Die Geschichte zu

Roccosound“













25. 01.2026

Ein Neujahrswunsch

Die Zürcher Kammeroper mit Donizettis „Don Gregorio“   31. Dezember 2025


"E al regno del rigore ne succede il miglior… regno d'amore"

                                                                       Gilda in "L'aio nelli imbarazzo"                       


Liebe Leserin, lieber Leser

Der Neujahrswunsch, der sich aus der heiteren Opera buffa von Gaetano Donizetti herauslesen lässt, soll für die Welt gelten: Mehr Liebe, weniger Tyrannei!


„L‘aio nel imbarazzo“ oder auch „Don Gregorio“ ist die neunte Oper von Gaetano Donizetti und erscheint nur selten auf der Bühne. Die Zürcher Kammeroper bietet mit einer gelungene Produktion erst die zweit Inszenierung in der Schweiz. In weiteren Aufführungen bis 18. Januar in den zur Opernbühne geweihten Gemeindesaal Zollikon kann man sie kennenlernen.

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Bild: ©  Dennis Youlov

Carmens Reise durch Süddeutschland und die Schweiz

Gastspiel der Theaters Pforzheim in Winterthur 9. Januar s2026


Auf der Gastspielbühne in Winterthur schaut auch Carmen gelegentlich vorbei. 2015 kam sie vom Theater Freiburg, diesmal aus Pforzheim. Das Dreispartenhaus hat die Kompetenz auch für dieses kapitale Repertoirewerk, aber sie verzichtet auf Opulenz und sucht die Konzentration – mit Cecilia Pastawski als szenisch und musikalisch starker Darstellerin der Titelpartie.


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Bild: ©  Martin Sigmund

Zwischen Konzertbühne und Carnac

Konzert des Musikkollegiums Winterthur 14. Januar 2026


Für das erste Abonnementskonzert im neuen Jahr ist D-Dur keine schlechte Wahl, Beethovens Violinkonzert ohne hin nicht, und auch mit der 5. Sinfonie des Briten Ralph Vaughan Williams war Musik zu entdecken, die in helle Sphären führt. Der Jahresanfang 2026 braucht vielleicht besonders die Inspiration, die der Seele andere als die Alltagsnahrung bietet. Im Stadthaussaal war Freude zu spüren und der Applaus für das Musikkollegium, den Dirigenten Duncan Ward und den Solisten Nemanja Radulović war gross. Vaughan-Williams schrieb die Sinfonie mit ihrem  geheimnisvollen, scheinbar aus der Ferne herklingende Hornthema und den hymnischen Aufschwüngen in den Jahren vor und während des Zweiten Welkkriegs. Er wusste als Soldat im Ersten Weltkrieg aus eigener Erfahrung, was Krieg ist, aber die Harmonik der Spätromantik, an der er festhielt, sprach von einem Erleben auch jenseits der Schrecken. Das fallende Sekundintervall spielt zwar seine düstere Rolle, aber im zweiten Satz hat das Leben seine Burleske und die Posaune ihre koboldischen Interventionen. Die Bläser, darunter prominent das Englischhorn, waren blühend präsent, das Orchester voller Elan in anschwellenden Klangströmen.


Im Rückblick auf die erste Konzerthälfte steht weniger die emotionale musikalische Erfahrung der Begegnung mit einer ausladenden, selten gehörten sinfonischen Partitur im Fokus als der Interpret des vielleicht bekanntesten und meist gespielten Violinkonzerts. Zu erleben war ein Virtuose höchsten Grades, der flirrenden Figurationen und Triller, des akuratesten Umgangs mit dem Vibrato, der immensen Spannweite von temperamentvollen Impulsen und entrückten Pianissimi, die gleichwohl die Spannung hielten. Dann war da die gelöste Verbundenheit mit Dirigent und Orchester, lustvolles gemeinsames Musizieren und allein für sich im Kontrast das subtile und teufelsgeigerische Kadenzen-Spektakel. Es konnte einem alles in allem dabei passieren, dass man da mehr staunte und bewunderte als berührt wurde oder dies in einer Sphäre geschah, die interessanterweise auch Beethoven zwischen den Menhiren von Carnac auftauchen liess, am Ort der Mystifikation und des Charismas des serbisch-französischen Ausnahmemusikers.


Nicht die megalithische Kultstätte, sondern das Podium im Stadthaus war der Ort für eine sympathische, von einem mazedonischen Volkslied inspirierte Zugabe, die Nemanja Radulović zusammen und ex aequo mit dem Konzertmeister des Musikkollegiums Bogdan Božović zum Besten gab.        

Bild: © Herbert Büttiker

Zwischen Posse und Groteske“

Giuseppe Verdis „Macbeth“ im Theater Basel 22. 2. 2026


Dass Verdis "Macbeth" auch ein lustiger Abend sein kann, zeigte sich beim Schlussapplaus. Alle machten sie nochmals ihre Kapriolen, Macbeth drehte ein Rad, die Lady tänzelte vergnügt, und Regisseur Herbert Fritsch tauchte aus der Versenkung auf, wie aus Versehen mit dem Rücken zum Publikum. Dieses war enthusiastisch und bot zu diesem Nachspiel eine Standing Ovation. Erstaunlich! Ging es da zuvor nicht um eine mörderische Herrschaft, die das Land in eine „Räuberhöhle“ verwandelt? Die Momente, wo das abgründige Potenzial gerade dieser Oper uns bewegt, suchte man szenisch vergebens. Musikalisch war das Format dafür vorhanden, mit dem Chor für "Patria oppressa" und profilierter Präsenz überhaupt, und mit Protagonisten (Iain MacNeil als Macbeth und Heather Engebretson als Lady), deren sängerisches Vermögen durch die Harlekinaden der Regie allerdings nicht gefördert wurde. Verdis Rhythmik wurde durch das Getrippel auf der Bühne verballhornt, ihr Pathos ironisiert, die Musik im Ganzen aber vom Orchester unter der Leitung von Dirk Kaftan seriös und farbstark realisiert.

Besprechung der Aufführung vom 8. März 2025 exklusiv bei:

                     

www.oper-magazin.de

 


Zu Verdis „Macbeth“


Zehn Jahre ist es her seit der letzten Inszenierung von Verdis „Macbeth“ im Theater Basel. Damals zeigte der Regisseur Olivier Py ein Stück um Macht, Gewalt und Widerstand und ein Stück in all seiner Phantastik. Im Gedächtnis bleibt auch die grosse Statue, die in der Schlussszene geschleift wurde – wie man es von der Tagesschau her kannte.  Mit diesem politischen Gestus schuf das Theater Basel auch einen Gegenpol zur Inszenierung von Barrie Kosky, die kurz zuvor am Opernhaus Zürich Premiere gefeiert hatte. Das politische Drama interessiere ihn überhaupt nicht, liess sich Kosky im Magazin des Opernhauses zitieren, und er irritierte mit der Aussage, der «Patria oppressa»-Chor sei «die schwächste Musik der ganzen Oper». Eine Auseinandersetzung mit diesen beiden Opernabenden fand ihre Fortsetzung mit einer Inszenierung im Theater St. Gallen. Mit der Darstellung des König Duncans zeigte auch sie, dass die grundlegende politische Geschichte, die in „Macbeth“ erzählt wird, kaum erfasst ist. Der Königsmord als ein Sakrileg und der Sturz des Tyrannen als Wiederherstellung der humanen Ordnung verlangt eine deutlichere szenische Sprache als sie die Parteien neutralisierend die Inszenierung Christian Lada verwendete.


Die Darstellung der stummen Figur des Königs Duncan, den Verdi alles andere als pompös, nämlich mit einem ländlich schlichten Marsch der Banda hinter der Bühne charakterisiert, ist einer der Gradmesser für das Verständnis. Er repräsentiert das Ideal einer gültigen und befriedeten politischen Ordnung. Herbert Fritsch macht ihn im Basler Theater zur trotteligen Witzfigur. Er muss andauernd davor zurückgehalten werden, in den Orchestergraben zu stürzen. Wer denkt da an das Ungeheure des Königsmords, vor dem sogar der Mörder selber erschrickt?


Mit dieser  Inszenierung ist nun der vollkommener Substanzverlust einer Thematik erreicht, die uns gerade gegenwärtig mit ausgehöhlten Demokratien, Wahlfälschungen, mit  aufstrebenden und Unheil stiftenden Autokratien beschäftigt und beunruhigt. Zum Lachen sind diese Entwicklungen und die aktuell katastrophalen Verhältnisse, zu denen sie schon geführt haben, gewiss nicht. Die Verlagerung der Oper in eine Stillage von Trash und burlesker Revue ist nicht nur Komik am falschen Ort, sondern, um hier so konkret zu werden wie möglich, im Finale  des dritten Aktes mit der Verulkung des „Allegro Maestoso“ eine Verhöhnung eines jeden Aufbruch zum Sturz der Tyrannei und der Hoffnung auf und Sehnsucht nach humanen Verhältnissen, die wir mit dem Worf „Völkerrecht“ beschwören.


Wie gross Verdis Intention war, mit dem „phantastischen Thema“ ernst zu machen, zeigt sein Bemühen um eine adäquate Besetzung. Es war beseelt von der dramatischen Vision, nicht nur Sänger, sondern Charaktere auf der Bühne handeln zu sehen. Die Reduktion der Figuren auf Schablonen einer Harlekinade, auf die es in der Basler Inszenierung zuletzt hinaus läuft, lässt die stilistischen Ambitionen eines szenisch- und wortbestimmt differenzierten musikalischen Interpretation in den Hintergrund treten. Was es mit dem Verdikt, die Lady Macbeth müsse „nicht singen“ auf sich hat, war jetzt in Basel weniger ein Thema. Es ist gleichwohl der Betrachtung wert, da es  in keinem Programmheft übergangen wird und als eine vokale Gestaltung „Richtung Sprechen, Richtung Geräusch“ (Dirk Kaftan) verstanden wird. 


Die beiden erwähnten Beiträge:

Macbeth und der Königsmord pdf

Die Tadolini-Story pdf

 

Bild: © Ingo Höhn

Cardillacs iLucury Jewels

Paul Hindemiths „Cardillac“ im Opernhaus Zürich


Der Romantiker E.T.A. Hoffmann hat seine Geschichte vom narzisstischen Künstlergenie, „Das Fräulein von Scuderi“, zur Kriminalgeschichte aus dem Paris des 17. Jahrhunderts gemacht. Daran haben Hindemith und sein Librettist Ferdinand Lion nicht gerüttelt, und auch die Musik hat ja ihren starken Zug zum Barocken. Aber was war der Goldschmied für den jungen Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts? Das wäre eine Frage, aber die Inszenierung von Kornel Mundruczo beantwortet mit grossem Aufwand und präzisen Ideen die Frage, was dieser Juwelier mit seinem Luxuslabel „C“ in der Hochglanzwelt von heute für ein Mensch ist.

Besprechung hier im PDF