Die Geschichte zu

Roccosound“













Boehm und Pan – die französische Tradition, der eigene Ton


Für einmal ein persönlicher Beitrag der anderen Art: Ich habe die grosse Freude, hier die neue CD meiner Schwester, der Flötistin Ursula Büttiker und ihrer Partnerin am Klavier, Minako Matsuura, präsentieren zu dürfen. Zur Werkwahl schreibt die Flötistin: „Im Zentrum steht die Boehmflöte im Spiegel der Entwicklungen und Neuerungen ihres genialen Erfinders, Theobald Boehm. Ohne diese wäre der Reichtum an Flötenliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts mit ihrem grossen Ausdrucksspektrum von schlichter Lyrik (Jules Mouquet) bis zum romantisch Virtuosen (Bernhard Molique), von schillerndem Klangkolorit (Jules Mouquets „La Flûte de Pan“) bis zum tänzerisch verspielten Raffinement (Pierre Camus) vollkommen undenkbar. Die Élégie op. 8, Theobald Boehms letzte Komposition, erklingt denn auch mit Recht als finales Stück auf der CD: rückblickend, melancholisch weite Bögen spannend, noch einmal Mal leidenschaftlich aufbäumend, abschliessend, versöhnend.“


Information zur CD und Porträt hier                              

ZUM JAHRESWECHSEL

Eigentlich ist die Zäsur ja ein Phantom, Party und feierlicher Moment könnten beliebig vertagt werden. Aber die zwölf Schläge an Silvester haben ihre Magie, ob sie vom Dorfkirchlein oder der Kathedrale gezählt werden. Sie sind der Orakelspruch, den niemand versteht. Was erwartet uns? Was erwartet die Welt? Was zum Beispiel sagt Big Ben seinen Landsleuten? Wegen der Renovationsarbeiten, die noch bis 2021 dauern, schweigt er zurzeit vom hohen Turm herab, und das ist seine feine Ironie zur Lage im Königreich. In der Silvesternacht aber soll er ausnahmsweise wieder schlagen. Und? Die Briten haben sich die Agenda für 2020 zurechtgelegt. Dennoch wird The Great Bell zur Zukunft zwölffach nur dunkel raunen. Immerhin treffen die Schläge – da hat London sein Glück mit den Westminster Quarters – die Ohren nicht unvorbereitet: Voraus geht die berühmte Uhrenmelodie, gebaut aus vier Tönen, die sich in den Varianten ihrer Abfolge von Viertelstunde zu Viertelstunde zum Ganzen fügt und dann wieder von vorne beginnt – ein endloses Spiel, wie ein ewiger Herzschlag der Welt.

In diese Sinn:

Auf ein glückliches neues Jahre und allen in allem Guten nur das Beste.

Roccosound.ch

Neujahrs- und Wunschkonzert

Konzert des Musikkollegiums Winterthur mit Sergei Nakariakov und Dmitri Jurowski  8. 1. 2020


Vorgesehen war für die Leitung des Konzerts die estnische Dirigentin Kristiina Poska, die Basler Musikdirektorin. Für sie eingesprungen ist Dmitri Jurowski, der in der vergangenen  Saison das Musikkollegium erstmals dirigiert hatte. Für das Programm ergaben sich damit kleinere Änderungen. Sprach die energie- und glanzvolle Konzerteröffnung mit dem Star-Trompeter Sergei Nakariakov und dem Trompetenkonzert des Armeniers Alexander Arutiunian wie vorgesehen  für eine Art Fanfare und Sehnsuchtsmusik zum neuen Jahr, folgte nun an zweiter Stelle statt Schostakowitsch  ein Wunschkonzert-Hit: Franz Schmidts Intermezzo zur Oper “Notre Dame“ – schön das Stück so intensiv ausgekostet einmal im Konzert zu hören. Das  Weitere war Mozart, das 4. Hornkonzert, die Ouvertüre zu „Apollo et Hyacinthus“ KV 18 und die Sinfonie in A-Dur, KV201 – wunderbare Musik, die für alles gut ist, ob Neujahrs-, Wunsch oder einfach Abonnementskonzert.


Besprechung in „Der Landbote“ online und am 10. Januar in der Print-Ausgabe sowie hier im PDF

Zur Bildchronik Musikkollegium hier

Bild : © Herbert Büttiker,  2017

Das ist Musical

„Les Misérables“ im Theater 11 und „Ein Amerikaner in Paris“ im Theater Winterthur 

22. / 23.Januar


Was sich als Musical ausgibt und zumindest in unseren Theaterlandschaften und dem verbreiteten Verständnis gemäss von der Oper als dem künstlerisch höher stehenden Musiktheater unterscheidet, ist selber keine so eindeutige Sache, dass sich eine klare Zuordnung rechtfertigt. Zwar gibt es klar und unmissverständlich die zeitgenössische Oper auf der Basis der sogenannten „neuen Musik“. Aber die Sparte Musical spielt in einer stilistischen Breite, die viele Zuordnungen zulässt, gerade auch in Richtung Oper und „klassische Musik“. Wenn man zwei Abende hintereinander Claude-Michel Schönbergs „Les Misérables“ und das noch junge Erfolgsmusical mit der Musik von George Gershwin, „Ein Amerikaner in Paris“ in derr deutschen Fassung, gesehen und gehört hat, ist man mit dieser Spannweite auf vielfache Art konfrontiert.

 

Dass beide Stücke in Paris ihren Nährboden haben, mag man als hübschen Zufall sehen, das eine basiert auf einem französischen Roman, das andere trägt den namen der poesieträchtigen Hauptstadt Frankreichs im Titel. Was die Schöpfer betrifft, so haben wir mit Schönberg wie Gershwin Komponisten, die von der sogenannten Unterhaltungsmusiker herkommen, Chanson, Jazz, Popp. Aber Gershwin verschrieb sich auch dem klassischen Konzertsaal und schuf mit „Porgy and Bess“ eine erklärte Oper, während Schönberg vom Pop-Song ausgehend seine Musicals wie „Les Misérables“ und „Miss Saigon“ schuf, die man nun allerdings als Opern oder allenfalls Pop-Opern bezeichnen.


Mit „An American in Paris“, das kein Werk von Gershwin ist, aber seine Konzert- und Gesangsnummern zu einem eigenen bzw. an den Musikfilm mit gleichem Titel aus den fünfziger Jahren angelehnten Buch verwendet. Entstanden ist das Stück vor noch nicht zehn Jahren, und obwohl es wie einer ferneren Zeit angehört, ist es rund dreissig Jahre jünger als „les Misérables“, und es scheint nicht nur einer älteren Zeit anzugeöhren, sondern einer Gattung, die mit dem Werk von Schönberg kaum etwas gemein hat. In diesem wird nicht getanzt,  das andere ist weitgehend Revue- und Tanztheater. Während di durchgehende Dramatik und lyrisch expressive Geschichte nach Victor Hugo  nur in der Form greller Satire einen leichten Kontrapunkt setzt, ist das Buch von Craig Lucas eine Boulevard-Komödie, die sich nur sachte in ernstere Zonen begibt. Treibt es die Darsteller in „Les Misérables“ zu äusserster expressiven Anspannung der Stimmen in grossem Ton- und Dynamik- Umfang, sind wohlklingende Stimmen und liedhaft Leichtigkeit für Gershwin am Platz.


Der Anspruch ins Menschenherz zu leuchten kann sich im Schrecken und Mitleid der hohen Dramatik erfüllen oder im sanften Sentiment und der ironie der Komödie. „Les Misérables“ zielt mit dem historischen Stoff auf die elende Gegenwart, „Ein Amerikaner in Paris“ hat seinen besonderen Reiz darin, dass er im ewigen Konflikt von Pflicht und Neigung, der durchaus ebenfalls Gegenwartsstoff  ist, eine historisch gewordene Kunstform wieder aufleben lässt.


Die zwei sehr unterschiedlichen und sehr unterschiedlich attraktiven Musical-Abende geben so Antwort, was Musical ist, oder sagen wir, sie setzen Marksteine , die dazu beitragen, das riesige Terrain auszustecken. Sie verdienen aber auch die Betrachtung für sich:


Bericht zu „Les Misérables“ hier im PDF

Die Besprechung von „Ein Amerikaner in Paris“ erschient am 25. Januar in „Der Landbote“ und hier im PDF

Bild : © Helen Maybanks

Bild : © Sarah Jonek

Zum 27. Januar

Mozarts Geburtstag














Als «Klamauk aus dem 18. Jahrhundert» soll der Genfer Operndirektor Aviel Cahn die gesprochenen Passagen von Mozarts "Entführung aus dem Serail" gemäss NZZ am Sonntag bezeichnet haben. Die Inszenierung von Luc Perceval  im Grand Théâtre de Genève setzt an ihre Stelle eine eigene Geschichte. Er ist nicht  der erste, der den Dialog streicht. Was künstlerisch dafür einsteht, mag gut oder schlecht, ergreifend oder krud sein, wogegen man sich verwahren sollte, ist die Meinung, Mozart habe sich auf einen blossen Klamauk eingelassen. Mit der „Entführung“ wollte er schliesslich nichts weniger als das deutsche Singspiel neu erfinden. Der hohe Anspruch, den die Musik zweifellos dokumentiert, hatte für ihn selbstverständlich seinen Spiegel im Textbuch, und es ist ja sattsam bekannt, wie bedacht, skrupulös er die Libretto-Fragen anging - von der Frage des Sujets bis zur der Dramaturgie im Detail.


Um ein „Verbot“ auch radikaler künstlerischer Expeimente ist hier nicht die Rede, auch ist die Komik-Version von Wilhelm Busch das reinste Vergnügen. Aber man sollte von Menschen, die in einem Opernhaus in führender Position arbeiten,  erwarten dürfen, dass sie einem Text aus dem 18. Jahrhundert mit Respekt begegnen und vor allem ihn lesen können. Im Kern versteht ihn jeder Arbeiter hinter der Kulisse und Garderobefrau. Hier zwei Aufsätze, die sich mit dem Text und der Figuren-konstellation befassen, vor allem auch mit Bassa Selim, dieser eigenartigen Operngestalt ohne Musik. PDF


Monsieur Jéroôme geht seinen Weg

Hans-Ulrich Munzinger präsentiert seine Erzählungen und Texte    30. 1. 2020


Seine Geschichten entstehen in einem Fluss der Assoziationen und folgen der Eigendynamik der Figuren – ein intuitiver Prozess, dem die kontrollierte Ausarbeitung folgt. Das erklärte an der Buchtaufe im Restaurant Schlosshalde bei Winterthur Hans-Ulrich Munzinger, der seit langem ein Doppelleben als Musiker und Schriftsteller führt und jetzt sein erstes Buch veröffentlich hat. So vielschichtig die Dramaturgie seiner Erzählungen, so facettenreich gestaltete sich der  von Paul Steinmann moderierte Abend mit Lesungen des Schauspielers Adrian Furrer und Hans-Ulrich Munzingers und mit einer ebenso interessanten wie lustigen Gesprächsrunde.


Mehr zu Hans-Ulrich Munzinger und Monsieur Jérôme“, sowie weitere Bilder der Veranstaltung hier

Schubert der Wanderer

Luisa Splett – CD und Konzerttournee 1. 2. 2020


Auf ihrem eigenwilligen Weg durch die weite Klavierwelt hat sich Luisa Splett in jeder Hinsicht in entfernte Gegenden gewagt. Ihr Repertoire ist voller selten gespielter Literatur, ihr Engagement schliesst auch Konzertreisen nach Südamerika ein, in Berlin, wo sich die gebürtige Winterthurerin als Künstlerin und Familienfrau etabliert hat, ist sie auch pädagogisch und forschend tätig,  im Studio hat sie sich zuletzt das Werk des Schweizer Komponisten Emil Frey zum Schwerpunkt gemacht. Dass sie bei all dem nicht als Exzentrikerin dasteht, sondern mit Schubert, dem Wanderer, als Herzensangelegenheit ganz bei sich selber ist, macht ihre Schubert-CD berührend deutlich.


CD-Besprechung in „Der Landbote“ vom 1. 2. und hier im PDF

Bild : © Herbert Büttiker

Heimspiel

Luisa Splett – Rezital im Stadthaus Winterthur  2.2. 2010


Der dritte Auftritt ihrer Schweizer Tournee war ein Heimspiel – Luisa Splett spielte ihr Schubert-Programm vor grossem Publikum im Stadthaus Winterthur. Sie erwähnte zu Beginn in ihren Ausführungen, die hauptsächlich dem musikalischen Vorhaben gewidmet waren, dass sie diesen Saal schon im Bauch ihrer Mutter erlebt habe. Für die Tochter des Stadtorchester-Musikers Paul Otto Splett war der ehrwürdige Musiktempel so etwas wie die Wiege ihrer Musikalität. Dass sie nun, selber mit einem Kind unterwegs  und mit einem ausserordentlichen pianistischen Pensum in petto, wieder einmal im Stadthaus auftrat – ihr Debut iin diesem Raum erfolgte 2014 als gefeierte Interpretin des Klavierkonzerts Nr. 14 von W. A. Mozart –, war für sie deshalb mit besonderen Emotionen verbunden. Sogar das mit dem Stadtwappen geschmückte Rednerpult war für sie wie bestellt, und dass die Verbundenhei mit Winterthur nicht nur Lippenbekenntnis ist, hat sie ja auch mit ihrem musikalischemn Einsatz für die Musikstadt schon vielfach bestätigt – zum Beispiel mit CD-Einspielungen von Werken von Hermann Goetz, Martin Wendel und Alfred Felder.

Berlin ist zu Luisa Spletts Lebenzentrum geworden, Auftritte in der Schweiz sind aber keineswegs selten. Die Tournee dieser Tage führte nach Fribourg und Baden, doch das Finale fand am Sonntag in Winterthur statt. In gelöster Stimmung, konzentriert und mit dem geliebten Klang des Bechstein-Flügels in schönster Harmonie, spielte sie Schuberts Sonaten G-Dur D 894 und B-Dur D 960. Sie erweiterte so mit einem zweiten kapitalen Werk die starken Eindrücke, die ihre Schubert-CD vermittelt, und sie bewies im steten Fluss von gleich zwei überaus grossangelegten Werke ihr bewundernswertes piansitisches Potenzial. Wie unerschöpflich ihre Kräfte zum Gang durch die stillen Wasser und Katarakte von Schuberts Seelenlandschaft sind, zeigte sich schliesslich mit der gar nicht kleinen Zugabe des mittleren der drei Klavierstücke D 946.


Foto: Auftritt im Stadthaus – weitere Bilder hier

Bild : © Herbert Büttiker

Eine pianistische Lebensreise

Lusia Splett und Franz Schubert

Ein Schlüsselwerk der Operngeschichte

Christoph Willibald Glucks „Iphigénie en Tauride“ im Opernhaus Zürich    16. 2. 2020


Als „das brillanteste Pasticcio, das je komponiert worden ist, wurde das Werk bezeichnet, für das Gluck eine grosse Zahl von Selbstentlehnungen verwendete. Aber seine „Iphigenie auf Tauris“ ist nicht nur ein Schlüsselwerk der Operngeschichte mit grosser Nachfolge, sondern wirkmächtig auf der Bühne bis heute und eine Herausforderung für grosse Stimmen und ausdrucksstarke Darsteller. Im Opernhaus bestreitet nach Cecilia Bartoli nun die norwegische Sopranistin Birgitte Christensen eine weitere Aufführungsserie.


Bericht zur Aufführung hier

Bild : Monika Rittershaus

Frühlingsfest

Zur bevorstehenden Uraufführung von Alfred Felders „Walpurgisnacht“

27./ 28. 3. 2020


Nie haben Hexen einen Pakt mit Satan geschlossen und nein, Fausts Geliebte Margarete soll nicht sterben – Der Schweizer Komponist Alfred Felder hat mit dem Fokus auf die „Walpurgisnacht“ eine „Faust-Oper“ geschrieben, die aus einer eigenen, aktuellen Sicht den Hexensabbat in eine Feier der Natur und Sinnlichkeit verwandelt. Das Auftragswerk des Konzertchors Harmonie und des Musikkollegiums wird am 27. März in der Tonhalle Maag, Zürich, am 28. März im Stadthaus Winterthur konzertant uraufgeführt.

Wegen der Epidemie muss die Uraufführung  verschoben werden.

Mehr zur Oper „Walpurgisnacht“ hier

Bild : Andreas J.  Etter

Der Appell der Wüstenblume

Uraufführung des Musicals „Wüstenblume“ im Theater St. Gallen  22. 2. 2020


Das Theater St. Gallen schreibt seine Musical-Erfolgsgeschichte weiter und immer mehr mit internationaler Resonanz. Diesmal ist eine von der UNO als Sonderbotschafterin ernannte Persönlichkeit mit weltweitem Echo zur Hauptfigur des Musicals „Wüstenblume“ geworden und von Karry Jean eindrücklich dargestellt worden. Dass dann beim Applaus auch die reale Waris Dirie auf die Bühne trag, machte erst recht deutlich das St. Gallen eine Art Kulturhauptstadt des Musicals geworden ist.


Bericht zur Aufführung hier


Die Sache der Treue

„Arabella“ im Opernhaus Zürich 1. 3. 2020


Unverfänglich, in der Tradition der Humanitätsideale vergangener und zu bewahrender Epochen, haben Hofmannsthal und Strauss „Arabella“ entworfen. „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ könnte auch in  dieser märchenhaften Liebesgeschichte gesungen werden. Aber dann hat Strauss das Werk den Nazis preisgegeben. Die Inszenierung von Robert Carsen tut es noch einmal, aber nur um zu zeigen, dass das Stück im Kern die Kontamination übersteht. Dafür nimmt die Premierenbesetzung mit Astrid Kessler als Arabella Glamour und Pathos zurück und hält die dramatische Wahrheit hoch.


Premierenbericht hier

Aus dem Archiv: „Arabella“, Theater St. Gallen 2009 hier

Bild : Toni  Suter


UNERLEBTES

Der Terminkalender wäre ja nicht leer, aber was mit Neugier, Vorfreude oder auch nur als Plansoll dort steht, bleibt jetzt halt im Protokoll der Erlebnisse eine Leerstelle. Also auch hier. Als Ersatz gibt es nur ein bisschen Konjunktiv. Heute zu:


„The Mysterious Lady“ mit Greta Garbo in der Titelrolle eines Stummfilms aus dem Jahr 1928, mit Armin Brunner als Komponist, mit dem Sinfonia Ensemble und dem Dirigenten Christof Escher als Dirigenten im Theater Rigiblick war ein Erlebnis. Das Fazit lautete: „Der Abend ist nur insofern problematisch, als man es sowohl mit einem Konzert mit Filmbegleitung als auch einem Kinoabend mit Live-Orchester zu tun hat und hin und her gerissen ist, aber mit einem schöneren Problem kann man es ja eigentlich gar nicht zu tun haben, vor allem wenn ein Filmwunder wie Greta Garbo, The Mysterious Lady, Teil des Problems ist.“


Auch ein „Wilhelm Tell“ und ein „Panzerkreuzer Potemkin“ boten dieses erfreuliche Problem. Jetzt eben wäre ein „Rosenkavalier“ gut für eine Fortsetzung dieser Erlebnisse gewesen. Natürlich hat man die unwiderstehlichen Klangbäder eines Richard Strauss im Kopf:  „Ist wie ein Gruss vom Himmel. Ist bereits zu stark, als dass mans ertragen kann.“ Was hätte dem die filmische Version und musikalische List eines Armin Brunner entgegen zu setzen?  Wir wären heute gerne im Rigiblick.

Bild : © Herbert Büttiker

DER ROSENKAVALIER

Mittwoch, 25. März, 20 Uhr

Theater Rigiblick Zürich

WALPURGISNACHT

Freitag, Samstag, 27. / 28. März

Tonhalle Maag Zürich/  Stadthaus Winterthur

Alfred Felder an der Probe zu den „Szenen der Walpurgisnacht“ von 2016. (hb)


„Dramatisch packendes Potenzial entfaltet Felder mit Fausts Gretchen-Vision. Schmerzlich-inniger Streichersatz und Choral auf der einen, treibende Rhythmik auf der anderen Seite spalten das Klanggeschehen weit auf, bis der Crescendo-Taumel des Mambos alles mitreisst – auch das Publikum, das den im herausfordernden Programm des Abends imponierend präsenten Chor und alle Beteiligten enthusiastisch feierte.“

(„Der Landbote“, 30. Mai 2016 / hb)


Zum Jubiläum des Zürcher Konzertchors Harmonie im Mai 2016 zündete neben Mendelssohns Kantate «Die erste Walpurgisnacht» Alfred Felder die Feuer auf dem Blocksberg. Seine «Szenen der Walpurgisnacht aus Goethes Faust I», eine Auftragskomposition für die zweite Konzerthälfte, waren ein Wurf, aber auch nur ein erster Einblick in seine Beschäftigung mit dem Thema. In vielen Gesprächen liess er seine Freunde teilnehmen  an dem, was ihn umtrieb, was er entschied, was er verwarf, was er aus dem Werk Goethes herauslas und ins Eigene verwandelte.  Entsprechend schwer fiel es nun, den Termin aus der Agenda zu löschen. Da aber mit diesem Datum schon viel Erlebtes zusammenhängt, bleibt der heutige Tag eine Leerstelle voller Erwartung.

Mehr zur Oper „Walpurgisnacht“ hier

SWISS ORCHESTRA

Sonntag, 29. März 2020

Concert Hall Andermatt

Durch die Schöllenenschlucht zum Konzert:  Schon die Anfahrt wäre  etwas anderes gewesen als S-Bahn Stadelhofen. Und dann wäre in Andermatt der Konzertsaal mit immerhin 650 Sitzplätzen zu entdecken gewesen, der vor einem Jahr von den Berliner Philharmonikern eingeweiht wurde. Aber damit nicht genug Konjunktiv: Lena-Lisa Wüstendörfer und ihr Swiss Orchestra hätten eine Rarität aus der Taufe gehoben, die Grosse Konzert-Ouvertüre des in Winterthur geborenen und auch in Schaffhausen und Zürich tätig gewesenen Johann Carl Eschmann. Dem Romantiker der Ära Mendelssohn-Schumann kann man in Aufnahmen von Klavierstücken und Liedern begegnen. Für Orchester scheint er nur ein einziges Werk hinterlassen zu haben. Entstanden ist es 1847, als Eschmann am neu gegründeten Konservatorium in Leipzig als Privatschüler von Mendelssohn studierte.  Ob und wieviel  Mendelssohn in dem Stück steckt, hätte man heute hören können. Nach all dem Konjunktiv nun aber noch der Indikativ: Das Konzert ist nicht gestrichen, sondern nur verschoben. Das Datum ist fixiert: 6. Juni 2021.


Lena-Lisa Wüstendörfer im Gespräch:

Frau mit Zauberstab / Herbert Büttiker

Luxe-Magazin / Finanz und Wirtschaft hier

Seite 56/57 hier


Johann Carl Eschmann (1826–1882)


Krzystof Penderecki

Eine Erinnerung


Bei der Nachricht vom Tod des Komponisten Krzystof Penderecki tauchte im Gedächtnis „Die schwarze Maske“ auf. Das Theater am Stadtgarten, wie das Winterthurer Gastspielhaus noch hiess, lebte damals in Sachen Oper sehr vom Besuch aus dem Ostblock, von den Bühnen in Kiew bis hinauf nach Warschau. Damit verbunden war auch die Begegnung mit einem hier sonst kaum präsenten Repertoire, Opern von Dvorak und Smetana,  von Tschaikowskys „Krieg und Frieden“ und Mussorgskys „Chowantschina“ bis Schostakowitschs „Nase“, und auch neuere Opern des zwanzigsten Jahrhunderts waren zu sehen, Alfred Schnittkes „Leben mit einem Idioten“ oder eben „Die schwarze Maske“ von Penderecki – ein für Salzburg komponiertes Wrk, dessen polnische Erstinszenierung  in Winterthur gastierte. Die Besprechung vom 22. März 1991 hier

Für zwei Aufführungen von Giuseppe Verdis «Aida» im Theater Winterthur wäre diese Woche das Landestheater Detmold angereist. Corona machte auch dem einen Strich durch die Rechnung. Für das Publikum mag es eine Enttäuschung sein, musikgeschichtlich ist Absage eine Marginalie – sicher jedenfalls im Vergleich zu dem, was dieser Oper schon bei der ersten Aufführung widerfuhr. Die Planung und Komposition der grossen Ägypten-Oper ging zwar zügig vonstatten. Anfang Juni 1870 diktierte Verdi den Vertrag, die Premiere im neuen Opernhaus von Kairo wurde auf den Januar 1871 festgelegt. Dass die Uraufführung dann erst fast ein Jahr später, am 24. Dezember 1871, in Kairo über die Bühne ging, lag nicht an Verdi und seiner Partitur, sondern am Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs im Juli 1870. Kostüme und Bühnenbilder wurden in Paris hergestellt, und nun blockierte die Belagerung der Stadt die Lieferung nach Kairo. Die Uraufführung musste verschoben werden. Verdi nutzte die Musse, an seiner Oper zu feilen. Im September 1871 übergab er sie in Mailand dem Direktor der Kairoer Oper und nahm dafür die noch ausstehenden zwei Drittel des Honorars, 100‘000 Lire in Gold, in Empfang.


Zwar gibt es die Mächtigen, die auch jetzt gerade Kriegsherr zu spielen versuchen, aber immerhin, um Krieg handelt es sich beim Grund für den gegenwärtigen Aida-Stopp nicht. Um Krieg, Triumph und Elend, geht es allerdings in dieser Oper, und um Liebe, die auf der Strecke bleibt: Sie war ein Menetekel in der Epoche des Imperialismus – und ist aktuell.


Was die Inszenierung aus Detmold dazu zu sagen gehabt hätte? Sie reduziert, wie die  Rezensenten berichten, den Schauplatz der Völker auf den Saal in einem archäologischen Museum. Die Nofretete-Büste ist ein Bühnenrequisit, die gefangene äthiopische Prinzessin Aida eine Putzkraft im Haus ...  die Anlehnung an den berühmten Frankfurter-Opernskandal von 1981 ist offensichtlich. Museales Regietheater? Der Frage, nach welchen Opernsternen der Regisseur Joan Anton Rechi auf dem Buckel von Hans Neuenfels wohl greifen wollte, hätte man nun im Theater Winterthur nachgehen können. 


Ein Beitrag zu „Aida“ aus dem Archiv hier

„AIDA“

Gastspiel des Landestheaters Detmold im Theater Winterthur

3. und 4. April 2020

Wunderschöne Musik von Joseph Haydn war im Theater Winterthur für heute Abend angesagt. Das Opernhaus  Zürich und das Musikkollegium hätten ihre traditionelle Zusammenarbeit auf der Wintethurer Bühne mit dem Dramma giocoso "Il mondo della luna" fortgesetzt. Dass die Aufführung nicht stattfinden kann, wissen wir seit längerem. Heute aber kommt vom Opernhaus die Meldung, dass der Spielplan bis Ende Saison  ganz gestrichen ist. Traurig. Offen ist, ob ein Programm in kleineren Formaten ab Ende Mai möglich sein wird.  Ein Schimmer. Doch so oder so: es ist ein Riss im Kulturleben entstanden, dessen Tiefe noch unabsehbar ist. Es diktiert, auf gut Opernitalienisch, "La forza del destino".

Beschriebene Musik ist halt wie ein erzähltes Mittagessen" – das Bonmot stammt vom österreichischen Dichter  Franz Grillparzer. Wer also musikhungrig ist, kommt mit dem Bericht von der letzten Aufführung der Haydn-Oper in Winterthur nicht auf die Rechnung. Aber abgesehen von der Musik ist da die Handlung, die sich kurz zusammenfassen lässt. Der übliche Haustyrann der Opera buffa pflegt ein spezielles Hobby. Seine beiden Töchter sperrt er ein, selber schaut er durchs Fernrohr ins weite All. Die Jungen nutzen seinen Spleen und bieten ihm ein Getränk an, das ihn auf den Mond versetzt. Während er schläft, verpassen sie dem Salon ein lunares Ambiente und schlüpfen in die Kostüme eines kaiserlichen Mondreichs. Der Alte, der nicht umsonst Buonafede heisst, erwacht und ist bezaubert. Aber natürlich liest ihm der Herrscher gründlich die Leviten, so dass er – so liess es offenbar die damalige Inszenierung des Opernhauses mit Alfred Muff in dieser Rolle erleben – "auf dem Mond unsanft auf die Welt kommt": Landbote, 6. September 1997 hier im PDF

„il mondo della luna“

Haydn-Oper im Theater Winterthur

30. April 2020

„Stiffelio“

Verdi-Oper der St. Galler Festspiele

Verdis wenig bekannte Oper „Stiffelio“ ist eher eine intime Oper als ein Werk für das Openair-Spektakel. Aber auf den Klosterplatz hätte sie sehr wohl gepasst, auch wenn Stiffelio alias Robert Müller nicht ein katholischer, sondern ein lutheranischer Pfarrer und Führer einer protestantischen Sekte ist. Heute kam die offizielle Absage der St. Galler Festspiele, eine weitere, so erwartet wie traurig. Aufgeschoben sei nicht aufgehoben, soll auch für dieses Ereignis gelten, aber vorerst bleibt es so bei den Erinnerungen an frühere Begegnungen und Beschäftigungen mit dieser faszinierenden „theologischen“ Oper – aufbereitet zu einem Aufsatz unter dem Titel:

„Von der Trilogia popolare“ zur Tetralogia centrale“.

Download hier

Musik und Oper in Winterthur

„La Fille du Régiment“, „Aida“, „Il mondo della luna“ sind die Opern im stillgelegten Spielplan des Theaters Winterthur. Sie haben es wegen der Pandemie nicht auf die Bühne geschafft. Das Musikkollegium hat einige Fenster gefunden, virtuell, aber auch draussen vor den Häusern, um der Stille zu trotzen. Gut und schön, aber wir warten doch und hoffen auf die kommende Saison. Das Theater Winterthur hat sie heute angekündigt, und was die Oper betrifft, hüpft das Opernherz: Carmen! Macbeth! Der Mann von La Mancha! Zigeunerliebe! L`Italiana in Algeri Anatevka! Turandot! Alcina! Viva la Mamma!

Statt voraus, hier aber ein Hinweis auf eine Gelegenheit, in Sachen Musikkollegium zurückzublicken: „Mäzen und Mentor – Werner Reinhart als Wegbereiter der musikalischen Moderne“ lautet der Titel des vielschichtigen Buches von Ulrike Thiele. Dazu noch dies: Corona-Zeit ist auch Bastelzeit, zum Beispiel mit dem Photoshop-Werkzeugkasten (siehe Bild und Varianten hier).

Besprechung am 19. Mai in „Der Landbote“ und hier im PDF

Comeback

Das Musikkollegium spielt wieder im Konzertsaal   

10. 6. 2020


Für Carl Maria von Webers Klarinettenkonzert geht man gern ins Konzert, wenn ein Solist wie Sérgio Pires angesagt ist. Auch Joseph Haydns Sinfonie mit dem „Il Distratto“ hat seinen besonderen Hörreiz: Mit Empfindsamkeit und Schabernack führt er einen an der Nase herum – dennoch, in normalen Zeiten wären die beiden Werke gut für eine Konzerthälfte. Anders in Corona-Zeiten. Das Musikkollegium unter der Leitung von Roberto Gonzalez Monjas machte daraus ein kurzes, aber sattes ganzes Konzert.


Am 12. 6. in „Der Landbote“ und hier im PDF


Weitere Bilder hier

Bild : © Herbert Büttiker

Bild : © Herbert Büttiker

Bild : © Herbert Büttiker

Die Oper ist zurück

Saisoneröffnung im Theater Winterthur 

18. 9. 2020


Vieles kommt andes als geplant. Die Oper Dortmund konnte wegen Covid ihre Inszenierung von Bizets „Carmen“ nicht realisieren. Als Ersatz für ihren Gastauftritt in Winterthur hat sie eine Operngala auf die Beine gestellt, die ihr Ensemble ins beste Licht rückt und das Konzertpodium fesselnd zur Szene macht. Weitere Vorstellungen am 20. sowie am 24., 25., und 26. September.


Der Bericht dazu am Montag in „Der Landbote“ und hier im PDF
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Comeback 2

Das Zürcher Kammerorchester sagt für diese Saison Adieu  

24. 6. 2020


Ob dieser Konzertsaison, der auf halbem Weg der Stecker gezogen wurde, kann man ja in Trübsinn verfallen, aber das kurze Aufblitzen zum Finale strahlt um so heller. Das  Zürcher Kammerorchester jedenfalls begeisterte mit seinem Music Director Daniel Hope, der so viel positive Energie versprüht, und nährte die Hoffnung auf die nächste Spielzeit.


Bericht hier

Montage : © Herbert Büttiker

Starkes Zeichen

„Boris Godunov“ im Opernhaus Zürich 20. 9. 2020


Dass diese Saisoneröffnung überhaupt über die Bühne gehen konnte! Die Pandemie zwingt eigentlich zu kleinen Formaten, das Opernhaus wagte das ganz grosse: Modest Mussorgskis «Boris Godunow» in der langen Fassung, allerdings mit Chor und grossem Orchester ausser Haus – wie etwa von Openair-Festspielen vertraut. Ein so grosses Ensemble wieder bei der Arbeit zu erleben, weckt Hoffnung und ist ein starkes Zeichen. Auch künstlerisch werden Zeichen gesetzt, die Inszenierung von Barrie Kosky geht dabei einen eigenwilligen Weg, und nicht alles, was kühn und originell scheint, muss einem einleuchten.


Bericht hier



Bild : ©  Alberto Venzago

Bild : © Monika Rittershaus

Neues Konzertleben

Saisoneröffnung des Tonhalle-Orchesters Zürich  23. 9. 2020


Im Raum zerstreut, aber im Klang vereint: Das Tonhalle-Orchester findet sich in den neuen Verhältnissen gut zurecht. Auch das Publikum muss sich auf neue Gegebenheiten einlassen. Was bleibt, ist das hervorragende Spiel des Orchesters – zur Saisoneröffnung  mit Lars Vogt am Klavier und Paavo Järvi am Dirigentenpult.

Bericht hier


La comare  oder: Auf Italienisch ist der Tod feminin

Die Free Opera Company präsentiert „Crispino e la comare“    Zürich  4. 10. 2020


Unzählige Namen füllen die Annalen des italienischen Opernbetriebs zu den Zeiten Rossinis, Donizettis und Verdis. Es kann sich lohnen, den einen oder anderen dem Vergessen zu entreissen. Die Free Opera Company beweist es mit «Crispino e la comare».Gleich zwei Komponisten rücken mit dem «Melodramma fantastico-comico» ins Rampenlicht, die Brüder Federico und Luigi Ricci.

Bericht hier

Bild : © Ingo Höhn


10. 05. 2021

Arien und Dekoration in Hülle und Fülle

Das Theater St. Gallen eröffnet die Opernsaison mi Händels „Cesare“  24. 10. 2020


Für gut zwei Spielzeiten ist das Theater St. Gallen ins spartanische Provisorium nebenan umgezogen. Das Publikum soll dort aber nichts vermissen, weder Foyer, noch gute Sicht und gute Akustik im Saal und schon gar nicht die Kunst auf der Bühne. Für die Premiere im „UM!BAU“ getauften Gebäude scheint das Theater dem Publikum im Gegenteil geradezu eine Extraportion Üppigkeit zu gönnen . Schlesslich bietet Händels  „Cesare in Egitto“ jede Menge musikalische Perlen für Countertenöre, Frauenstimmen  und Bass, und für das zwischen Komödie und Drama schillernde Geschehen gab es den Freipass zu farbig wuchernden Dekorationen und exotisch bunten Kostümen – alles für einen musikalisch geglückten, szenisch attraktiven Abend, der mit Kleopatras Krönung endete und nur in einem einzigen szenischen Witz an Corona erinnerte.

Bericht hier

Aus dem Archiv: Händels Sprung über die Zeiten – Beitrag zum 250. Todestag

des Komponisten hier

Bild : ©  Iko Freese

Soweit musste es kommen

Live-Stream aus dem Stadthaus Winterthur – Hommage an Georg Wilhelm Rauchenecker
29. 10. 2020



Musste es soweit kommen? Wie kohärent sind die Covid-Bestimmungen, die den Musikbetrieb lahm legen und die Konzert und Theatersäle leer fegen? Wer weiss? Was ist zu tun? „Wir spielen weiter“, teilte gestern das Musikkollegium mit und gab den Link zum Live-Stream bekannt. Das Orchester betrat zum üblichen Konzertbeginn um 19.30 das Posium. Es fehlte aber die Begrüssung des Publikums, es fehlte der Applaus und es fehlten die üblichen Verbeugungen. Dass wirklich an den Bildschirm Menschen ihr Spiel verfolgten, daran schienen Dirigent Howard Griffith und das Orchester nicht zu denken: Man war konzertmässig gekleidet, aber fühlte sich unter sich. Technisch war der Live-Mitschnitt der fest montierten, aber steuerbaren Kameras auch auf dem grossen Bildschirm akzeptabel, und der Ton war von einer Qualität, die das Gebotene durchaus intensiv miterleben liess.


Das Saisonprogramm sah für den Abend ein Hauskonzert vor, das der Geschichte des Musikkollegiums gewidmet war,  und es ging, so wie geplant, auch über die Bühne beziehungsweise vor dem heimischen Sofa über den Bildschirm. Gewidmet war es dem Musikdirektor und Architekten des Orchesters in den 1870-er Jahren, Georg Wilhelm  Rauchenecker (1844–1906), der auch ein Komponist von Rang war. Auf dem Programm stand unter anderem ein Werk, das er zum 250-Jahr-Jubiläum des Musikkollegiums 1880 komponiert hatte. Reto Schärli, der sich schon als Maturant in Winterthur mit diesem Komponisten zu beschäftigen begonnen hatte, erläuterte in kürze erhellend dessen Leben und Schaffen. Das Hauptwerk des Programms, Raucheneckers 1. Sinfonie in f-Moll, machte dann auch deutlich, warum der junge Dirigent und Chorleiter von diesem Vergessenen aus der Epoche von Brahms und Bruckner fasziniert ist. Und in diesem Sinn konnte man auch vor dem Bildschirm dankbar sein für das trotzige „Wir spielen weiter“.

Bild : ©  Herbert Büttiker

DER RUFER

Verdis „Simon Boccanegra“ im Opernhaus Zürich 6. 12. 2020

TV-ÜBERTRAGUNG DER PREMIERE

Zur Einstimmung: Texte aus dem Archiv hier


Ästhetischer Eigenwert und mediales Korsett

Kommentar zur TV-Übertragung

hier

Bild : ©  Herbert Büttiker

ZUM JAHRESWECHSEL



«Nel mezzo del cammin di nostra vita

mi ritrovai per una selva oscura,

ché la diritta via era smarrita.»


Gerade das Inferno wollen wir nicht herauf beschwören, aber etwas von Dantesker Irritation ist 2020 ins Leben gekommen. Die Welt ist aus dem Tritt geraten, neben den Weg getreten, die Aussichten sind verworren, man weiss nicht so recht, wo es lang geht. Man ist nicht einmal sicher, ob es gut ist, die bisher gegangene Strasse wieder zu finden und einfach weiter zu gehen. Aber alles andere ist auch schwer vorstellbar und so bleiben wir für das Jahr 2021 besser beim Wunsch, die Normalität möge bald zurückkehren, wir mögen den Anschluss finden, es möge weiter gehen und das vergangene Jahr möge Geschichte werden als Intermezzo, als Einbruch, Einbusse, Zwangspause.


Was bleiben darf und soll, ist die Trauer über den Verlust von Menschen und die Nachdenklichkeit, zu welcher uns die Pandemie auch gezwungen hat. Diese wirke fort im prosperierenden Treiben als Kraft der Besinnung und Konzentration uf das, was einem jeden von uns auf seine Weise wesentlich ist.


In diesem Sinn: Allen ein Jahr mit Zukunft, ein gutes 2021

Bagatellen als Herzensangelegenheit

Zum Beethoven-Jahr: Christoph Scheffelts erste CD


Als musikalischen Begriff verbindet man die „Bagatellen“ – nicht ganz zurecht – ausschliesslich mit dem Klavierschaffen von Ludwig van Beethoven: als Splitter und Späne, als Einfälle und Launen, die neben den grossen Sonaten als Kleinigkeiten gelten können, es aber doch zünftig in sich haben. Unbekannt ist das nicht, aber wer hat sich schon mal das ganze Kompendium angehört und gestaunt über den Reichtum, die Brillanz und den Reiz dieser Sammlung von 24, wenn man wie hier „Für Elise“ dazu zählt, von 25 Stücken? Beim jungen Label Prospero hat der in Winterthur lebende Pianist Christoph Scheffelt sie alle eingespielt, mit virtuosem Griff, kalngschön und mit Herzblut.


Christoph Scheffelt im Gespräch: Beitrag in „Der Landbote“ vom 5. Dezember 2020 und hier im PDF

Wann ist live live?


Die Frage, was ein Konzerterlebnis zum Live-Erlebnis macht,  lässt sich in Graden unterschiedlich beantworten. Mit den Ausführenden den Augenblick zu teilen, scheint die Hauptsache, aber was heisst teilen. Reicht akustisch oder braucht es mehr noch, auch die gemeinsame Präsenz am Ort? Dies lässt uns die gegenwärtige Lage besonders vermissen, und wir wissen nun erst recht, ein Live-Erlebnis wäre eben dies: der gemeinsame Moment der Spielenden und Hörenden am Ort des Geschehens, der Konzertbesuch.


Die Konzertform der Stunde ist jedoch der Live-Stream. Immerhin, im Unterschied zur Konzertaufzeichnung, fahren Ausführende und Hörer auf der selben Zeitschiene – von Sekunden oder Millisekunden einmal abgesehen. Eine kleine Verzögerung ist mit der Übermittlung ja zwangsläufig verbunden, und sie lässt natürlich fragen, wie gross sie sein darf. Ist eine Stunde später auch noch live? Mit welchem Abstand zwischen Aufführung und Wiedergabe wird aus der Live-Übertragung eine Konzert-Aufzeichnung?


Davon gibt es in den Regalen und Diskotheken oder im Internet beliebig viele. Die Pandemie-Abstinenz, macht aber deutlich, was  uns am Live-Stream wichtig ist: Die Vorgabe von  Ort und Zeit, die Ankündigung des Programms,  und wenn auch alle weiteren Schritte für den Konzerbesuch entfallen und man zu Hause auf dem Sofa sitzen bleibt vor Bildschirm und Musikanlage, so macht doch die Erwartung den Unterschied wischen Live und Aufzeichnung aus.  Man mag unter künstlerischen Gesichtspunkten diese Unterscheidung für unwesentlich halten, meine Erfahrung in Zeiten der Pandemie weist aber in die andere Richtung:  Für den Gang ins Konzert gibt es keinen Ersatz, ausser den Ersatz, der fast wie der Gang ins Konzert ist. Und eine gute CD-Aufnahme ist eine Alternative, und die Tschaikowsky-CD des Tonhalle-Orchesters ist eine Freude für sich.





Bericht zum Tonhalle-Konzert vom 22.01. 2021

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Betrachtungen zu «Simon Boccanegra»

aus dem Opernhaus Zürich vom 2. 12. 2020

PDF



Bild:Alberto  Venzago

 

Rossini und Donizetti vertreiben das Gespenst

Serata Italiana im Theater Winterthur   29. 1. 2021


Auf weiter Flur allein in den Sitzreihen machte sich vor Beginn der Veranstaltung das Gespenst im Saal des Theaters Winterthur fühlbar. Schliesslich waren Geisterspiele angesagt, Auftrite ohne Publikum. Aber allmächtig ist das Gespenst der Pandemie auch wieder nicht. Rossini und Donizettis pfiffige und beherzte Heiterkei vertrieben es aus dem Saal, und wer zu Hause vor einem Bildschirm das Streaming-Konzert mitverfolgte, erlebte auch, dass die Lckdown-Beschränkungen nicht alles verhindern. Da waren etwa das Wiedersehen mit guten Bekannten aus dem Operntheater Biel-Solothurn, Michele Govi und Leonardo Galeazzi, die sich  mit ihrer grossartigen Komödiantik als Dottore Malatesta und Don Pasquale  auf der Bühne vorschriftsgemäss begrüssten. Und zu entdecken war die brasilianische Mezzospranistin, Josy Santos, die Rossinis „Femmine d‘Italia“, Rosina unf Isabella,  grossartig verkörperte. Man sollte sich den Namen merken für Zeiten nach Corona..


Bericht in „Der Landbote“ vom 1. Februar und hier im PDF

CORONA 2021

Phase 0

Screenshots aus der Videoaufzeichnung /hb

Wald bei Trüllikon /hb

 

Sie können auch Fernsehen

Argentinischer Abend mit José Cura, Musikkollegium Winterthur 9. 2. 2021


Die Akteure im Fernsehstudio wissen es seit eh und je. Der Bildschirm bei den Leuten ist nicht ein Fenster zu ihnen, sondern ihre Bühne draussen bei den Zuschauern. Der Moderator ist der Gast in der guten Stube. Viele Streamings, die gerade zum Notproviant der Bühnen avanciert sind, wissen davon nichts. Sie müssen auch nicht. Das Prinzip Fenster und nach Möglichkeiten der gute Ton sind das Entscheidende, um in diesen Zeiten der Pandemie mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben, und ja, vor allem künstlerische Botschaften zu übermitteln.


Interessant war in diesem Zusammenhang der Abend mit José Cura, den er von der künstlerischen Seite her nicht zum ersten Mal bot, und dessen Programm nicht zum ersten Mal ein Publikum mit Liedern argentinischer Komponisten begeisterte: Mit einer melodisch farbigen, melancholisch expressiven und auch humorvollen Musik in anspruchs- und stimmungsvollen, für das Orchester dankbaren Arrangements von – Kompliment! – José Cura selber. Aber es war doch, wie er kundtat, sein erstes Konzert seit elf Monaten und sein erster Streaming-Event. Ob er sich bewusst darauf vorbereitete oder einfach sein Naturell spielen liess?


Jedenfalls war es ein kommunikativer Event und war José Cura präsent wie wenn es sich um eine TV-Sendung gehandelt hätte. Locker und charmant, besinnlich, humorvoll und ohne Anbiederung war er in Kontakt mit uns zu Hause. Dass er anderseits mehr oder weniger konsequent den fast leeren Saal ignorierte und zum Orchester hin sang und sprach, war kein Paradox, sondern schlicht das Werk der frontal auf ihn gerichteten Kamera und seinem Spiel vor diesem unserem Auge.


José Cura, der Vielseitige, den auch die Fotografie interessiert, mit grossen Tenor-Partien unterwegs (Otello in Zürich), aber auch als Dirigent und Komponist auf den Podien präsent, war dann aber doch weniger Moderator als Sänger, Interpret einer Musik, deren Emotionen wie von selber Rede und Klang wurden. Dass er dabei auch gestisch mit dem Orchester kommunizierte wirkte erstaunlich natürlich. Man mochte bedauern, dass einem der lyrische Inhalt der Lieder nur rudimentär erschloss, aber die Lebendigkeit und das Hintergründige der Stimme liessen das auch vergessen, und dazu boten die instrumentalen Beiträge, darunter das Spiel der Gitarristin Barbara Kubikova, viel Fesselndes. Von den Komponisten ist der Name Alberto Ginastera vertraut, aber in den Vordergrund rückte eindrücklich Carlos Guastavino, als dessen kongenialer Kollege sich Cura nicht nur als Interpret, sondern auch als Komponist (mit einer Vertonung von Gedichten Pablo Nerudas)  erwies.

Screenshots aus der Videoaufzeichnung /hb

Bellinis „Norma“

Mozarts „Entführung“

In eigener Sache


Um eine Verbindung zwischen dem deutschen Singspiel und der italienischen Tragedia lirica geht es hier nicht oder wenigstens nur insofern, als mit beiden Werken ein Thema gegeben ist, das einen unterwegs in Sachen Oper, selbstversändlich  interessieren muss: die Liebe. In der „Entführung aus dem Serail“ gibt es das Duett von Konstanze und Bellmonte am Rande des Todes, der den beiden angedroht ist: „Mit dem / der Geliebten sterben, ist seliges Enzücken“, singen sie. Das Finale der „Norma“ als „Liebestod“ der Priesterin und ihres sich neu zu ihr bekennenden Geliebten Pollione zu verstehen, hat eine lange Tradition. Doch stellt die Analyse von Text und musikalisch-szenischem Verlauf dies in Frage.


Die Aufsätze zu diesen Fragen haben eine lange Geschichte. Die eingehende Beschäftigung mit der „Entführung“ geht zurück auf eine Inszenierung von Jossi Wieler im Theater Basel von 1998. Konstanzes missverstandenes Wort vom „Wechsel der Gefühle“ waren der Ausgangspunkt. Sie führten zu einer Analyse der Figurenkonstellation, die einen neuen Blick auf das Werk wirft: als eine „Schule der Liebenden“, vergleichbar mit „Così fan tutte“ und „Zauberflöte“.  PDF


Meine Sicht auf das „Norma“-Finale habe ich erstmals 2001, in einem Beitrag in Zeichen und Werte aus Anlass von Bellinis 200. Geburtstag in konzentrierter Form formuliert. Unter dem Titel „Liebestod oder was“ ist dieser Ansatz nun eingehend verarbeitet. PDF

Global ist lokal ist global

Konzert-Stream des Musikkollegiums

Das Theater Winterthur streamt „Turandot“ 


Noch ist kein Ende in Sicht. Das reale Kulturleben bleibt auf Tauchstation. Um so mehr verdienen die Kulturschaffende unsere Aufmerksamkeit, die im Meer des Internets schwimmen und den Kopf über Wasser halten. Mit ein paar Klicks steht jeder am Strand. Der Meereshorizont ist weit und die Ufer sind unbegrenzt. Im digitalen Ozean lösen sich die Grenzen von Kulturstädten und Veranstaltungsstätten auf,  die Links zu Portalen und Kanälen verbinden uns mit diesem und jenem. Ein Stream geht in alle Welt und ein Publikum streamt aus aller Welt. Vielleicht ist dies das Positive im Negativen der Lockdown-Epoche. Sicher, je früher sie zu Ende geht, um so besser. Was sie aus der Not in den Vordergrund bring, ist ja auch nur eine Seite des Kulturlebens, die es ohnehin auszeichnet: Der Ort, wo etwas entsteht, ist gegenüber dem Was und dem Wie zweitrangig. Das künstlerische Ereignis gewinnt seine Bedeutung nicht vom Ort, an dem es stattfindet, aber der Veranstaltungsort und die Institution haben Rang und Renommee durch die Ereignisse, die sie schaffen oder ermöglichen. Vielleicht behalten unter diesem Aspekt auch die Techniken des Live-Streams einen bleibenden Stellenwert. Für deren Einübung auf der Produzenten- wie auf der Empfängerseite hat, ob man das nun sarkastisch oder optimistisch wertet, die Pandemie nun ja gesorgt.


Lokal ist auch global: Das gilt für das gestrige Konzert des Musikkollegiums (es lässt sich nachhören), das mit einem originellen ersten Konzertteil jazzige Freude ausstrahlte, nach der Pause passend eine romantische Sinfonie bot: Darius Milhaud liess sich in den 1929-er Jahren in London von einem amerikanischen Jazz-Orchester inspirieren. Antonin Dvorak komponierte während seines Amerika-Aufenthalts die Sinfonie «Aus der neuen Welt». Der junge britische Dirigent Duncan Ward animierte ein eine fesselnd frische Orchesterarbeit. Dass der angesagte Solist, der Klarinettist Andreas Ottensamer wegen Reisebeschränkungen nicht mit von der Partie war, tat dem Abend keinen Abbruch: Das Musikkollegium hat seinen eigenen grossartigen Solisten, Sergio Pires, der mit den Bravour-Stücken von Debussy und Lutoslawski dafür den Beweis erbrachte.


Global ist auch lokal: Wer aus Optimismus das Saisonprogramm des Winterthurer Theaters noch nicht entsorgt hat, findet für den kommenden Freitag und Samstag die Ankündigung von Giacomo Puccins attraktiver Oper «Turandot». Die Produktion des Theaters Detmold konnte nicht realisiert werden, und Oper auf der Bühne geht derzeit nicht. Gestreamt wird eine Inszenierung des Theaters Dortmund aus Vor-Corona-Zeit aus Dortmund. Dass die Fussball- auch eine grosse Musikstadt ist, zeigte die Oper Dortmund zur Eröffnung der Saison mit einem Opernkonzert, das als geglückter Ersatz für die ebenfalls nicht realisierte «Carmen» hier über die Bühne ging. Turandot ist die chinesische Prinzessin, die alle Freier töten lässt, welche die ihnen gestellten drei Rätsel nicht lösen können – eine Märchengestalt, für die zumal in der Position als Titelfigur von Puccinis letzter, in den 1920-er Jahren entstandener Oper, der Diminutiv fehl am Platz ist. Es geht hochdramatisch zu und her, grosse Gesangsstimmen sind gefordert und in dieser Produktion zu hören, Die Inszenierung evoziert den exotisch sagenhaften Kaiserhof, verweist mit der expressionistisch ausgeleuchteten und bewegten Menge aber auch auf die filmische Moderne der Epoche Puccinis. Auf der Höhe der Zeit war Puccini auch mit seiner Musik, und das Orchester lässt das in allen Facetten auch hören – die Aufführung insgesamt fesselt und lässt die leere im realen Theater der Stadt ein wenig vergessen.


Auf nach Schottland

Das Tonhalle-Orchester mit Mendelsssohns „Schottischer Sinfonie“. 6. 4. 2021


In diesen Zeiten besonders: Reisen geht auch im Kopf, lassen wir uns inspirieren! Für einen Osterausflug nach Schottland offerierte das Tonhalle-Orchester einen grandiosen Vorschlag: Felix Mendelssohns «Schottische Sinfonie» – eine Aufnahme aus dem Maag-Saal, der sich im Rausch dieser Musik gleichsam auflöst. Es geht ab an die wilde Küste, ab zu den alten Ruinen und Schlössern, hinaus in den Sturm und hin zur tragischen Geschichte der Mary Stuart, wohin überall in Geschichte und Landschaft uns der Komponist als Weggefährte führt. An die Eltern schreibt er aus Edinburgh am 30. Juli 1829: "In der tiefen Dämmerung gingen wir heut nach dem Palaste, wo Königin Maria gelebt und geliebt hat; es ist da ein kleines Zimmer zu sehen, mit einer Wendeltreppe an der Thür; die stiegen sie hinauf und fanden den Rizzio im kleinen Zimmer, zogen ihn heraus, und drei Stuben davon ist eine finstere Ecke, wo sie ihn ermordet haben. Der Kapelle daneben fehlt nun das Dach; Gras und Epheu wachsen viel darin, und am zerbrochenen Altar wurde Maria zur Königin von Schottland gekrönt. Es ist da alles zerbrochen, morsch, und der heitere Himmel scheint hinein. Ich glaube, ich habe heut da den Anfang meiner Schottischen Sinfonie gefunden."


Mendelssohn hat keinen Reiseprospekt geschrieben, sondern eine Sinfonie, im Rahmen ihres CD-Projekts präsentiert sie das Tonhalle-Orchester, geleitet von seinem Chef Paavo Järvi zu Ostern als Stream auf ihrer Homepage. Auch heute kann man sich diese Klangreise noch gönnen und eine unerhört virtuose Aufführung erleben. Das Orchester hat den Sound des grossen Dampfers, aber die Agilität einer Yacht. Es ist in schnellen Tempi unterwegs, aber das Adagio hat die Wärme, das Finale die pathetische Fülle.  Vivace non troppo mahnte Mendelssohn vorsichtig, die Tonhalle kann auf den Rat verzichten, vivacissimo sprüht der 2. Satz makellos nur so dahin. Es ist viel präzise Leichtigkeit in diesem Spiel, aber in der Sturmmusik des ersten Satzes rollen die Wogen mit voller Wucht heran. Dass sich am Schluss das Orchester vor dem leeren Saal verneigt, wundert für einmal nicht: das Publikum ist von Schottland noch nicht zurück. (Link: siehe Homepage "Tonhalle-Orchester")


Drei Frauen und noch eine

Das Tonhalle-Orchester mit Mendelsssohns „Schottischer Sinfonie“. 11. 4. 2021


Das Opernhaus kann der Pandemie auch trotzen, und dies, wie die Premiere am Sonntag gezeigt hat, auf schönste Weise, nämlich in künstlerischer Hochform einer Neuinszenierung von Jacques Offenbachs Phantastischer Oper „Les Contes d‘Hoffmann“. Einziges Manko: Zu sehen war (und bleibt) die Produkution vorerst nur vor dem Bildschirm – aber die präzis fokussierte und sozusagen kallifgraphische Arbeit von Regie (Andreas Homoki) sowie Bühnenbild, Kostüm und Maske macht auf dem Bildschirm beste Figur.


Bericht hier im PDF


Grosse Besetzung vor kleinem Publikum

Das Tonhalle-Orchester mit Werken von Dvorak und Suk . 30. 4. 2021


Fünfzig waren zugelassen, fünfzig konnten den musikalischen Glücksfall im Saal der Tonhalle Maag erleben. Aber ganz verpassen muss ihn niemand: Das Konzert mit böhmischem Flair bleibt  als Stream im Internet präsent. Der Komponist Josef Suk ist wohl für viele eine Entdeckung, Dvoraks eher selten gespieltes Violinkonzert ist in einer fulminanten Interpretation zu erleben.


Bericht hier im PDF

CORONA 2021

Phase 50

Donizettis Delirium

Das Inernationale Zürcher Opernstudio mit „Viva la Mamma“ in Winterthur 6. 5. 2021


Vor 60 Jahren wurde das Opernstudio im Opernhaus Zürich gegründet und für seine Hauptproduktion stieg es 2014 erstmals aus dem Keller und bespielte die gosse Bühne des Winterthurer Theaters. Auch „Viva la Mamma“ ist jetzt ein Produktion des Opernstudio in in Zusammenarbeit mit dem Theater Winterthur und mit dem Musikkollegium – und es präsentiert wiederum eine aufwendige, reich ausgestattete und ausgereifte Inszenierung.  


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Gespräch mit der Regisseurin hier

Operngesang auf dem Amazonas

„Florencia en el Amazonas“ – Oper von Daniel Catan im Theater St. Gallen 8. 5. 2021


Das Theater St. Gallen is immer wieder gut für Entdeckungen, auch für ein offenes Ohr für die Vielfalt des Musiktheaters. Mit der Oper des Mexikaners Daniel  präsentiert die Bühne im Umbau die Schweizer Erstaufführung eines modernen Werks (uraufgeführt 1996 in Houston), das keine zeitgenössischen Avantgarde-Standarts bemüht, aber ins (musikempfängliche) Herz der Gegenwart trifft.


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Screenshot /hb

Bild:  Edinburgh / ©  hb

Bild: © Herwig Prammer

Bild: © Iko Freese