Die Geschichte zu

Roccosound“













21.09.2022

Jeanne d‘Arc heute

Verdis „Giovanna d‘Arco“ an den St. Galler Festspielen   24. 6. 2022


Wie bringt man die französische Nationalheldin, die das Heer todesmutig und wundersam siegreich gegen die als Invasoren betrachteten Engländer führte, in diesen Tagen auf die Opernbühne? In Verdis „Giovanna d‘Arco“ wird die „Einberufung“ am Beispiel der Jeanne d'Arc als tragisches Schicksal und Hingabe an eine höhere Macht zum dramatisch spannenden Bogen. Die Inszenierung der St. Galler Festspiele bettet ihn in unparteiische Bilder vom Kriegselend überhaupt und legt den Akzent auf die fragwürdige Präsenz von Kirchen- und Staatsmacht. Die polnische Sopranistin ist dazu aber die berührende Titelheldin, wie sie die Partitur vorschreibt und würdigt. Die musikalisch bewegende und bildhaft aktuelle Aufführung auf dem St. Galler Klosterhof erlebte unter aufklarendem Himmel eine erfolgreiche Premiere.

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„Warum lieber jetzt nicht“ – Zur Entscheidung des Theaters, anstelle von Tschaikowsky Verdis Jeanne d‘Arc-Oper aufzuführen (neue Fassung) PDF

Bild: © Xiomara Bender

Die Opernkonkurrenz von 1903

„Butterfly“ und „Siberia“ an den Bregenzer Festspielen  20. /21. 7. 2022


Die Bregenzer Festspielen bieten ein umfassendes Programm auf vielen Spielstätten und in mehreren Sparten. Hauptattraktion ist aber die Seebühne und die grosse Inszenierung von Giacomo Puccinis „Madama Butterfly“. Sekundiert wird sie mit der Rarität im Haus: Umberto Giordanos wenig bekannte Oper „Siberia“ über eine Liebesbeziehung, die sich in der unwirtlichen Welt der sibirischen Arbeitslager erfüllt. Die Epoche des “Verismo“ hat facettenreich Blüten hervorgebracht. Bregenz bietet auf der Seebühne das bewegende Seelendrama der Cio-Cio-San mit Aufführungen bis 21. August, das Werk des Komponisten ders „André Chénier“ und der „Fedora“  allerdings nur noch zwei Mal, am 24. Juli und am 1. August.

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Bilder: © Karl Forster

Erinnerung an Katharina Hardy

19. 8. 2022


Die Premiere von Giovanni Battista Pergolesis Oper „Olimpiade“ im  März dieses Jahres gehört zu den eigenartigsten Produktionen des Opernhauses Zürich, aber sie bleibt im Gedächtnis haften. Dabei geht es nicht nur um Pergolesi und seine wenig kohärente Darstellung auf der Bühne, sonder um eine in den Zeiten der Corona-Pandemie geborene Idee des Regisseurs David Marton. Porträts betagter, auch gebrechlicher Menschen im Gespräch über ihr Leben, ihren Alltag und ihre Beziehung zur Musik machten einen wesentlichen Teil seiner Inszenierung aus. Heute ist speziell an das Ehepaar Katharina und Ervin Hardy zu erinnern. Die Violinistin und Musikpädagogin ist am 7. August im Alter von 93 Jahren gestorben, ihr Mann, 101-jährig, zum Witwer geworden. Ihr Schicksal als Überlebende in den Konzentrationslagern von Ravensbrück und Bergen-Belsen hat Katharina Hardy, jüdischer Abstammung, erst in jüngster Zeit öffentlich gemacht. Gerade auch vor wenigen Monaten im Umfeld der Opernpremiere erfüllte sie mit ihrer bewegenden medialen Präsenz eine Mission jenseits der Musik.


Nachruf in „Der landbote“ vom 19. 8. 2022 hier

Besprechung „Olimpiade“ hier

Dokumentarfilm „Zeitzeugen der Zeitzeugen“

© Dokumenarfilm David Marton / Sonja Aufderklamm

Bild: © Herbert Büttiker

Neu: Musiker Stephan Goerner, Cellist – willkommen in der Galerie der Guest-Homepages von Roccosound mit biografischen Daten und Beiträgen zu den vom Schweizer Cellisten gegründeten
Carmina Quartett und Kammermusikfestival Kyburgiade

Klang und Seele, West und Ost

Konzert des Tonhalle-Orchesters  14. 9. 2022


Die Verbindung von Musik des Japaners Toshio Hosokawa mit Anton Bruckners 8. Sinfonie scheint einem inneren Programm zu folgen. 2010 war es das Cleveland Orchestra, das am Lucerne Festival zusammen mit der Achten ein Werk von Hosokawa präsentierte, der damals den Preis der „Roche Commissions“ erhielt. Man mag den Kontrast der tonalen Architektur als Summe westlicher Musik gegen die Klangwelt zeitgenössischer Orchestermusik in Betracht zihen oder die Seele, um die es in beiden Welten geht.


Konzertbesprechung im PDF

Bild: © Herbert Büttiker

Diversity-Theater

Jospeh Bolognes Komödie „Der anonyme Liebhaber“ im Theater  St. Gallen  18. 9. 2022


Eine Aufführung von Joseph Bolognes (Chevalier de Saint-Goeroges) wäre an sich schon ein  ein verdienstvolles Unternehmen. Die Inszenierung überlagert das Stück aber mit der Biografie des dunkelhäutigen Musik- und Fechtgenies im späteren 18. Jahrhundert, und macht den Abend zu einem Plädoyer  für Diversity.


Besprechung hier


Klare Bilder und Töne für ein raunendes Werk

„Die Walküre“ im Opernhaus Zürich 18. 9. 2022


Was sich Interpreten an Richard Wagners „Ring“ schon abgearbeitet haben. Mit der „Walküre“ zeigt sich nun noch deutlicher, dass es Homoki mit einem grossartig engagierten  Ensemble und meisterlichem Regie-Handwerk gelingt, die Tetralogie ohne allen Ballast noch einmal frisch anzugehen.

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Rückblick:

„Rheingold“

Aus dem Archiv: Zum Thema Wagner in Zürich, diverse Beiträge: pdf

Bild: © Edyta Dufaj

Bild: © Monika Rittershaus

Mauro Peter singt Schubert

Rezital mit Schuberts Goethe-Vertonungen in der Andermatt Concert Hall   13. 8. 2022


Wie facettenreich Goethes Lyrik ist und wie kongenial vielschichtig sie Schubert in Musik verwandelt hat, wird erst recht deutlich, wenn starke Interpreten eine so kluge Zusammenstellung aus dem grossen Fundus präsentieren wie eben jetzt der Tenor Mauro Peter und der Pianist Joseph Middleton in der Andermatt Concert Hall. Goethe, der Stürmer und Dränger, der Hymniker, der Bekenner raunender Seelenschwingungen, der süffisante Ironiker, der Meister der Knappheit – dieses Universum der Poesie findet seine Entsprechung in Schuberts Musik und es fand in disem Rezital seine Entsprechung in der Interpretationskunst einer fein abgestimmten Partnerschaft:  Mauro Peter mit der grossen Spannweite seines Tenors und einer Ausdrucksfähigkeit, die Verinnerlichung im intensiven Mezzavoce und den dramatischen Ausbruch kontrolliert und mit einem unerhört wachen Sensorium für die Regungen des lyrischen Ichs in Sprache und Klang; Joseph Middleton, gleichfalls nuanciert und ohne alle Härte  dezidiert im pianistischen Eigenleben und als Begleiter im Hinblick auf Formgebung und Zug des Ganzen. Der eindrückliche Abend war der Schwerpunkt der ersten „Goethe Tage Andermatt“, die künftig jedes Jahr stattfinden sollen.   


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Eine Fahrt über den Gotthard im August 2021 – Bilder aus dem Fotoalbum hier

Tragische Kulturgeschichte

„Madama Butterfly“ im Theater Winterthur 23. 9. 2022


Puccinis Gegenwarts-Oper, die er als „tragedia giappones“ bezeichnet, behandelt mit grossartiger Einfühlung das Einzelschicksal einer Geisha, aber dieses steht für den Untergang einer Kult. Das akzentuiert die Heidelberger Inszenierung, die in Winterthur zu Gast ist – und nicht in geringem Mass auch eine Winterthurer Eigenproduktion ist: Das Musikkollegium erweist sich einmal mehr als grossartiges Opernorhester. 

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Bild: © Susanne Reichardt