14. 04.2026
Ein Neujahrswunsch
Die Zürcher Kammeroper mit Donizettis „Don Gregorio“ 31. Dezember 2025
"E al regno del rigore ne succede il miglior… regno d'amore"
Gilda in "L'aio nelli imbarazzo"
Liebe Leserin, lieber Leser
Der Neujahrswunsch, der sich aus der heiteren Opera buffa von Gaetano Donizetti herauslesen lässt, soll für die Welt gelten: Mehr Liebe, weniger Tyrannei!
„L‘aio nel imbarazzo“ oder auch „Don Gregorio“ ist die neunte Oper von Gaetano Donizetti und erscheint nur selten auf der Bühne. Die Zürcher Kammeroper bietet mit einer gelungene Produktion erst die zweit Inszenierung in der Schweiz. In weiteren Aufführungen bis 18. Januar in den zur Opernbühne geweihten Gemeindesaal Zollikon kann man sie kennenlernen.
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Bild: © Dennis Youlov
Carmens Reise durch Süddeutschland und die Schweiz
Gastspiel der Theaters Pforzheim in Winterthur 9. Januar s2026
Auf der Gastspielbühne in Winterthur schaut auch Carmen gelegentlich vorbei. 2015 kam sie vom Theater Freiburg, diesmal aus Pforzheim. Das Dreispartenhaus hat die Kompetenz auch für dieses kapitale Repertoirewerk, aber sie verzichtet auf Opulenz und sucht die Konzentration – mit Cecilia Pastawski als szenisch und musikalisch starker Darstellerin der Titelpartie.
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Bild: © Martin Sigmund
Zwischen Konzertbühne und Carnac
Konzert des Musikkollegiums Winterthur 14. Januar 2026
Für das erste Abonnementskonzert im neuen Jahr ist D-Dur keine schlechte Wahl, Beethovens Violinkonzert ohne hin nicht, und auch mit der 5. Sinfonie des Briten Ralph Vaughan Williams war Musik zu entdecken, die in helle Sphären führt. Der Jahresanfang 2026 braucht vielleicht besonders die Inspiration, die der Seele andere als die Alltagsnahrung bietet. Im Stadthaussaal war Freude zu spüren und der Applaus für das Musikkollegium, den Dirigenten Duncan Ward und den Solisten Nemanja Radulović war gross. Vaughan-Williams schrieb die Sinfonie mit ihrem geheimnisvollen, scheinbar aus der Ferne herklingende Hornthema und den hymnischen Aufschwüngen in den Jahren vor und während des Zweiten Welkkriegs. Er wusste als Soldat im Ersten Weltkrieg aus eigener Erfahrung, was Krieg ist, aber die Harmonik der Spätromantik, an der er festhielt, sprach von einem Erleben auch jenseits der Schrecken. Das fallende Sekundintervall spielt zwar seine düstere Rolle, aber im zweiten Satz hat das Leben seine Burleske und die Posaune ihre koboldischen Interventionen. Die Bläser, darunter prominent das Englischhorn, waren blühend präsent, das Orchester voller Elan in anschwellenden Klangströmen.
Im Rückblick auf die erste Konzerthälfte steht weniger die emotionale musikalische Erfahrung der Begegnung mit einer ausladenden, selten gehörten sinfonischen Partitur im Fokus als der Interpret des vielleicht bekanntesten und meist gespielten Violinkonzerts. Zu erleben war ein Virtuose höchsten Grades, der flirrenden Figurationen und Triller, des akuratesten Umgangs mit dem Vibrato, der immensen Spannweite von temperamentvollen Impulsen und entrückten Pianissimi, die gleichwohl die Spannung hielten. Dann war da die gelöste Verbundenheit mit Dirigent und Orchester, lustvolles gemeinsames Musizieren und allein für sich im Kontrast das subtile und teufelsgeigerische Kadenzen-Spektakel. Es konnte einem alles in allem dabei passieren, dass man da mehr staunte und bewunderte als berührt wurde oder dies in einer Sphäre geschah, die interessanterweise auch Beethoven zwischen den Menhiren von Carnac auftauchen liess, am Ort der Mystifikation und des Charismas des serbisch-französischen Ausnahmemusikers.
Nicht die megalithische Kultstätte, sondern das Podium im Stadthaus war der Ort für eine sympathische, von einem mazedonischen Volkslied inspirierte Zugabe, die Nemanja Radulović zusammen und ex aequo mit dem Konzertmeister des Musikkollegiums Bogdan Božović zum Besten gab.
Bild: © Herbert Büttiker
Zwischen Posse und Groteske“
Giuseppe Verdis „Macbeth“ im Theater Basel 22. 2. 2026
Dass Verdis "Macbeth" auch ein lustiger Abend sein kann, zeigte sich beim Schlussapplaus. Alle machten sie nochmals ihre Kapriolen, Macbeth drehte ein Rad, die Lady tänzelte vergnügt, und Regisseur Herbert Fritsch tauchte aus der Versenkung auf, wie aus Versehen mit dem Rücken zum Publikum. Dieses war enthusiastisch und bot zu diesem Nachspiel eine Standing Ovation. Erstaunlich! Ging es da zuvor nicht um eine mörderische Herrschaft, die das Land in eine „Räuberhöhle“ verwandelt? Die Momente, wo das abgründige Potenzial gerade dieser Oper uns bewegt, suchte man szenisch vergebens. Musikalisch war das Format dafür vorhanden, mit dem Chor für "Patria oppressa" und profilierter Präsenz überhaupt, und mit Protagonisten (Iain MacNeil als Macbeth und Heather Engebretson als Lady), deren sängerisches Vermögen durch die Harlekinaden der Regie allerdings nicht gefördert wurde. Verdis Rhythmik wurde durch das Getrippel auf der Bühne verballhornt, ihr Pathos ironisiert, die Musik im Ganzen aber vom Orchester unter der Leitung von Dirk Kaftan seriös und farbstark realisiert.
Zu Verdis „Macbeth“
Zehn Jahre ist es her seit der letzten Inszenierung von Verdis „Macbeth“ im Theater Basel. Damals zeigte der Regisseur Olivier Py ein Stück um Macht, Gewalt und Widerstand und ein Stück in all seiner Phantastik. Im Gedächtnis bleibt auch die grosse Statue, die in der Schlussszene geschleift wurde – wie man es von der Tagesschau her kannte. Mit diesem politischen Gestus schuf das Theater Basel auch einen Gegenpol zur Inszenierung von Barrie Kosky, die kurz zuvor am Opernhaus Zürich Premiere gefeiert hatte. Das politische Drama interessiere ihn überhaupt nicht, liess sich Kosky im Magazin des Opernhauses zitieren, und er irritierte mit der Aussage, der «Patria oppressa»-Chor sei «die schwächste Musik der ganzen Oper». Eine Auseinandersetzung mit diesen beiden Opernabenden fand ihre Fortsetzung mit einer Inszenierung im Theater St. Gallen. Mit der Darstellung des König Duncans zeigte auch sie, dass die grundlegende politische Geschichte, die in „Macbeth“ erzählt wird, kaum erfasst ist. Der Königsmord als ein Sakrileg und der Sturz des Tyrannen als Wiederherstellung der humanen Ordnung verlangt eine deutlichere szenische Sprache als sie die Parteien neutralisierend die Inszenierung Christian Lada verwendete.
Die Darstellung der stummen Figur des Königs Duncan, den Verdi alles andere als pompös, nämlich mit einem ländlich schlichten Marsch der Banda hinter der Bühne charakterisiert, ist einer der Gradmesser für das Verständnis. Er repräsentiert das Ideal einer gültigen und befriedeten politischen Ordnung. Herbert Fritsch macht ihn im Basler Theater zur trotteligen Witzfigur. Er muss andauernd davor zurückgehalten werden, in den Orchestergraben zu stürzen. Wer denkt da an das Ungeheure des Königsmords, vor dem sogar der Mörder selber erschrickt?
Mit dieser Inszenierung ist nun der vollkommener Substanzverlust einer Thematik erreicht, die uns gerade gegenwärtig mit ausgehöhlten Demokratien, Wahlfälschungen, mit aufstrebenden und Unheil stiftenden Autokratien beschäftigt und beunruhigt. Zum Lachen sind diese Entwicklungen und die aktuell katastrophalen Verhältnisse, zu denen sie schon geführt haben, gewiss nicht. Die Verlagerung der Oper in eine Stillage von Trash und burlesker Revue ist nicht nur Komik am falschen Ort, sondern, um hier so konkret zu werden wie möglich, im Finale des dritten Aktes mit der Verulkung des „Allegro Maestoso“ eine Verhöhnung eines jeden Aufbruch zum Sturz der Tyrannei und der Hoffnung auf und Sehnsucht nach humanen Verhältnissen, die wir mit dem Worf „Völkerrecht“ beschwören.
Wie gross Verdis Intention war, mit dem „phantastischen Thema“ ernst zu machen, zeigt sein Bemühen um eine adäquate Besetzung. Es war beseelt von der dramatischen Vision, nicht nur Sänger, sondern Charaktere auf der Bühne handeln zu sehen. Die Reduktion der Figuren auf Schablonen einer Harlekinade, auf die es in der Basler Inszenierung zuletzt hinaus läuft, lässt die stilistischen Ambitionen eines szenisch- und wortbestimmt differenzierten musikalischen Interpretation in den Hintergrund treten. Was es mit dem Verdikt, die Lady Macbeth müsse „nicht singen“ auf sich hat, war jetzt in Basel weniger ein Thema. Es ist gleichwohl der Betrachtung wert, da es in keinem Programmheft übergangen wird und als eine vokale Gestaltung „Richtung Sprechen, Richtung Geräusch“ (Dirk Kaftan) verstanden wird.
Die beiden erwähnten Beiträge:
Macbeth und der Königsmord pdf
Die Tadolini-Story pdf
Bild: © Ingo Höhn
Cardillacs Luxury Jewels
Paul Hindemiths „Cardillac“ im Opernhaus Zürich 15. Februar 2026
Der Romantiker E.T.A. Hoffmann hat seine Geschichte vom narzisstischen Künstlergenie, „Das Fräulein von Scuderi“, zur Kriminalgeschichte aus dem Paris des 17. Jahrhunderts gemacht. Daran haben Hindemith und sein Librettist Ferdinand Lion nicht gerüttelt, und auch die Musik hat ja ihren starken Zug zum Barocken. Aber was war der Goldschmied für den jungen Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts? Das wäre eine Frage, aber die Inszenierung von Kornel Mundruczo beantwortet mit grossem Aufwand und präzisen Ideen die Frage, was dieser Juwelier mit seinem Luxuslabel „C“ in der Hochglanzwelt von heute für ein Mensch ist.
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In die Zeit geholt
Das Hippie-Musical „Hair“ im Theater St. Gallen 28. Februar 2026
Schwarzweiss schummrige Fernsehbilder mit Kleenex-Werbung, Redern von Richard Nixon und Martin Luther King und mit verwundeten Soldaten aus Vietnam sind in den Bühnenabend einmontiert und verweisen das Rock-Musical in die Entstehungszeit der Protest- und Flower-Power-Bewegung von 1968. Aber an die Flower-Power-Buntheit erinnern in der St. Galler Inszenierung wenig mehr als die Klamotten der in einer düsteren Fabrikhalle nach einem neuen Leben Suchenden und sich dabei nur gerade im Hashish-Rauch Findenden. Bei aller Rock-Power und expressiven Wut, die sich musikalisch ungebremst, aber nichtt grobschlächtig Bahn bricht, sieht man die Gruppe auch aus Distanz in diesem klaustrophobischen Raum. An eine lebbare Alternative ist nicht zu denken, und an die Realität muss zu denken wird man gezwungen, wenn der eine ins Zentrum rückt, der mit allen Konsequenzn aus der Gruppe der Aussteiger aussteigt. Die Inszenierung arbeitet dabei nur heraus, was im Stük angelegt ist und befreit es von der nostalgisch harmlosen Patina.
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Bild: © Edyta Dufaj
Bild: © Monika Rittershaus
Bild: © Monika Rittershaus
... und wenn sie nicht gestorben sind
„Monster‘s Paradise“ von Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek im Opernhaus Zürich
8. März 2026
Spektakulär Bunt ist das neue apokalyptische Schwarz: dies ist die Erkenntnis aus dem neuen
Musiktheater der hochkarätigen Autorinnen Elfriede Jelinek (Text) und Olga Neuwirth (Musik). Deren in Koproduktion von Zürich mit Hamburg und Graz geborene Monster haben die Hansestadt hinter sich gelassen und rülpsen, fauchen und bekämpfen sich nun im Opernhaus.
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Essenzen eines musikalischen Zeitalters
„Berenice“ – neue TanzOper-Prouktion im Luzerner Theater 14- März 2026
Die barocke Opernheroine, wie sie im Buche steht, begeistert die Mezzosopranistin Solenn' Lavanant Linke mit Joseph Haydns «Scène dramatique» als Berenice. Voller tänzerischer Anmut und heiterem Ausdruck singt die junge Kollegin Elvira margarian glitzernd eine andere Berenice: die der Konzertarie des dreizehnjährigen Mozart, der sich mit Koloraturen und Laufwerk nicht genug tun konnte. Zur Ouvertüre von Nicola Jomellis Oper «Il Vologeso» wiederum – auch dies eine Oper über Berenice – ist die dreizehnköpfige Truppe von TanzLuzern unter sich, erstaunlich zwischen meditativem Tai Chi und heftiger Verausgabung, die ihre feinmotorisch ziselierte und athletisch explosive Bewegungssprache fordert.
In einer spartenübergreifenden Produktion bietet das Luzerner Theater ein faszinierendes Amalgam, das mit gut anderthalb Stunden kompakt daher kommt, aber vielfältig schillert und auch begeistert: "Die Lieben der Berenice" – mal Jommelli, mal Gluck, Haydn, Boccherini, Martines oder Mozart. Das Zusammenspiel von Oper und Tanz führt nicht zu gegenseitiger Verwässerung, sondern zeigt ihre hohen professionellen Eigenarten, mit packend unmanierierter Barock-Interpretation, musikalischen Raritäten, einem atmosphärisch exquisiten Bühnenraum und einer Dramaturgie, die das Fehlen einer Handlung vergessen lässt. Autoren des Produktion sind der Choreograf und Regisseur Anton Lachky und der Dirigent Andreas Spering. Ein überraschendes Glanzstück der Saison.
Bild: © Ingo Hoehn
Kino-Format
„Giulio Cesare“ im Opernhaus Zürich 13. März 2026
Die Fahrt geht bei hohem Wellengang den Nil hinauf, im Hintergrund ziehen exotische Uferpartien mit Tempelanlagen vorbei, und auch die Pyramiden von Gizeh sind zu sehen. Auf dem Schiff Cleopatra, der Cecilia Bartoli durchaus die Ambition einer Königstochter verleiht, und ein Cäsar, der zwar dominant in Erscheinung tritt, auch imperiale Statur hätte, wenn denn die Ambiance der Inszenierung mehr Machtsphäre vermitteln würde. Die luxuriöse Reisegesellschaft ist ohne Bodyguards und Geheimdienstpersonal unterwegs. Ein neutraler Beobachter entpuppt sich am Ende als Hercule Poirot, der den Mörder von Cäsars Rivalen Pompeius aufklärt. Was Händel als Fürstenspiegel auf der höchsten Etage weltlicher Macht verhandelt, wird so depotenziert: schön und gut für die spektakuläre Unterhaltung, die Händels Oper als Krimi vieles abgewinnt, irritierend auch eine Kriegsszene mit Kampfflugzeugen, Krach und Feuerball.
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Bild: © Monika Rittershaus
Der Mythos lebt
Jean-Marie Leclairs „Scylla et Glaucus“ im Opernhaus Zürich 27. März 2026
Auf CD oder sogar auf Youtube ist Jean-Marie Leclairs Oper nach einer Erzählung von Ovid relativ stark präsent. Auss einer der Metamorphosen hat der als Instrumentalkomponist und Geigenvirtuose berühmte Franzose eine fünfaktige Tragédie en musique geschaffen, die von Nymphen, Göttern und unterirdisch verbundenen Zauberinnen handelt. Was eine Präsentation auf der Bühne mit ihr anfangen soll ausser der historischen Musikpraxis auch die historische Inszenierungspraxis aufleben zu lassen, zeigt das Opernhaus Zürich mit der Arbeit des Regisseurs Claus Guth, der hier auch schon andere Werke in unerwartete, aber stimmige Räume versetzt hat: „Tristan“ in der Villa Wesendonck, „Ariadne“ in der Zürcher Kronenhalle…
Nun also die Quellnymphe Skylla im Internat. Wie es nichr anders sein könnte! Das ist mit dem Wasserspender mit Humor garniert, erfasst aber auch die eigentlichen musikalischen Kräfte, die emotionale und dramatische Ausdrucksfülle einer Partitur, die für Interpreten dankbare Aufgaben hat und den Hörer fesselt und berührt. .
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Bild: © Monika Rittershaus
Eine Reise nach Litauen
„Confluence“ – Ein Fest für Musik ohne Grenzen“ in Zürich 9. April 2026
Vieles fliesst zusammen im dreitägigen kleinen Festival, das der Komponist Fabian Müller mit seiner Frau, der Cellistin Pi-Chin Chien, in Zürich unter dem Namen «Confluence» 2017 gründete. Kulturräume der Welt und Sphären der Hoch- und Volkskultur begegnen sich in der St. Anna Kapelle im Zentrum Zürichs, die mit ein wenig Lichtinszenierung jeweils zum stimmigen Kammermusiksaal wird. «Klingendes Litauen» eröffnete den Konzertreigen dieses Jahr. Zu entdecken war die Birbyné, das traditionelle, der Klarinettenfamilie verwandte Blasinstrument. Weiter waren Stücke aus dem Zyklus «Egle, die Königin der Nattern», Musik zum bekanntesten Volksmärchen Litauens zu hören. Vom berühmtesten Künstler Litauens, dem Maler und Komponisten Mikalojus Konstantinas Čiurlionis (1875-1911), erklang Musik für Geige, Bratsche und Klavier. Die zweite Konzerthälfte brachte ein Feuerwerk effekt- und temperamentvoller litauischer Musik der Gegenwart für Akkordeon und Bratsche. Von Fabian Müller arrangierte gefühlvolle Volkslieder rundeten das aufschlussreiche und unterhaltsame Konzert ab. Sarah Kilchenmann (Violine) und Vilma Rindzevičiūtė-Zbinden (Klavier), das Duo Augustinas Rakauskas (Akkordeon und Greta Staponkutė-Rakau (Bratsche) sowie der Birbynė-Virtuose Eugenijus Čiplys gaben mit berührender Musikalität und packender Virtuosität dem Abend Gewicht. Zusätzliche Bedeutung gab ihm der im Publikum anwesende Botschafter Darius Jonas Semaška mit seiner Ansprache, die Litauens Sorgen in der geopolitischen Gegenwart galt.
Ernstes & weniger Ernstes rund um die «Ernste Musik» steht am Freitag, 10. April mit dem Duo «The High Horses» auf dem Programm, am 11. April heisst es «Zwischen Orient und Okzident» in einer Verschmelzung von persischer, klassisch-europäischer Musik und Jazz. (hb)
Bild: © Herbert Büttiker
Ein Endspiel – nicht definitiv
György Kurtágs „Fin de partie“ im Theater Basel 12. April 2026
Ein „absurdes“ Stück, eine aussergewöhnliche Oper und eine ebenso aussergewöhnliche Werkgeschichte. Diese begann 1957, als György Kurtág in Paris Becketts „Warten auf Godot“ auf der Bühne, die Bücher kaufte, dabei auch „Fin de partie“, und diese Texte als Offenbarung erlebte. „Sie wurden zu meiner Bilbel. Wirklich.“ Mit Beckett lebte er von da an, aber erst 1991 vertonte er erstmals einen Text von ihm: „What ist the Word“. Und wieder dauerte es, bis er, 85 Jahre alt, 2010 an „Fin de partie“ zu arbeiten begann. 2018 kam es zur Uraufführung an der Mailänder Scala. Kurtág bezeichnete die Partitur der zweistündigen Musik als „Versione non definitiva“. Wer weiss, was noch kommt? Der Doyen der Komponisten feierte am 19. Februar seinen 100. Geburtstag. Gekrönt wurde das Ereignis mit der Uraufführung einer neuen, seiner zweiten Oper „Die Stechardin“, in Budapest.
Kurtág ist 2026 als Kind ungarischer Eltern in Rumänien (Lugoj) zur Welt gekommen. In Budapest hat er heute seinen Wohnsitz. Als am Sonntag Abend „Fin de partie“ als Schweizer Erstaufführung über die Bühne ging, war er mit seinen Gedanken sicher dort – vielleicht nicht vollständig: Denn es war der Wahltag, der über Ungarns künftigen Weg entschied. Ans Basker Publikum schrieb er in einem offenen Brief: „Es tut mir leid, dass mein Alter das Reisen nicht mehr zulässt … Jede neue Inszenierung und Aufführung ist eine neue Möglichkeit, und es ist mir eine besondere Freude, dass das Werk in Basel erklingt, wo meine Manuskripte aufbewahrt werden und wo ich stets eine lebendige Verbindung und zu den Menschen gespürt habe.“
Die Basler Premiere war einechter Publikumserfolg, der sich in der aufmerksamen Stille im Saal abzeichnete. György Kurtágs "Fin de Partie" am Theater Basel mit grossem Erfolg als Schweizer Erstaufführung: Das musikalische Geschehen entwickelte unter der Leitung von Gábor Káli einen Sog umso bewegender, je länger sich das Endspiel hinzog. Die ikonischen Mülltonnen gibt es im Basler Theater nicht, und statt in den geschlossenen, fast weltlosen Raum Becketts sehen wir die vermüllten Verhältnisse einer postkatastrophischen Hochhauswelt. Becketts bzw. Kurtágs minutiöse Szenenanweisungen ignoriert das Team von David Marton (Inszenierung) und Márton Ágh (Ausstattung) weitgehend zugunsten einer einleuchtenden eigenen Sicht auf das Stück und die der vier Existenzen. Eindrücklich deren Verkörperung: Nathan Berg (Hamm), Michael Borth (Clov), Ursula Hesse von den Steinen (Nell) und Ronan Caillet (Nagg) in Tonfall und Gebärde lassen die enorme Komplexität ihrer Partien schlicht vergessen.
Besprechung der Aufführung exklusiv bei
Bild: © Ingo Höhn