Die Geschichte zu

Roccosound“













Plädoyer für Sergej Rachmaninow

Eröffnungskonzert des Lucerne Festival Orchestra  16. 8. 2019


Ein ganz dem Komponisten Sergej Rachmaninow gewidmeter Abend, und dies an prominentester Position zum Auftakt des Festivals, ist ein starkes Statemen. Als Plattform für spektakuläre und auch süffige Pianistik ist der Russe zwar etabliert. Ihm wurde mit dem 3. Klavierkonzert auch Reverenz erwiesen – grosser Applaus für Denis Matsuev –, aber das Programm ging weiter. Aufs Podest mit Riccardo Chaily und seinem Orchester trat der Sinfoniker. Sein am Vierwaldstättersee entstandenes Spätwerk  ist in der prekären Gegenwart des von seinen Wurzeln abgeschnittenen Musikers zu situieren, lässt aber auch daran denken, dass er vor seiner Flucht aus dem revolutionären Russland keineswegs dazu berufen war, ausschliesslich pianistische Schlachtrösser zu produzieren  – Opern, Tondichtungen, Sinfonien geistliche Werke lagen vor seinem Gang ins Exil vor, und mit der 3. Sinfonie öffnete er endlich noch einmal den Raum, der ihm als universellem Komponisten eigentlich gehörte.

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Lucerne Festival

Ein Grosser tritt ab

Bernard Haitinks letztes Konzert mit dem COE 20. 8. 2019


Sein Gang zum Pult wurde in letzter Zeit beschwerlich, Geist und Musizieren sind elastisch präsent wie je. Bernard Haitink, im März dieses Jahres 90 geworden, verabschiedet sich nun aber am Lucerne Festival vom Dirigentenpult und von seinen Orchestern. Dabei zelebriert er nicht Wehmut, sondern nochmals reinen Klang. Hellwach ausgelotet wurden Schuberts 5. Sinfonie und Gustav Mahlers Vierte. 


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Aus dem LB-Archiv: Bernard Haitink an der Arbeit mit dem Nachwuchs: PDF


Andere Dimensionen

Yannik Nézet-Séguin und das Lucerne Festival Orchestra  22. 8. 2019


Lucerne Festival ist für ein Wechselbad mit unterschiedlichen Superlativen gut. Für Schostakowitschs 4. Sinfonie sass das festivaleigene Orchester in einer Grösse wie noch nie auf dem Podium, und es beherrschte alle Grade der Lautstärke. Ein Star der jüngeren Dirigentengeneration lenkte es kraftvoll, souverän ohne Stab in der Hand durch die Weiten aus kontemplativen Monologen und gewaltigen Eruptionen.


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Aus dem Archiv: Gennadi Roschdetswenski in der Tonhalle PDF

Grosse Momente auf Haupt- wie Nebenschauplätzen

Die Berliner Philharmoniker und das Trio Eclipse   29. 8. 2019


EinTag, ein weiter Festival-Bogen: Berühmteste und Debütanten, Kammermusik und Orchestermacht, Akribie und Passion. Das Trio Eclipse begeisterte am Mittag in der Lukaskirche. Im KKL am Abend gab es für die Berliner Philharmoniker, den neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko und die Gegierin Patricia Kopatchinskaja frenetischen Applaus.


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Bild : © Peter Fischli

Bild : © Peter Fischli

Bild : © Priska Ketterer

Vom sträflichen Kuss zum politischen Umsturz

„Der Bettelstudent“ auf der Operettenbühne Hombrechtikon 31. 8. 2019


Die grossen Bühnen  tun sich teilweise schwer, auf dem Land lebt sie ganz gut: die alte, ewig frische Operette. Ein halbes Dorf engagiert sich und ruft professionelle Kräfte herbei, so dass das Unternehmen zum Höhenflug abhebt, wie nun gerade in Hombrechtikon. „Der Bettelstudent“ von Carl Millöcker ist die 26. Produktion des Vereins und verwandelt den grossen Gemeindesaal für zwei Monate in ein veritables Theaterhaus. Zu erleben ist  auf hohem szenisch-musikalischem Niveau und einer Lust auf deftiges Spiel eine Geschichte, die von einem ungebührlichen Kuss eines Mächtigen auf die Schulter einer selbstbewussten Dame ausgeht und mit einer Revolution im Jubel endet.   


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Bild : © Thomas  Entzeroth

Märchenhafter Saisonauftakt

Das 1. Abonnementskonzert des Musikkollegiums Winterthur  11. 9. 2019


Vielleicht das einzige, was über das Konzert von gestern Abend gesagt werden müsste – es gibt heute Abend eine Wiederholung: Haydn, Mozart, Rimski-
Korsakow und das Musikkollegium für 1001 märchenhafte Einsätze eröffnen unter der Leitung ihres Chefdirigenten Thomas Zehetmair klangprächtig die Saison. Unter dn hervorragenden Solisten und Solistinnen des Orchesters an der Spitze: die Oboistin Maria Sournatcheva mit dem Mozart-Konzert und Roberto Gonzalez Monjas mit dem Geigenzauber in Rimski-Korsakows „Scheherazade“.


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Bild : © Herbert Büttiker

Tödliches Duell und Jubelfinale

„Die Zauberflöte“ aus Heidelberg zu Gast in Winterthur                        21. 9. 2019


Das Theater Winterthur, wie es heute dasteht, wurde vor 40 Jahren mit der „Zauberflöte“ eingeweiht. Die populäre Mozart-Oper eröffnet jetzt auch die Jubiläumssaison der Bühne, die ein grosses, internationales Programm in allen Sparten bietet. Einheimische Kräfte sind in diesem besonderen Gastspiel des Theaters Heidelberg prominent beteiligt. Während die Protagonisten und der Dirigent angereist sind, spielt im Graben das Musikkollegium und auf der Bühne agiert der ebenfalls vor 40 Jahren gegründete Theaterchor Winterthur.


Musikalisch funktioniert die grenzüberschreitende Kollaboration hervorragend, und auch die Technik des Hauses lässt die Produktion, die in Heidelberg 2016 Premiere hatte, wie eine eigene frisch und motiviert erscheinen. Die szenische Deutung des Werks hat ihr eigenes Profil, bei der die alten Mächte gleichermassen schlecht wegkommen und das Finale zwiespältig erscheint: Sarastro und die Königin bringen sich gegenseitig um, die Liebesutopie leuchten und im Streit um den Besitz des Apfel, säen Papageno mit Papagena neuen Zwist.


Besprechung am Montag in „Der Landbote“ und hier  PDF

Aus dem Archiv: Emanuel Schikaneder und „Die Zauberflöte“: PDF

„Über allem die Liebe“ – 52 Kolumnen zu Mozarts 250. Geburtstag: Hier

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Bild : Annemone Taake

Das Märchen im Theater  – der Blick von hinten

„Rusalka“ im Theater St. Gallen    21. 9. 019


Für das Libretto der „Rusalka“ hat Jaroslav Kvapil diverse Märchenerzählungen zum stimmigen Libretto verarbeitet. Dass es Dvorak zu einer der schönsten Opernpartituren überhaupt inspiriert hat, steht ausser Frage, auch dass die Aufführung in St. Gallen ihr in hohem Mass gerecht wird, lässt sich sagen.  Vielleicht ist die Musik so schön und tiefsinnig, dass keine Inszenierung ihr das Wasser reicht. Ob man das gerade beweisen muss? Die St. Galler Produktion zeigt, dass Rusalka und der Prinz natürlich nur Theatermenschen sind, und der Blick von hinten auf das biedere Setting einer Provinzbühne gewährt der Musik über den Bühnnkram, zu dem auch ein Flügel gehört,  logisch erscheinen.


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Bild : Annemone Taake

Bild : Ilko Freese

„Man soll nicht zu lange leben“

„Die Sache Makropulos“ im Opernhaus Zürich    22. 9. 2019


Es ist im wahrsten Sinn eine phantastische Partie, die Evelyn Herlitzius da im Opernhaus zeigt, mit facettenreichster Bühnenpräsenz und der expressiven Verausgabung ihres Soprans. Sie ist E. M., die Frau, die unter verschiedensten Namen 337 Jahre gelebt hat, und dies in den unterschiedlichsten Lebensrollen einer Frau. Jetzt, 1922, gerade ist sie der Star der Prager Oper und eine neue Dose des Elixiers wird fällig. Ein Krimi, ein Gerichtsprozess,  jede Menge Ärger mit Männern enden damit, dass sie das Rezept wieder in Händen hat, aber für sich nicht mehr haben will. 337 Jahre sind genug, erst recht in der gegenwärtigen Situation! Janaceks Musik, das berauschende Kaleidoskop aus Rhythmen, Motiven und Klangfeldern, bestätigt es auch: „Wir sind glücklich, weil wir wissen, dass unser Leben nicht zu lang währt.“

Für diese ekstatische Wahrheit und die Kälte des Lebens als Gegenbeweis tut das musikalische Ensemble alles, die Inszenierung von Tcherniakov bringt sie eher nicht auf den Punkt.


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Bild : Annemone Taake

  Bild : Monika Rittershaus

Boehm und Pan – die französische Tradition, der eigene Ton 


Für einmal ein persönlicher Beitrag der anderen Art: Ich habe die grosse Freude, hier die neue CD meiner Schwester, der Flötistin Ursula Büttiker und ihrer Partnerin am Klavier, Minako Matsuura, präsentieren zu dürfen. Persönlich heisst nicht ohne die Begeisterung eines im Objektiven beglaubigten Hörerlebnisses. Ein solches bietet die CD «Flute and Piano – Élégie, Rêverie, Caprice» in der kompositorischen Schönheit und expressiven Kraft eines abwechslungs- und herausforderungsreichen Programms und in der virtuosen, durchgestalteten und durchlebten Interpretation. Zum Konzept schreibt die Flötistin: „Im Zentrum steht die Boehmflöte im Spiegel der Entwicklungen und Neuerungen ihres genialen Erfinders, Theobald Boehm. Ohne diese wäre der Reichtum an Flötenliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts mit ihrem grossen Ausdrucksspektrum von schlichter Lyrik (Jules Mouquet) bis zum romantisch Virtuosen (Bernhard Molique), von schillerndem Klangkolorit (Jules Mouquets „La Flûte de Pan“) bis zum tänzerisch verspielten Raffinement (Pierre Camus) vollkommen undenkbar. Die Élégie op. 8, Theobald Boehms letzte Komposition, erklingt denn auch mit Recht als finales Stück auf der CD: rückblickend, melancholisch weite Bögen spannend, noch einmal Mal leidenschaftlich aufbäumend, abschliessend, versöhnend.“


Information zur CD und Porträt hier                              

Ein aufgefächertes Spiel

„Il ventaglio“ von Pietro Raimondi im Seefeldtheater    27. 9. 2019


Die Weiterbildung in Sachen Operngeschichte kann sehr vergnüglich sein. Statt doziert wird schön gesungen und musiziert: Pietro Raimondis Melodramma "Il ventaglio" ist eine Antwort, was neben Rossini so war – andere Rossinis mit eigenem Charakter, mit Musik für lustempfängliche und klangverwöhnte Ohren: Die Free Opera Company lädt zur unterhaltsamen Produktion ins Seefeldtheater – es ist so etwas wie eine Reise an den Adria-Badestrand der Oper.


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Nordische Klangenergien

Paavo Järvis  Antrittskonzert in der Tonhalle Maag    2.10. 2019


Dreimal setzt die Tonhalle das Konzert an, mit dem Paavo Järvi als neuer Chefdirigent und Musikdirektor sein Amt antritt. Aus dem Norden hat der Dirigent aus der estnischen Musikerfamilie für diesen Anlass auch starke Vokalkräfte aus der Heimat hergeholt, und nordisch war das Programm mit der von der Tonhalle erstmals gespielten „Kullervo“-Sinfonie von Jean Sibelius, und der berühmteste  Komponist aus Estland, der zum Anlass sogar eine Uraufführung beigesteuert hat, ist ebenfalls angereist.


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Aus dem Archiv: Beitrag zum 150. Geburtstag von Jean Sibelius: PDF

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Bild : © Herbert Büttiker

Bild : © Peter Fischli

Bild : © Peter Fischli