Die Geschichte zu

Roccosound“













09. 01.2026

Ein Neujahrswunsch

Die Zürcher Kammeroper mit Donizettis „Don Gregorio“   31. Dezember 2025


"E al regno del rigore ne succede il miglior… regno d'amore"

                                                                       Gilda in "L'aio nelli imbarazzo"                       


Liebe Leserin, lieber Leser

Der Neujahrswunsch, der sich aus der heiteren Opera buffa von Gaetano Donizetti herauslesen lässt, soll für die Welt gelten: Mehr Liebe, weniger Tyrannei!


„L‘aio nel imbarazzo“ oder auch „Don Gregorio“ ist die neunte Oper von Gaetano Donizetti und erscheint nur selten auf der Bühne. Die Zürcher Kammeroper bietet mit einer gelungene Produktion erst die zweit Inszenierung in der Schweiz. In weiteren Aufführungen bis 18. Januar in den zur Opernbühne geweihten Gemeindesaal Zollikon kann man sie kennenlernen.

Besprechung hier im PDF

Bild: ©  Dennis Youlov

Carmens Reise durch Süddeutschand und die Schweiz

Gastspiel der Theaters Pforzheim im Winterthur 9. Januar s2026


Auf der Gastspielbühne in Winterthur schaut auch Carmen gelegentlich vorbei. 2015 kam sie vom Theater Freiburg, diesmal aus Pforzheim. Das Dreispartenhaus hat die Kompetenz auch für dieses kapitale Repertoirewerk, aber sie verzichtet auf Opulenz und sucht die Konzentration – mit Cecilia Pastawski als szenisch und musikalisch starker Darstellerin der Titelpartie.


Besprechung hier im PDF

Bild: ©  Martin Sigmund

Zwischen Konzertbühne und Carnac

Konzert des Musikkollegiums Winterthur 14. Januar 2026


Für das erste Abonnementskonzert im neuen Jahr ist D-Dur keine schlechte Wahl, Beethovens Violinkonzert ohne hin nicht, und auch mit der 5. Sinfonie des Briten Ralph Vaughan Williams war Musik zu entdecken, die in helle Sphären führt. Der Jahresanfang 2026 braucht vielleicht besonders die Inspiration, die der Seele andere als die Alltagsnahrung bietet. Im Stadthaussaal war Freude zu spüren und der Applaus für das Musikkollegium, den Dirigenten Duncan Ward und den Solisten Nemanja Radulović war gross. Vaughan-Williams schrieb die Sinfonie mit ihrem  geheimnisvollen, scheinbar aus der Ferne herklingende Hornthema und den hymnischen Aufschwüngen in den Jahren vor und während des Zweiten Welkkriegs. Er wusste als Soldat im Ersten Weltkrieg aus eigener Erfahrung, was Krieg ist, aber die Harmonik der Spätromantik, an der er festhielt, sprach von einem Erleben auch jenseits der Schrecken. Das fallende Sekundintervall spielt zwar seine düstere Rolle, aber im zweiten Satz hat das Leben seine Burleske und die Posaune ihre koboldischen Interventionen. Die Bläser, darunter prominent das Englischhorn, waren blühend präsent, das Orchester voller Elan in anschwellenden Klangströmen.


Im Rückblick auf die erste Konzerthälfte steht weniger die emotionale musikalische Erfahrung der Begegnung mit einer ausladenden, selten gehörten sinfonischen Partitur im Fokus als der Interpret des vielleicht bekanntesten und meist gespielten Violinkonzerts. Zu erleben war ein Virtuose höchsten Grades, der flirrenden Figurationen und Triller, des akuratesten Umgangs mit dem Vibrato, der immensen Spannweite von temperamentvollen Impulsen und entrückten Pianissimi, die gleichwohl die Spannung hielten. Dann war da die gelöste Verbundenheit mit Dirigent und Orchester, lustvolles gemeinsames Musizieren und allein für sich im Kontrast das subtile und teufelsgeigerische Kadenzen-Spektakel. Es konnte einem alles in allem dabei passieren, dass man da mehr staunte und bewunderte als berührt wurde oder dies in einer Sphäre geschah, die interessanterweise auch Beethoven zwischen den Menhiren von Carnac auftauchen liess, am Ort der Mystifikation und des Charismas des serbisch-französischen Ausnahmemusikers.


Nicht die megalithische Kultstätte, sondern das Podium im Stadthaus war der Ort für eine sympathische, von einem mazedonischen Volkslied inspirierte Zugabe, die Nemanja Radulović zusammen und ex aequo mit dem Konzertmeister des Musikkollegiums Bogdan Božović zum Besten gab.        

Bild: © Herbert Büttiker