiten sie am Patientenbett. Dort liegt vielleicht ein Mensch mit munterem Geist und zerfallendem Körper. Warum nicht das Bewusstsein als Kopie in den digitalen Raum retten. Das Gehirn ist ohnehin der letzte analoge Apparat, und somit veraltet.  Für Michel von der Aa, der sich als Komponist wie als Medienkünstler betätigt, sind solche Fiktionen vor allem eine Spielanordnung. In  „Upload“ gehören die digitalen Effekte de Inszenierung zum Thema das Stücks. Als Filmoper wird das Werk bezeichnet, das auf faszinierende Weise komponierte Musik für das Kammerensemble mit digtalen Effekten und LIve-Elektronik im optischen und akustischen Bereich zusammenführt.


Bericht der Premiere hier

Besprechung „Blank out“, Luzern 2017 hier

Bild: © Marco  Borggreve

Bild: © Marco  Borggreve

Nachdenken über „Don Giovanni“

Zur Inszenierung der Salzburger Festspiele 2021


Was die Salzburger Festspiele präsentieren, hat seine Ausstrahlung allein schon vom Prestige der Institution, und es hat sie auch durch das immens mediale Echo. Es dürfte somit seine Berechtigung haben, aus einiger Distanz und auch fern vom Aufführungsort und nur auf der Basis der Aufzeichnung auf dieses Ereignis zurück zu kommen und dabei auch manche Aspekte beiseite zu lassen, insbesondere das spezifisch Musikalische. Anders als die Premierenkritik, die unter dem Eindruck aus der Nahsicht auf Musik und Szene reagiert, bleibt im Nachhinein die grundsätzliche Frage, die ich so formulieren würde: Welche Interpretation des Mythos «Don Giovanni» haben Mozart und Da Ponte mit der Oper realisiert und welche Sicht auf das Werk Mozarts, das ich als eine der grössten Schöpfungen des abendländischen Bühnenschaffens betrachte, hat diese Inszenierung des «Don Giovanni» aus meiner Sicht in die Welt gesetzt?


„Der nackte Mann“ – Zum Salzburger "Don Giovanni" des Festivals 2021 PDF hier

Bild: © Ruth Walz


Salome – eine abendländische Ikone neu gesehen

Zur Premiere der Oper von Richard Strauss im Opernhaus Zürich   12. 09.2021


„Hättest du mich angesehn, du hättest mich geliebt.“ Salomes Erklärung für das Unglück der Begegnung mit dem Gottesmann, rührt an einen zentralen Komplex der Beziehungsgeschichte von Mann und Frau. Was heute als die „Unsichtbarkeit der Frau“ (nicht nur unter der Burka) verhandelt wird, trägt Andreas Homoki im Opernhaus auf subtile Weise in die Inszenierung der Fin-de-siècle-Oper: Im Zentrum eine junge Frau, rebellisch, verstört und voller Sehnsucht - grossartig gestaltet von der Sopranistin Elena Stikhina – wie von heute, aber doch in allen musikalischen Fasern ganz auch die Salome von Richard Strauss.   


Besprechung hier im PDF  und am Mittwoch im Tagblatt der Stadt Zürich

Bild: © Paul Leclaire

Ein musikalischer Weltbau

Eröffnungskonzert der renovierten Tonhalle Zürich  15. 09.2021


Ein Ankommen, wie es nicht glücklicher hätte sein können: Mit Gustav Mahlers Weltbau-Sinfonie feierte Zürich die Wiedereröffnung, das Wiedersehen und Wiederhören der gloriosen Tonhalle. Man kann von Klangwunder reden, weil die Akustik superb ist und die Interpreten der denkbar besten Akustik alle Ehre erwiesen haben. Mit Paavo Järvi musizierten des Tonhalle-Orchester, die Damen der Zürcher Sing-Akademie, die Zürcher Sängerknaben und die Solistin Wiebe Lehmkuhl in glücklicher Balance und bewegend beseelt.



Besprechung und Bilder hier im PDF

Bild: © Herbert Büttiker

Bild: ©  Edyta Dufaj

Verteufelt human

„La clemenza di Tito“– das Theater Magdeburg zu Gast in Winterthur


Vor dem Hof mag Mozarts Krönungsoper seinerzeit in Prag durchgefallen sein, so wie wir heute Mozart hören, eine Stimme der Humanität und Liebesutopie aus der Tiefe der europäischen Musik wächst uns das Stück gleich ans Herz. Und so geschehen auch anlässlich des Gastspiels aus Magdeburg mit einem starken Ensemble, dem Musikkollegium als feinnervigem Klangapparat und dem zu inspiriertem Musizieren anregenden Dirigat von Pawel Poplawski. Weitere Aufführungen im Theater Winterthur am Sonntag, 14.30 Uhr, und am 1. und 2. Oktober jeweils  19.30 Uhr.


Eine Besprechung hier im PDF

Die Zukunft ist weiblich

„Breaking the Waves“ – die Oper der US-Amerikanerin Missy Mazzoli in St. Gallen  15. 09.2021


Erstmals geht im Theater St. Gallen eine von einer Frau komponierten Oper über die Bühne – eindrücklich und mit grossem Premierenerfolg. Das Ereignis fällt zusammen mit dem Antritt des neuen Operndirektors Jan Henrich Bogen. Dieser hat sich als Motto „Herstory – oder: die Zukunft ist weiblich“ auf die Fahne geschrieben. Ziel wäre ja, dass die Gleichberechtigung und -wertigket im künstlerischen Betrieb an einem Punkt ankommt, an dem die Geschlechterfrage einzig noch der Sache gilt. Inwiefern ist das Werk, die Inszenierung durch die Sicht einer Frau oder eines Manness geprägt. Für „Breaking the Waves „ ist die Antwort nicht einfach. Man bekommt es mit einer spannenden und komplexen Liebesgeschichte zu tun, eindrücklich in Musik gesetzt von der US-amerikanischen Komponistin Missy Mazzoli und perfekt in Szene gesetzt von der britischen Regisseurin Melly Still und der Ausstatterin Ana-Inés Jabares-Pita.


Besprechung im pdf hier

Singen ist (k)eine Hexerei

„Hexe Hillary geht in die Oper“– im Theater Winterthur 29. 9. 2021


Neben dem Gastspiel der Mozart-Oper  auf der grossen  Bühne, eröffnet die theatereigene Produktion von Peter Lunds „Hexe Hillary“ auf der Foyer-Bühne die Saison für das kleine Publikum. Auch da spielt Mozart mit – einiges aus der „Zauberflöte“ ist mit im Spiel –, aber was die Kinder erleben, ist der ganze Zauber des Thetaters, mit aller Lust und Sorgfalt, mit viel Aufwand  und Können inszeniert. 


Besprechung im PDF hier

Bild: © Nilz Boehme

Bild: © Luca Schaffer

Abheben mit Roberto

Roberto Gonzalez-Monjas  tritt beim Musikkollegium Winterthur an  6. 10. 2021


Dass es mit Roberto Gonzalez fliegen kann, hat das Musikkollegium längst gezeigt. Zum Beispiel auf einer Konzerttournee durch Südkorea und Japan. Als Dirigent und Konzertmeister in einer Person liess er mit dem Orchester die Konzertsäle in Daegu, Tokio und Osaka abheben. Acht Jahre lang war er Konzertmeister, Kammermusiker und oft auch Orchesterleiter.   Das Winterthurer Publikum kennt ihn bestens. Am Mittwoch begrüsste es ihn als Chefdirigenten. 


Sein Debüt-Konzert eröffnete Gonzalez mit einem Werk, das Richard Dubugnon für das Musikkollegium geschrieben hat. Die Uraufführung fand 2017 statt, Gonzalez` Vorgänger Wolfgang Zehetmair hat das der „Loblichen gesellschaft der Musicanten“ gewidmete Stück auf CD aufgenommen.


Besprechung des Konzerts hier

CD-Hinweis hier „Ein loblich gesellschaft der Musicanten“ PDF

Roberto Gonzalez-Monjas im Gespräch am 6. 10. 21 im „Landboten“ und hier im PDF


Neues Konzertleben im Stadthaussaal





Bild: © Herbert Büttiker

Bild: © Herbert Büttiker

Die Königin der Nacht übernimmt

Mozarts „Zauberflöte“ im Theater St. Gallen  23. 10. 2021


Warum soll immer Sarastro am Ende den Sieg davon tragen, fragt sich die Regisseurin Guta Rau. Auf der St. Galler Bühne dreht sie den Spiess um. Sie hat Sarastros Herrschaft unterwandert und übernimmt die Kontrolle. Er guckt blöd aus seiner Wäsche, sie aber lässt auch nicht unbedingt Gutes erwarten  Ende gut, alles gut? steht am Schluss auch auf dem Vorhang projiziert. Was das Musikalische betrifft, lässt sich sagen, sehr gut alles, und die Inszenierung bewährt in der Offenheit des Schlusses die Klugheit ihres Experiments – eine gewisse Irritation inklusive.


Besprechung hier 

Bild: ©  Edyta Dufaj

Im Rachen eines Monsters

Giuseppe Verdis „Il trovatore“ im Opernhaus Zürich  24. 10. 2021


Mutter und Sohn, Liebe, Eifersucht, Rachedurst: Elementare Beziehungen und obsessive Leidenschaften sind Thema von Verdis «Il Trovatore». Chefdirigent Gianandrea Nosedas Orchester und grosse Stimmen lassen sie im Opernhaus aufwühlend hoch kochen. Die Inszenierung zeigt die Oper als Drama im Höllenrachen – die lichten Momente verpasst sie aber auch nicht.


Besprechung hier

Motivzusammenhänge in Verdis Oper «Il Trovatore»  hier



Bild: ©  Monika Rittershaus