11. 4. 2024

Roberto Gonzalez-Monjas
Schön geht es weiter


Eine sehr erfreuliche Nachricht aus dem Musikkollegium – Roberto Gonzalez-Monjas hat den Vertrag bis Juli 2027 verlängert. Das ist schön für uns, wenn wir an die vielen Konzertereignisse zurückdenken und uns nun noch länger auf Weiteres mi ihm freuen können. Roberto  ist ein Ausnahmemusiker und -mensch, und er ist viel gefragt. Selbstverständlich ist die Vertragsverlängerung nicht. Der Grund, den er selber in der Mitteilung zitieren lässt, ist ein grosses Kompliment an das Musikkollegium:  «Ich fühle mich privilegiert, meine Zusammenarbeit mit dem Musikkollegium Winterthur bis 2027 zu verlängern! Das Musikkollegium Winterthur ist ein faszinierender Schnittpunkt zwischen hundertjähriger Tradition und kühner Moderne, ein Orchester von höchster Qualität, Raffinesse und Intelligenz, eine Institution, die sich für Exzellenz, Bildung und Gemeinschaft einsetzt. Ich könnte nicht stolzer darauf sein, zur Familie des Musikkollegium Winterthur zu gehören, und ich freue mich schon auf die nächsten Jahre des Musizierens, der Risikobereitschaft und der Inspiration.»


Fotoalbum Musikkollegium hier

Bild: ©   Herbert Büttiker

Melomanie und Theaterdampf

„Les Misérables“ im Theater St. Gallen  21. 12. 2023


Von der Première am 9. Dezember hörte man begeisterte Reaktionen, jetzt läuft die Aufführungsserie bis Mitte Februar im Theater St. Gallen. Anschliessend geht sie nach München ans Theater am Gärtnerplatz und damit zum Produktionspartner der aufwendigen, aber auch schlackenlosen Inszenierung. Dle besuchte Aufführung vom 21. Dezember war eine der vielen Repertoire-Aufführung, aber von einer musikalischen Hochstimmung geprägt, als ob es die erste oder letzte gewesen wäre. Das Publikum reagierte ensprechend. Die Protagonisten durften für ihre Songs durchwegs Szenenapplaus entgegennehmen. 


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Bild: ©   Ludwig Olah / Edyta Dufy



Satire mit Herztönen

„Olivo e Pasquale“  mit der Zürcher Kammeroper  31. 12. 2023


Sechzehn Jahr trennen „Don Pasquale“ von „Olivo e Pasquale“, der Opera buffa, die Gaetano  Donizetti in Rom 1827 zur Uraufführung brachte. Schon in dieser frühen Komödie fallen die lyrischen und emotional echten Töne auf, die der Komponist dem Brio entgegensetzte. Das Romantische hat im klassischen Muster der Opera buffa mit dem tyrannischen Papa, gegen die sich die Jungen mit ihrer Intrige durchsetzen, seine schlichte Formel. Sie heisst: Gegen die Liebe auf den ersten Blick ist kein Kraut gewachsen. Selbst der lyrische Tenor, der als generöser Weltmann daher kommt und den Blick auf die liebenswürdige Isabella wirft, sieht das so und akzeptiert, dass sie ihren Blick schon vergeben hat. Das Werk ist auch aus musikalischer Sicht entdeckenswert. Die Zürcher Kammeroper macht es mit einem hervorragenden Bühnen- und Instrumentalensemble und auf einem Zürcher Nebenschauplatz klar, im Gemeindesaal von Zollikon, der mit dieser Aufführungsserie bis 14. Januar zum Stadttheater wird. Wer italienische Oper liebt, erlebt da ein kleines Bühnenwunder.


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Bild: ©   Dennis Youlov



Ein originelles Konzept

„Le Chalet Suisse“  im Theater Biel-Solothurn  18. 1. 2024


Der Zufall will, dass es mit Donizetti gleich weitergeht, und dagegen kann man nichts haben: Der Bergamasker, der für Italien, Wien und Paris wie am Laufmeter eine ganze Menge Opern geschrieben hat, überrascht immer wieder, wie sehr er am Puls des Dramas, auf dem emotionalen Drive der Szene komponiert hat, und wie tief er ins Seelengetriebe seiner Protagonisten geleuchtet hat. Selbst eine Petitesse wie eine Farsa, eine einaktige Buffa oder ein kleines Dramma giocoso wie hier nun „Betly ossia la Capanna Svizzera“ hat die unverkennbare Signatur des traumwandlerischen Genies. Das Theater Biel-Solothurn gastiert nun im Theater Winterthur mit seinem konzeptionell originellen Abend, der Donizettis „Betly“ Adolphe Adams“ einstigem Hit „Le Chalet“ voranstellt. Da es sich um das mehr oder weniger identische Libretto handelt, war es eine schlüssige Idee, das Werk des Franzosen zur Probesituation umzufunktionieren und „Betly“, zweifellos das stärkere Stück, als Aufführung folgen zu lassen. Das hat seinen Witz und seine Schlüssigkeit, wenn auch der aktuelle Blick auf das Sujet, das 1834 bzw. 1836 Paris respektive Neapel eroberte, Fragen aufwirft.   


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Bild: ©   Konstantiin Nazlamov



Sand im Getriebe der Verdi-Oper

„Ernani“  im Theater St. Gallen  20. 1. 2024


Mit Sätzen wie "Der Wind bläst den Sand empor" beginnt die Aufführung. Ein "Engel" folgt Ernani auf Schritt und Tritt und unterbricht das Geschehen auch in den spannendsten Momenten mit poetischer Prosa. „Brevità e fuoco" forderte Verdi von seinem Librettisten Francesco Maria Piave, mit dem er für die Oper nach Victor Hugos Schlüsselwerk der romantischen Dramatik erstmals zusammenarbeitete. Entsprechend wenig überzeugend ist aus dieser Perspektive der Ansatz der von Barbora Horákovás Inszenierung, die Oper assoziativ aufzusplittern, nicht nur mit den Texten, sondern mit grossem Aufwand auch in optischer Hinsicht. Während die Regie den Hauptfokus auf den Verlierer Ernani richtet, bietet die Aufführung unter der Leitung von Modestas Pitrenas ein austariertes Konzert der Stimmen, mit dem Orchester auch ein so kraftvolles wie feinnerviges Hörbild der Oper insgesamt.


           Besprechung siehe:

           www.oper-magazin.de

           und:

           PDF-Roccosound





Bild: ©   Edyta Dufaj



Mann, Frau und der ganze Zirkus

„Carmen“  im Theater Basel  3. 2. 2024


Carmen ist Georges Bizets populärste Figur, ein faszinierender Frauentyp gewiss, vor allem aber auch eine musikalische Attraktion dank ihren spanisch-folkloristisch inspirierten Auftritten. Der für die Opéra-comique geschriebene Fünfakter wurde ja sofort als grosse lyrische Oper verstanden, und das hat dann auch mit der sozusagen „höheren“ Opernkunst Bizets zu tun, den Arien von Micaëla und Don José. In deren Schicksal hat sich Bizet vielleicht mit mehr Aufwand eingefühlt als in dasjenige der Carmen, für die er sich auch auf eine vorhandene Melodien zurück griff. Aber Carmens innerstes scheint mit dem Hauch des Todes im Kartenterzett wenn auch kurz, so doch abgründig genug auf. Ihr Schicksal und dasjenige Don Josés erfüllen sich in einem einzigen Brennpunkt im Finale. Sie ist freilich das Opfer, er der Täter. Femizid ist heute der abschliessende Fachbegriff für den Skandal, der dieser Opernschluss bedeutet. Dieser richtet mit den letzten Takten aber den musikalischen Scheinwerfer auf Don José: „…c‘est moi qui l‘ai tuée! Ah! Carmen! ma Carmen adorée!“, sind die Worte der letzte musikalische Phrase der Oper. Tatsächlich, falls man den Begriff des Tragischen ins Spiel bringen möchte und damit den Konflikt aus Prinzip, so ist „Carmen“ die Tragödie des Mannes, der sich in den eigenen Widersprüchen seiner Beziehung zu Liebe und Sexualität zugrunde richtet. Am Wendepunkt seines Lebens bezeichnend ist auch, dass er eine Entscheidung unter Männern ist: Wie er sich von Carmen doch lossagt, sich dann aber durch das Auftauchen des Konkurrenten und Vorgesetzten, eifersüchtig und rebellisch, ins Abseits manöveriert gehört zur „Geschichte“, um die es in dieser Oper geht, in der Carmen für Don José zur Femme fatale wird. Was eine Regisseurin mit erklärt feministischem Ansatz daraus macht oder eben nicht macht, ist jetzt im Theater Basel zu sehen.


            

             Besprechung siehe (exklusiv):

             www.oper-magazin.de      


Bild: ©   Janosch Abel



Enge und Weite
„Jenufa“  im Theater Bern  28. 1. 2024

Mit der Besetzung aller Rollen, mit Chor und Orchester unter der Leitung von Nicholas Carter bietet das Theater Bern eine Janáček-Aufführung, die unter die Haut geht. Claude Eichenberger als Küsterin und Alžběta Poláčková als Jenůfa sowie Beau Gibson als Laca und Michał Prószyński als Števa verkörpern die Figuren, die das Libreto in der mährischen Dorfenge angesiedelt sieht, mit hoch expressivem Einsatz. Die Inszenierung lässt sich entsprechend nicht weiter auf die Milieuschilderung ein und zielt rigoros auf das Psychodrama – am Ende in die Weite, in die Janáček das Paar Jenůfa und Laca schickt.

              Besprechung siehe (exklusiv):
              www.oper-magazin.de      

Bild: ©   Ingo Hoehn


Das Studium der Männer

„Die lustige Witwe“ im Opernhaus Zürich  11. 2. 2024


„Das Studium der Weiber ist schwer“ verkünden di Männer im inbrünstigen Marschtempo in Lehars Operette „Die Lustige Witwe“. Dei Inszenierung des Opernhauses Zürich zeigt aber eine Hanna Glawari, die am Ende des Abends über die Männer doziert. Sie sind offenbar im allgemeinen einfach gestrickt (Verehrer), im speziellen (Danilo) ein schwieriges Studienobjekt. Danilo, ihr wichtigstes Fallbeispiel, lässt beides ahnen. Nach dem Happy-End verschwindet er gleich wieder aus ihrem Leben – oder die Inszenierung anders verstanden: Der Traummann war nur ein Traum. Barrie Kosky, sein Team und sein Ensemble beleuchten die Operette mit überraschenden Scheinwerfern.  


Bericht hier PDF   

Bild: ©   Monika Rittershaus


Mimì in New York

„Rent“ im Theater St. Gallen  17. 2. 2024


Hundert Jahre nach Puccinis „La Bohème“ startete am Broadway Jonathan Larsons Welthit „Rent“, ein Rock-Musical mit dem selben Stoff als Grundlage, nur eben aus dem Paris des 19. Jahrhunderts versetzt in die New Yorker Bohème in den Zeiten von Aids und Heroin. Mimi verdient sich das Geld für den Stoff als Stripperin – auf der Suche nach dem Feuer für ihre Kerze betritt sie nun die WG auf der St. Galler Bühne, wo selbstverständlich immer wieder mal auch Puccinis Oper gespielt wird. Bezug und Kontrast erhellen sind für beide Versionen erhellend, und die Liebe zu Puccini bleibt.


Bericht hier  

Bild: ©    Edyta Dufaj


Expressionismus pur

„Turandot“ im Theater Winterthur  22. 2. 2024


Der Applaus war lang und verdient: Die Inszenierung von Giacomo Puccinis Oper „Turandot“, die das Landestheater Detmold im vergangenen September herausgebracht hat, machte am Freitag im Theater Winterthur Furore. Die Truppe ist mit grossem Chor, Orchester und einem starken Ensemble angereist. Chinesische Drachen, Requisiten und Accessoires hatte sie nicht mit einzupacken: Die Inszenierung zeigt eine expressionistisch-abstrakte und reduzierte Bilderwelt, sehr adäquat zum musikalischen Geschehen, dessen Format vom hervorragenden Dirigat des Detmolder Generalmusikdirektors Per-Otto Johansson bestimmt wird.


Bericht PDFAmerika.pdf

Bild: ©    Matthias Jung



Die Geschichte zu

Roccosound“













Das Opernhaus Zürich präsentiert in der Spielzeit 2024/25 ein Programm mit deutlichem Abdruck der Intendanz von Andreas Homoki. Diese endet mit dieser Saison. Vieles ist Rückblick auf die 13 Jahre, in denen er am Haus auch inszeniert hat, und andere Produktionen sind geprägt von Wegbegleitern. Eine besondere Novität fällt ins diesem Raster auf: Die Inszenierung von Alfred Schnittkes satirischer Oper „Leben mit einem Idioten“. Der Regisseur ist Kirill Serebrennikov, der am Opernhaus „Così fan tutte“ aus dem Arrest heraus inszenierte, in den ihn Putin verbannt hatte. Das böse Stück um einen Schriftsteller, der zur Strafe mit einem „Idioten“ zusammenleben musste. Er durfte sich ihn immerhin aussuche, nur dass der „Gottesnarr“ sich bald als übles Subjekt entpuppte – was das heisst, war mit einem Gastspiel der Moskauer Kammeroper im Jahr 2000 zu erleben, als man den Idioten noch nicht gerade mit Putin identifizieren musste. 

AUS DEM ARCHIV

Zeitgeist und Moderne von gestern

„Amerika“ im Opernhaus Zürich 3. 3. 2024


Das Heilsversprechen, das vom Grossen Naturtheater von Oklahoma versprochen wird, sieht im Opernhaus Zürich sehr nach Krippenspiel im Comedy-Trash aus – Sebastian Baumgartens Inszenierung von Roman Haubenstock-Ramatis Musiktheater, das man nicht wirklich als Oper bezeichnen möchte, irrlichtert zwischen kafkaeskem Albtraum und bunter Groteske und immer wieder mit präzisem Bezug auf die Klang- und Geräuschmaschinerie im Orchestergraben und aus den zahllosen Lautsprechern. Die Frage nach dem Sinn lauert in den zwei pausenlosen Stunden in vieler Hinsicht. Und die Frage, was da „Moderne von gestern“ und Zeitgeist von heute den Abend bestimmt, ist nicht leicht zu beantworten.


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Bild: ©     Herwig Prammer



Die Tonhalle-Orgel im Fokus

Konzert des Tonhalle-Orchesters     6. 3. 2024


Die lettische Organistin, Titularorganistin der Hamburger Elbphilharmonie, ist Fokus-Künstlerin  der Tonhalle in dieser Saison. Diese Woche ist ihr Auftritt im Rahmen der Abonnements-konzert angesagt, und wie sich nun gezeigt hat, erlebt das Publikum einen tollen Auftritt mit ihr und der Orgel in der Aufführung von Francis Poulencs Orgelkonzert. Darüber hinaus sorgt das Orchester zusammen mit der Zürcher Sing-Akademie für einen grossen Konzertabend.


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Bild: ©  Herbert Büttiker



Unter Freunden

Die Reihe SonntagsKonzerte in Winterthur    10. 3. 2024


Ein besonderes Konzert in vielerlei Hinsicht: Zum einen Uraufführungen eigens für die Interpretin geschriebener Lieder, zum anderen die Präsentation von Werken einer einst erfolgreichen, heute vergessenen Komponistin, dazu hervorragende Interpretinnen und unter ihnen Persönlichkeiten, deren Schaffen man längst freundschaftlich begleitet: Alfred Felder hat Lieder auf Texte japanischer Tanka-Poesie geschrieben, Luisa Splett hat den Klavier-Part gespielt. Keine Unbekannte sind auch die Sopranistin Mélanie Adami und die Cellistin Andrea Sutter. Die Beschäftigung mit dem Gehörten gilt aber nicht Beziehungen, sondern musikalischen Eindrücken und Fakten.


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Bilder: ©  Herbert Büttiker



Energiebündel

Anu Tali und Sergei Dogadin im Musikkollegium Winterthur 13. 3. 2024


Der Konzertsaal war nicht sehr voll, es gab noch Plätze, aber er war übervoll von musikalischer Energie. Diese geht vom Protagonisten-Duo, das zusammen unterwegs ist, und im baltisch-russischen Raum gemeinsame Wurzeln hat. Der aus St. Petersburg stammende Geigenvirtuose Sergei Dogadin lebt heute in Wien und ist im Westen unterwegs. Im Abonnementskonzert des Musikkollegiums lässt sich sein spektakuläres Spiel erleben, brillant von den zartesten Finessen bis zum flutenden Klang. Das 1997 von Gidon Kremer uraufgeführte Violinkonzert des litauischen Komponisten Peteris Vask ist eine Plattform für alle spieltechnische Zauberei mit Bogen, Doppelgriffen, schwirrendem Flageolett, höchsten Regionen und G-Saiten-Melos. Und das Werk bietet auch weit mehr als das, eine emotionale Reise, dunkle und helle Energien, ein Lebensbild, das aus sphärischen Höhen kommt und am Ende zurück schwebt. Die Sätze des halbstündigen Stücks sind durch drei grosse Kadenzen gegliedert, und gehen pausenlos ineinander über – Dogadin meisterte den Kraftakt, der da im Ganzen gefordert ist, mit einer athletischen wie minutiös kontrollierten Präsenz. Die Begeisterung am Mittwoch war gross, und die Energie nicht aufgebraucht: als Zugabe folgte ein virtuoses Kabinettstück seines Wiener Kollegen Aleksey Igudesman, schwerelos, was den Gehalt betrifft, das volle Programm, was spielerisches Können und leidenschaftlichen Einsatz betrifft.

Die estnische Dirigentin Anu Tali, die nicht zum ersten Mal in Winterthur auftritt, hat auf eine Kontrastdramaturgie gesetzt, die wunderbar funktionierte. In der ersten Konzerthälfte waren nur die Streicher auf dem Podium, auch für das berührende kurze Werk ihres Landsmannes Erkki-Sven Tüür, das den Abend eröffnete, „Passione“, waren die Streicher mit ihrer subtilen Arbeit unter sich. Aber nach dem  Schwergewicht, das Vasks Violinkonzert in jeder Hinsicht war, folgte im zweiten Teil des Konzert ein vollkommener Klimawechsel. Der junge Felix Mendelssohn hat mit seiner 4. Sinfonie, der „Italienischen“  südlichen Lebensgeister gehuldigt, spritziges Temperament, sinnliche Harmonie ,tänzerische Ausgelassenheit – all dies war nun wie überraschend neu zu hören, und für die wirbelnden Flöten, schwärmerische Klarinetten und Goldklang der Hörner war man besonders empfänglich. Die Dirigentin sorgte mit lockerer wie präziser Bewegtheit für den Schwung, das Feuer und die inspirierende Atmosphäre des Stücks.


Wiederholung des Programms: Donnerstag 14. 3. im Stadthaus Winterthur

Bilder: ©  Herbert Büttiker



Bild: ©  Herbert Büttiker

J. S: Bachs „Matthäus Passion“

Musikkollegium Winterthur in der Stadtkirche    22. 3. 2024


Jede Aufführung von Johann Sebastian Bachs monumentaler Passionsmusik für zwei Chöre, zwei Orchester und Solisten ist ein Ereignis per se.  Dazu machte es auch das  Musikkollegium unter der Leitung von Roberto Gonzalez Monjas, auch wenn die Akustik der Stadtkirche die schwierigen Aspekte, die sich im solistischen Bereich bemerkbar machten, ungnädig verstärkte. Ein uneingeschränktes klangliches Fest boten Chöre und Orchester unter der animierenden Leitung von Roberto Gonzalez-Monjas.


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Eine zeitgenössische Passion

Kaja Saariahos „La Passion de Simone“  28. 3. 2024


Man kann es nur als grandiose Dramaturgie bezeichnen. Gerade eine Woche nach der Aufführung der „Matthäus-Passion“ von Johann Sebastian Bach – die musikalische Repräsentation des fundamentalen Geschehens schlechthin – hat das Musikkollegium Winterthur zu einer weiteren Passion geladen: „La Passion de Simone“, ein Werk für Sopran solo, Erzähler, gemischten Chor und Orchester der finnischen Komponistin Kaija Saariaho (1952–2023). Dass die grosse Partitur (ca. 75 Minuten)  die Protagonistin Simone (Simone Weil, 1909–1943) als Nachfolgerin Christi beschreibt, zeigt ihre Unterteilung in fünfzehn Wege (Paths) – das Mass des Kreuzwegs in der katholischen Welt. Die Vergegenwärtigung von Simone Weills Lebensstationen in Zitaten und knappen Texten des libanesisch-französischen Schriftstellers Amin Malouf  ist zunächst ein Hörerlebnis von überwältigendem Reichtum an Klangfarbe und übersteigerter Harmonie, von bruitistischen Ausbrüchen und ätherischen Passagen.


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Die Liebe – ein Missverständnis 

Georges Bizets „Carmen“ im Opernhaus Zürich 7. 4. 2024


"Carmen" imOpernhaus Zürich, aber wie? Wie in etwa eine Inszenierung einer der populärsten Opern auszusehen hat, war einst keine Frage, aber auch schon lange muss man gefasst sein. Jüngst in Basel war Carmen mit Peitsche und feministischen Parolen beim Zirkus.  Andreas Homoki präsentiert nach seinem von Interpretation entlasteten „Ring“  nun auch eine untendenziöse Inszenierung des französischen Meisterwerks. Sie packt die Oper dort an, wo sie ihren Ursprung hat, auf der Bühne der Opera comique, und auch wenn das Kostüm dann vom 19. ins 20. Jahrhundert wechselt, bleibt es beim Ansatz, dass „Carmen“ eine kolossale Partitur ist, deren Musik nicht eine Geschichte untermalt, sondern in den Formen ihrer Nummern und im Schauspiel ihres Textes zur Geltung kommen soll. Da sind nicht Requisiten gefragt, sondern ein Ensemble, das die Figuren in Spiel und Stimme ausleuchtet. Mit Marina Viotti als Carmen, Saimir Pirgu als Don José, Natalia Tanasii als Micaëla als zentralem Dreieck und auch mit den weiteren Beteiligten steht ein hervorragendes Ensemble auf der nackten Bühne, die nichts anderes sein will als Bühne. Chor und Orchester in Hochform liefern die weiteren Energien, die Gianandrea am Dirigentenpult als weiterer Regisseur aus der Partitur zaubert.


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Zur erwähnten Inszenierung im Theater Basel: PDF

Bild: ©  Herbert Büttiker

Bild: ©  Monika Rittershaus

Grosser Auftritt des Fagotts

Die Solo-Fagottistin Valeria Curti im Musikkollegium       10. 4. 2024


Klare, gleichsam sprechende Artikulation, schlanke, kernige Tongebung und zumal im langsamen Mittelsatz sängerisches Gespür zeichnet Valeria Curtis temperamentvolles Spiel aus. Im Konzert des Musikkollegium brillierte sie mit einem Konzert von Antonio Vivaldi – dem fleissigsten Fagott-Komponisten der Musikgeschichte.


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Bild: ©  Herbert Büttiker