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2015

2014



Die Geschichte zu

„Roccosound“










ÄSTEHTISCH  UND EINSICHTIG

Man glaubt diese Oper ja zu kennen und hat auch schon die Inszenierungen erlebt, die das vertraute Japanbild  beiseite lassen, und die moderne Business- und Sextourismuswelt in Puccinis „Madama Butterfly“ hinein projizieren. Ted Huffman zeigt mit einem starken Ensemble, dass das Stück mit Brisanz ganz aus sich heraus erzählt werden kann und wie neu zu erleben ist.


Bericht 12. 12. in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF

NEW YORK UND DA TEMPO DES LEBENS

Wer noch 24 Stunden zu leben hat, verzweifelt an der Frage, was denn das Leben sei (Bitte melden, wer seine Adresse kennt). Wie es drei Navy-Matrosen auf dem 24-stündigen Landgang finden, erzählt Leonard Bernsteins Musical „On the Town“ im Theater St. Gallen. Und hier nur so viel: Das wichtigste ist Tempo, Tempo, Tempo – das clevere Inszenierungsteam lässt das bravouröse Ensemble im Taxi durch die Strassenschluchten und in der U-Bahn von Stadtteil zu Stadtteil preschen. 


Bericht am 11. 12. im „Landboten“ und RZ sowie hier im PDF

Bild: © Toni Suter

Bild: © J. Etter

FACETTENREICH

Perkussion ist ein subtiles Handwerk. Das zeigten mit Bela Bartoks 1. Klavier-konzert am Mittwoch im Musikkollegium die drei Schlagzeuger, aber auch der Pianist Andras Schiff mit kultiviertem Anschlag auch im „bruitistischen“ Moment.

Facettenreich war auch das Programm, das klug und überraschend Schritt für Schritt von Haydn zu Bartok führte. 


Bericht 15. 12. in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF

Bild: © Herbert Büttiker

SO GUT WIE INSZENIERT

Das Publikum vermisste am Freitag nichts im Opernhaus, es spendete Applaus um Applaus und am Ende war grosser Jubel. Zu hören gibt es in der „Konzertanten Aufführung“  von Gaetano Donizettis Opéra Comique „La Fille du Régiment“ sängerische Highlights noch und noch, dazu ein temperamentvolles Dirigat, und alle machen das Podium zu Bühne.


Bericht 18. 12. in „Der Landbote“ und ZRZ sowie hier im PDF

Bild: © Toni Suter

WILLKOMMENES COMEBACK

Dem J. K. Ty-Theater Pilsen haben wir viele  Begegnungen mit dem tschechischen Reper-toire zu verdanken. Nach mehr-jährigem Unterbruch war die Bühne wieder zu Gast im Theater Winterthur  – nicht mit einer Rarität, sondern mit einer schönen Produktion des ewigen Hits aus Böhmen: „Die Verkaufte Braut“ – Glücksfall in jeder HInsicht. 

Bericht am 18.12. im „Landboten und hier im PDF

Bild: © Pavel Krivanek

VERGEBLICHE LIEBESMÜH

Ein dreifaches Leben für einen Mann. Die Unbekannte beteuert in ihrem Brief an den Schriftsteller, dass sie die vergeblichen Mühen nicht bereut.


Newsletter zu Xavier Dayers und Claus Spahns Oper „Der Traum von dir“ nach der Erzählung „Brief einer Unbekannten“ von Stefan Zweig. Hier

Bild: © Tanja  Dorendorf

ZUM JAHRESWECHSEL

Von der Weltbühne sei jetzt nicht die Rede, aber auf meiner privaten Lebensbühne gab das verflossene Jahr viele schöne Vorstellungen. Und viele schöne Vorstellungen erlebte ich auch in den Theatern dieser Welt – zum Beispiel „Evita“ im stimmungsvollen New Wimbledon Theatre in London, woran das Bild oben erinnert. Musikalisch intensiv und vif klang das Jahr auch auf den nahen Bühnen und Podien aus. Der Pianist Kit Armstrong bot mit Werken von Johann Sebastian Bach ein aussergewöhnliches Programm (Bericht hier), und wie gewohnt  in der Roccosound-Agenda handelt sie zum Schluss von der Opera Box des Zürcher Kammerorchesters, die dem Jahreswechsel den heiteren Dreh gibt: Zu erleben ist Jacques Offenbachs „La vie parisienne“, polyglott und ins Zürcherische übertragen (Bericht hier).

















Viele schöne Vorstellungen auf allen Bühnen des Lebens wünsche ich für  2018 allen Freunden und Bekannten und an dieser Stelle besonders auch jenen, die dann und wann bei Roccosound vorbei schauen. Wer meinen Berichten auf der überregionalen Seiten des Landboten, der Zürichsee-Zeitung, des Zürcher Oberländers und des Zürcher Unterländers bisher Interesse entgegengebracht hat, sei dazu eingeladen, dies vermehrt zu tun. Denn die Kulturseite der genannten Blätter wird ab Januar von der neuen Tamedia-Redaktion mit ihren eigenen Leuten betreut, für mich bleibt als Plattform vorerst ROCCOSOUND respektive die NEWSLETTER.

Wer diese gern regelmässig als E-MAIL zugestellt haben möchte, kann sie  hier bestellen.

Bild: © Herbert Büttiker

Bild: © Herbert Büttiker

Bild: © Thomas Entzeroth

VERDIS „REQUIEM“

Aufführung vom 18. 1. 2018 in der Tonhalle Zürich


Dem grossen Stil von Verdis Totenmesse mit klangmächtigem Apparat gerecht zu werden ist eine Sache und vielleicht die geringere, als die Scheu und Demut im Angesicht des Todes zu vermitteln, die Intimität, die dem Werk seine überwältigende Glaubwürdigkeit ebenso sichert wie der gewaltige Aufruhr der Angst. Unter John Eliot Gardiners Leitung bieten Tonhalle-Orchester, Monteverdi-Choir und die Solisten Corinne Winters, Marianna Pizzolato, Michaels Spyres und Tareq Nazmi eine Aufführung, die keine Wünsche offen lässt.

Besprechung hier im PDF

Ein Essay zum 100. Todestag Giuseppe Verdis am 27. 1. 2001:

DIE MUSIK UND DAS SCHWEIGEN DES TODES

PDF









   

RAVELS DOPPELBLICK AUF DAS LEBEN

Wiederaufnahme im Opernhaus, Aufführung vom 21. 01. 2018


Maurice Ravels Kurzopern „L‘heure espagnole“ und „L‘ enfant et les sortilèges“ sind weit auseinander liegend entstanden, und zwischen der Musikalischen Komödie und der Oper liegen Welten, historisch biografisch der 1. Weltkrieg, stilistisch ein konträrer Blick auf das Leben: Satirisch in der Farce der Conception und ihrer Liebhaber in den Uhrenkästen – magisch in der Geschichte des Kindes und des Zaubers, der es bedrängt. In der Inszenierung von Jan Essinger rücken die Werke zusammen: Im  spukhaften Mobiliar erscheinen wieder die menschlichen Karikaturen des „Vorspiels“. Die witzige und eindrückliche Inszenierung, die im Mai 2017 in Winterthur Premiere feierte, ist jetzt mit neuer  Besetzung im Opernhaus Zürich zu erleben.

Zur Aufführung vom 21. 1. Im Opernhaus PDF.

PDF der Besprechung im „Landboten“ vom 6. 5. 2017.

Bild: © Toni Suter









   

DON GIOVANNIS ENDSPIEL

Theater Heidelberg in Winterthur, 1. 2. 2018


Don Giovannis böses Ende verkündet schon der Titel der Mozart-Oper. „Il dissoluto punito ossia il Don Giovanni“ lautet er vollständig. Mit dem bestraften Wüstling gehen Regisseure jedoch ganz unterschiedlich um, zumeist sehen sie in ihm so etwas wie das Salz in einer sonst faden Suppe, sprich der bürgerlichen Existenz und des gesellschaftlichen Lebens.

Die Inszenierung, die in Winterthur vom Donnerstag bis Samstag gastiert, zeigt Don Giovanni aber weniger glorios. Das Salz hat einen modrigen Geruch. Der Held ist ein  zerzauster Gispel, zur Marionette eingetrocknet und nicht mehr voll bei der Sache. Der Regisseur Lorenzo Fioroni sieht sein Ende als das seiner langen Geschichte, und mit ihm geht auch das Theater zugrunde, auf dem er seine Rolle seit Jahrhunderten gespielt hat. Übrig bleibt – zum Glück – die Musik. Und Mozarts „Don Giovanni“  sollte ohne Rezeptionsballast ganz von Grund auf neu gelesen werden.


Kritik der Aufführung in „Der Landbote“: PDF

Betrachtungen zum Werk und zur Inszenierung: PDF

Bild: © Sebastian Bühler









   

DIE SPIONIN, DIE AUS DER OPER KAM

Theater Rigiblick, 31. Januar. 2018


«Zu attraktiv, um diesen Film zu verpassen» – der Kritiker meinte damals Greta Garbo im Film «The Mysterious Lady», und wer diesen Stummfilm aus dem Jahre 1928 jetzt im Theater Rigiblick erlebt hat, wird das nicht nur bestätigen, sondern ergänzen. Auch die Aufführung mit der Musik von Armin Brunner und dem von Christof Escher dirigierten Orchester ist zu attraktiv, um sie zu verpassen: Und weitere Gelegenheit dazu gibt es, auch ausserhalb von Zürich.  Weiter im PDF









   

Leuchtkraft in Grau

Mozarts Dramma per musica „Idomeneo“ im Opernhaus Zürich, 4. 2. 2018


Mozarts Werk, das er einfach „die Oper“ nannte, hat viele Gesichter. Die neue Inszenierung wendet das grosse Chortableau nach Innen und für das Innere sucht sie Bilder, die es kommentieren – nicht in allen Teilen gleichermassen überzeugend. Das Resultat ist aber ein Kammerspiel, das von starken Sängerpersönlichkeiten so packend gestaltet wird, dass das Grau der Inszenierung zu leuchten beginnt.

Bericht exklusiv als Newsletter* hier im PDF.

Mozarts „Götterdämmerung“ – Zum Berliner Opernskandal im Mozart-Jahr 2006 ein Beitrag aus dem Archiv: PDF

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Bild: © Monika Rittershaus









   
 

Bild: © Susanne Schwiertz

Spieglein, Spieglein

„La Scala di Seta“ im Opernhaus Zürich – Wiederaufnahme am 9. 2. 2018


Premiere war 2011 im Theater Winterthur, und sie ist unvergessen, eine pfiffige Inszenierung und ein vifes Ensemble. Von der damaligen Besetzung geblieben ist die Perle der Aufführung, Sen Guo als Giulia, für die die seidene Leiter einiges aushalten muss. Zur Einstimmung eine Wiederaufnahme meiner Besprechung im „Landboten“ vom 9. September 2011 hier im PDF.









   

Roberto Trevino überrascht mit Mahler

Konzert des Tonhalle-Orchesters, 8. 2. 2018


Der Jubel nach der Wiedergabe der 5. Sinfonie von Gustav Mahler war aussergewöhnlich: Für viele bedeutet das Konzert der Tonhalle wohl die Entdeckung eines grossen Dirigenten - und mit ihm eine spannende Begegnung mit Gustav Mahler. PDF


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Bild: © Johannes J. Etter/ Theater  St. Gallen

Das Leben jenseits der Gipfelstürmerei

Uraufführung von „Matterhorn“ im Theater St. Gallen, 17. 2. 2018


Beim  Abstieg ist es passiert: Einer rutscht aus, Vier stürzen 1200 Meter in die Tiefe – oder in den Orchestergraben, wie jetzt im Theater St. Gallen. Das neue Musical von Michael Kunze (Buch) und Albert Hammond (Musik) treibt aber mit dem Entsetzen keinen Scherz. Es zeigt musikalisch abwechslungsreich, aber auch in leicht zähflüssiger Szenenfolge Edward Whympers Weg auf den Viertausender und von der Katastrophe zu den Höhen des Menschlichen. PDF


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Romantische Emphase

Konzert des Musikkollegiums, 21. 2. 2018


Er  ist  25-jährig und ein Tausendsassa. In dieser Saison ist der Pianist Kit Armstrong bevorzugter Gast beim Winterthurer Musikkollegium. Mit dem Konzertmeister Roberto Gonzalez Monjas hat er im Oktober sämtliche Beethoven-Violinsonaten aufgeführt, im Dezember spielte er ein umfangreiches und apartes Bach-Solorezital und jetzt präsentierte er sich als Konzertpianist mit Griegs virtuosem Klavierkonzert. Dabei ging es ihm offensichtlich weniger um den bravourösen Glanz als um die Poesie des Stücks, für das sich Grieg die Inspiration bei Schumann geholt hatte. Dass dann Schumann selber noch um etliche Grade elektrisierender komponiert hat – das zeigte das Orchester mit dem fulminanten Dirigenten Alexandre Bloch mit der „Manfred“-Ouvertüre und der Sinfonie Nr. 4.

Bericht im „Landboten“ am 23. 2. und hier im PDF.

Weitere Konzertbilder hier.

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Bild: ©  Herbert  Büttiker









   

Die feine Hand für die grosse Tastatur

Konzert des Musikkollegiums, 1. 3. 2018


Eine Tastenlöwin wäre von anderer Statur. Aber Kraft ist auch für die 28-jährige Rumänin Alina Bercus kein Problem, wenn sie in Fahrt kommt und sich dem Powerplay hingibt wie zuletzt in der spektakulären Zugabe des 3. Satzes aus der 7. Prokofjew-Sonate – spektakulär auch im Kontrast zur delikaten Poesie von Schumanns „Vogel als Prophet“. Ihre grosse Herausforderung aber war das 2. Klavierkonzert von Rachmaninow, wo mit dem höchst virtuosen Anspruch auch Gestaltungskraft gefordert war, die es mit einem opulenten Orchester aufzunehmen hatte.  Das war nicht einfach: Das Musikkollegium war unter der Leitung des impulsiven Dirigenten Clemens Schuldt von Beginn weg mit Beethovens „Egmont“-Ouvertüre bis zum Schluss mit Schostakowitschs 1. Sinfonie in voller Fahrt hoch expressiv unterwegs.


Bericht im „Landboten“ und hier im PDF.

Bild: pd









   

Am Rand des Wahnsinns

Heinz Holligers Oper „Lunea“ im Opernhaus Zürich am  4. 3. 2018


In den Schulanthologien hat Nikolaus Lenaus Gedicht „Die drei Zigeuner“ einen festen Platz. Sympathisch sind sie, die da zeigen wie man „trotzig frei das Leben verraucht, verschläft und vergeigt“. Der Dichter porträtiert sich mit ihnen selber, aber sein Ich ist auch der Mann der mit müder Qual sein Fuhrwerk an den sorglosen Gesellen vorbei steuert. Wer war er? Die Literaturgeschichte hat ihn längst verstaut, aber in neuerer Zeit wird der erfolgreiche Lyriker und Randfigur seiner Zeit als faszinierende Gestalt wieder wahrgenommen. Zu entdecken ist ein Unangepasster –  im Verhältnis zur Gesellschaft, als Auswanderer, der aus dem amerikanischen Traum bös erwachte, in seinen schwierigen Beziehungen zu den Frauen und als Dichter, der seine letzten Lebensjahre in der Nervenheilanstalt verbrachte und zwischen Genie und Wahnsinn seine Sprachkunst weit über die zeittypischen Grenzen hinaus trieb. – Heinz Holliger fügt mit ihm nun eine weitere Figur zu seiner Galerie der Aussenseiter und macht ihn gar zum Protagonisten seiner neuen Oper „Lunea“ – das Opernhaus Zürich präsentiert mit ihm am Dirigentenpult und dem Hausherrn Andreas Homoki als Regisseur die Uraufführung – nach „Schneewittchen“, der Walser-Oper vor zwanzig Jahren, das zweite Bühnenwerk des 79-jährigen Schweizer Komponisten und ein grosser Erfolg für einen Unangepassten im Spielfeld der zeitgenössischen Musik.

Besprechung exklusiv hier im PDF

Aus dem Archiv: Die Walser-Oper „Schneewittchen“ – Besprechung der Uraufführung im „Landboten“ vom 18. Oktober 1998: PDF


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Bild: Paul Leclaire / Opernhaus Zürich









   

Csardas ud hehre Opernklänge

„Die Csardasfürstin“ im Theater Winterthur am 8. 3. 2018


Das Landestheater Detmold präsentier sich mit Chor, Orchester und Ensemble in prächtiger Klangstatur – das lässt in den Finali von Emmerich Kalmans  Csardasfürstin die Dramatik und im Hochzeitszeremoniell das Hymnische zu Operngrösse wachsen. Aber die raffinierte Partitur bricht das Pathos mit dem sinnlichen Feuer des Csardas, und so spricht sich auch die Musik gegen die Zwänge der Standesgesellschaft aus. Die Inszenierung, die an diesem Wochenende im Theater Winterthur gastiert, bringt mit starken Stimmen für die Hauptfiguren und Charaktertypen Witz und die lebensnahe Botschaft der Operette vergnüglich über die Rampe.


Bericht im „Landboten“ und hier im PDF

Bild: pd









   

Orchestrales Latinofieber in Winterthur

Konzert mit der Iberacademy im Theater Winterthur am 13. 3. 2018


Zwei Orchester fusionierten und füllten die Bühne des Theaters Winterthur bis in die hintersten Bereiche: das Iberacademy Orchester, Medllin, und das Musikkollegium Winterthur, bei dem das Orchester aus Kolumbien diese Woche zu Gast ist. Zu zählen war die mit Sicherheit über hundertköpfige Schar nicht, eine träge Masse war sie keineswegs: Es grassierte das Latinofieber mit Musik südamerikanischer Komponisten, dargeboten in hoher Perfektion. Ebenso effektvoll wie das Tutti war das Spiel der Orchestersolisten und der einzelnen Sektionen. Ein tolles Konert, abwechslungsreich, überraschend, ansteckend.


Bericht exklusiv hier im PDF

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Bild: ©  Herbert  Büttiker










„Doppel-Konzert“

Konzert der  Orpheum Stiftung in der Tonhalle Maag, 14. März 2018


Gegenwärtig klingen die Namen der beiden Solisten, die von der Orpheum Stiftung in der Tonhalle Maag präsentiert wurden, in Zürich eher noch kompliziert als gross. Aber das könnte sich ändern. Denn sowohl der 18-jährige englische Cellist Sheku Kanneh-Mason als auch der 23-jährige österreichische Geiger Emmanuel Tjeknavorian zeigten in ihren Auftritten mit dem Tonhalle-Orchester souveräne Beherrschung ihres instruments, reife Musikalität und sympathische Standfestigkeit auf dem grossen Podest. 

Bericht exklusiv hier im PDF

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Bilder: ©   Thomas Entzeroth









Glanz und Scheitern der Utopie

Beethovens „Fidelio“ im Theater St. Gallen, 14. März 2018


Das Theater St. Gallen hat einen „Fidelio“-Rhythmus. Im Takt der Erinnerung an die Eröffnung des Hauses am Stadtpark vor genau 50 Jahren präsentiert es nach der1978, 1999 zum 50. Jubiläum wieder eine Neuinszenierung. Sie macht es dem Publikum nicht einfach, wenn sie auf eine Tarnung Leonores als Fidelio verzichtet und sie im roten Frauenkleid agieren lässt. Die eigenwillige Erzählweise, mit der man konfrontiert wird, hat mit der Sicht auf den utopischen Geist der Oper zu tun. Diesen stellte auch die letzte Inszenierung heraus – aber mit anderen Vorzeichen. Man würde gern Beethoven selber zu diesen Deutungsvorschlägen fragen.


Bericht exklusiv hier im PDF

„Fidelio“ im Theater St. Gallen in der Saison 1999/2000: PDF

Ferdinando Paërs  „Leonora“ – ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte des

„Fidelio“ aus dem Archiv: PDF

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Bild: ©   Toni Suter









Das Land der Verheissung

Messiaens „Des canyons aux étoiles“ am Lucerne Festival, 23. März 2018


Oliver Messiaen hat für die Auftragskomposition zur Zweihunderjahrfeier der amerikanischen Unabhängigkeit die urweltliche Landschaft der Wüsten und Canyons im Süden von Utah bereist und  wie immer auch den Vogelstimmen gelauscht und in den Sternenhimmel geschaut. Das Lucerne Festival, das für die Klassiker der Moderne und die zeitgenössische Musik keinen Aufwand  scheut, lud am Freitag dazu ein, Mesiaens kosmisches Erlebnis zu teilen –  so wie er es in seiner farbigen Klangwelt zum Ausdruck bringt. Das Ensemble intercontemporain und die Alumni des Festivals brachten die grossangelegte Partitur unter der Leitung von Matthias Pintscher in höchstem Grad zum Leuchten. Hingegen misslang der Versuch, die Musik mittels eines Lichtkonzepts auch optisch leuchten zu lassen. 


Bericht exklusiv hier im PDF

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Bild: © Susanne Schwiertz

Bild: © Pavel Krivanek

Bild ©    Priska Ketterer









Eine unschlagbare Formel

Der Dirigent Enrique Mazzola im Porträt und ein Blick auf Donizettis „Maria Stuarda“ vor der Premiere am 8. April  im Opernhaus Zürich.

Exklusiv hier im PDF


Der Bericht zur Premiere: PDF


Zur Erinnerung;“Maria Stuarda“ am 7. Dez. 2012 im Openhaus Zürich: PDF


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Bruckner, Cerha und das Musikkollegium in der Stadtkirche

Konzert in der Stadtkirche Winterthur am 5. April 2018


Dass Anton Bruckner der katholischen Kirche nahestand, ist bekannt.  Wie gut auch Friedrich Cerhas Konzert für Bratsche und Orchester (1993)   zur sinfonischen Welt Bruckners passt, war vor der Aufführung von Bruckners 3. Sinfonie mit dem Bratschisten Jürg Dähler zu erleben – ein spannendes Konzert unter der Leitung von Thomas Zehetmair.


Bericht m 7. April im „Landboten“ und hier im PDF

Weitere Bilder hier


Anmerkungen zum Thema Bruckner und das Musikkollegium Winterthur: PDF


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Bild ©  Herbert Büttiker

Bild ©   Monika Rittershaus









Das frühe Spätwerk

Wiederaufnahme von Verdis „Luisa Miller“ im Opernhaus Zürich, 12. 4. 2018


„Luisa  Miller“ spielt nicht an der Front des Repertoires, aber es ist ein grossartiges Stück des jungen Verdi kurz vor der Trias „Rigoletto“, „Traviata“, „Trovatore“ und mit weiten Bezügen zum mittleren und späten Verdi – der dritte Akt nimmt in seiner Szenerie „Otello“ vorweg. Das Opernhaus Zürich lässt das mit einer starken Besetzung für die Inszenierung aus der Spielzeit 2009/10 wieder erleben.


Der Bericht zur aktuellen Aufführungsserie und zur Premiere: PDF


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Bild ©   Danielle Liniger









Dance and Make Music not War

50 Jahre „Hair“ – ob 1968 zur eigenen Geschichte gehört oder nur ein Datum aus dem Geschichtsbuch: die Steine, die damals in Rollen kamen, rollen bis heute. Und auch wenn die Dramatik von damals nur noch Haschisch-Dunst ist, zieht die Broadway Musical Company, die in Winterthur gastiert, aus den Songs von „Hair“ noch wilde Energien.


Bericht: PDF

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Bild ©   Lisa Gramlich/ Frank Serr Showservice









Sternstunde des romantischen Belcanto

Bellinis „Il Pirata“ im Theater St. Gallen, 28. April 2018


Das mittelalterliche Sizilien ist der originale Schauplatz der Oper, in der der revoltierende Weltschmerz-Held von Bellinis Epoche als Pirat erscheint. Die St. Galler Inszenierung holt ihn in die Gegenwart der sizilianischen Mafia – nicht ohne Schwierigkeiten, alles in allem aber mit grossem Erfolg – auch dank stimmlich überlegener und einfühlsamer Rollengestaltung des Ensembles mit Arthur Espiritu als Titelhelden, Marco Caria als Gegenspieler, mit Joyce el-Khoury als starker und in den Wahnsinn getriebener Frau zwischen ihnen und weiteren: eine umjubelte Premiere.


Bericht : PDF


Vincenzo Bellini starb jung, seine Karriere dauerte gerade mal zehn Jahre.  Der Erfolg von „Il pirata“ bedeutete den Durchbruch zur Weltgeltung, die sein Werk besitzt. Ein Beitrag über den Schöpfer der „Norma“ aus Anlass seines 200. Geburtstags im Jahr 2001 hier im PDF.

Bild ©   Lisa Gramlich/ Frank Serr Showservice









Baroque Twitter

Maurice Steger ist der ausgewachsene Meister auf dem Instrument, das wir alle von Kindsbeinen an zu kennen glauben, dem aber ungeahnte Flügel wachsen können – wenn der Könner spielt. Und schöner singt kein Vogel. Auf der CD „Baroque Twitter“ hält die Sopranistin Nuria Rial zudem mühelos und reizvoll mit bei all den Höhenflügen, auf die sie beide von Vivaldi und Co. zusammen mit Nachtigallen und Schwalben geführt werden.

Dass Maurice Steger auch ein ideenreicher und eigenwilliger Musiker im Hinblick auf konzeptionelle Aspekte ist, zeigen die Ittinger Pfingstkonzerte, die er als Künstlerischer Leiter dieses Jahr gestaltet hat. Da prallt überraschend Barock auf Romantik und mündet in die meditative Gegenwart und Stille.

Zum Programm siehe den Bericht am 4. 4. im „Landboten“ und hier im PDF.  

Bild ©   Herbert Büttiker

Baroque Twitter

CD / Harmonia  Mundi









Mozart im Schaumbad

„La finta giardiniera“ des Internationalen Opernstudios,

Theater Winterthur, 5. Mai 2018


Dieses Ensemble aus sieben Sängerinnen und Sängern  von Moldawien bis Südafrika beherrscht das Metier – Singen in allen Lagen von Mozarts Musik und zugleich Spielen, was der Körper hergibt. Der Dirigent Gianluca Capuano heizt tüchtig ein, und Tatjana Gürbacas Regie ist eine unerhört aufwendige Bewegung- und Mimik Partitur. In der Betriebsamkeit geht aber auch eher unter, was das Innenleben der Figuren und die Innigkeit der musikalischen Aussage betrifft. Für das Theater Winterthur ist „La finta giardiniera“ das zweite Dramma giocoso von Mozart in dieser Saison und die zweite exzentrisch grelle Inszenierung eines Werks aus der Epoche der Empfindsamkeit.

Besprechung der Premiere PDF


Blick zurück auf „Don Giovanni“ in Winterthur:

Kritik der Aufführung in „Der Landbote“: PDF

Betrachtungen zum Werk und zur Inszenierung: PDF

Weiteres aus dem Mozart-Archiv

Bild ©   Herwit Prammer









Sportliches Musizieren

Die Brandenburgischen Konzerte

im Musikkollegium Winterthur, 9. 5. 2018


Wer die spielerische Klasse des Musikkollegiums mit dem Können der Berliner Philharmoniker vergleichen möchte, kann sich die neue CD der Branden-burgischen Konzerte von Reinhart Goebel anhören und ins Konzert des Musikkollegiums gehen, wo der Barockspezialist das grandiose Kompendium der sechs Konzerte heute mit dem Winterthurer Orchester dirigiert. Bei ihm an einen musiksportlichen Wettkampf zu denken, liegt nahe.


Dazu eine Vorbesprechung heute im „Landboten“ und hier im PDF

Bild ©   Herwit Prammer









Die Komödianten des Schicksals

„La forza del destino“ – Premiere im im Opernhaus Zürich, 27. 5. 2018


Verdis „Macht des Schicksals“ ist eine seiner umfangreichsten Partituren, und sie erzählt von einer Verfolgungsjagd, die über Länder und durch Jahrzehnte geht, aufs Schlachtfeld und ins Kloster führt, erfüllt ist von dramatischen Konfrontationen und durchsetzt ist von praller Komik. Im Opernhaus Zürich kommt das Werk erstaunlich kompakt daher, unter der Leitung von Fabio Luisi intensiv musiziert und von Andreas Homoki szensich in ein stringentes Konzept verpackt, das seinen Horizont aber auch verengt. Chor und Orchester setzten sich brillant in Szene und unter den Hauptfiguren ragt die Leonora von Hibla Germava hervor.


Besprechung der Premiere hier im PDF

Aus dem Archiv: Erinnerungen an die Inszenierungen im Opernhaus Zürich in der Saison 1991/92 und 2005/06. Die Urfassung von „La forza del destino“ im Stadttheater Bern in der Saison 2005/06

Bild ©  Monika Rittershaus









Heute vor 50 Jahren

Die Erinnerung ist blass, das Gefühl jener Tage noch wach, und da ist auch noch das Programmheft und das Tagebuch aus jener Zeit, der Besetzungszettel eingeklebt: Am 29. Mai 1968 bot das Opernhaus Zürich  eine Vorstellung von Verdis „Il Trovatore“ –  für mich der erste Opernbesuch und ein Schlüsselerlebnis. Heureka! schrieb ich dazu, und nun, 50 Jahre und eine jahrzehntelange leidenschaftliche Beschäftigung mit Opern aller Zeiten und Länder später, stelle ich fest, dass jene Liebe auf den ersten Blick lebt, um nichts geschwächt, sondern vertieft. Gedanken zu „Il Trovatore“ aus jüngerer Zeit, die hier vorgestellt werden, mögen dafür stehen, und zu hoffen ist, dass sie vor der damaligen jugendlich unmittelbaren Begeisterung bestehen können.


Die Programmhefte mit dem Kronleuchter-Sujet haben sich dann angesammelt, Aida, Bohème, Ariadne auf Naxos und so weiter ... das Haus hatte sein Niveau, das zeigt schon der Bühnenbildentwurf zum „Trovatore“, und für die Entdeckung des Kontinents Oper war die Zürcher Bühne mit ihrem breiten Repertoire und vorzüglichen Ensemble ein wunderbarer Ort und ist es, ja doch, über die Jahrzehnte geblieben.









Mit Schall und Rauch

Eröffnungskonzert der Festspiele Zürich in der Tonhalle Maag, 1. 6. 2018


Zum Jubiläum ihres 150-jährigen Bestehens hat die Tonhalle-Gesellschaft die beiden Weltmeister des musikalischen Humors, Igudesman & Joo, mit der Gestaltung der Festspieleröffnung betraut. Diese haben sich ins Zeug gelegt und zwei grosse theatrale Orchesterwerke komponiert. „A Historical and Hysterical Guide to the Orchestra“ lässt mit Witz und Brillanz die Musikinstrumente durch Zeiten und Welten hoch leben; „Clash of the Soloists“ nimmt den Konkurrenz-kampf zweier Klassikstars auf die Schippe, als die Igudesman und Joo in abenteuerlichen Kostümen natürlich selber antreten – mit  akrobatischem Einsatz von Körper und Instrument bis zum Wahnsinn – ein glorioser Abend für das Orchester, das sich nicht schwer damit tut, das E der E-Musik für einmal mit Entertainment zu identifizieren und für einmal nicht nur viel Schall, sondern auch Rauch zu produzieren. Dass der Abend bei allem Witz und Klamauk auch noch die didaktische Vorgabe eines „Guide to the Orchestra“ erfüllt, macht ihn um so attraktiver – auch für Menschen, die bei E-Musik sonst weniger Vergnügen empfinden.


Die Besprechung hier im PDF.

Wetere Bilder hier.

Bild ©  Herbert Büttiker









Ein brillantes Finale

Konzert der Festspiele Zürich in der Tonhalle Maag, 7. 6. 2018


Das letzte Konzert des Chefdirigenten Lionel Bringuier, der sich nach vierjähriger Amtszeit vom Tonhalle-Orchester verabschiedet, erinnerte auch seinen Amtsantritt. Mit von der Partie war wiederum, glamourös, ingeniös und seriös die Pianistin Yuja Wang – diesmal mit einer elektrisierenden Wiedergabe von Sergej Prokofjevs 3. Klavierkonzert.  Bringuier war mit seinem schwungvollen Zeichengebung noch einmal präsent auch in Paradestücken für das Orchester - „Don Quixote“ von Richard Strauss und „La Valse“ von Maurice Ravel.


Zu erleben ist das alles  – mit Ausnahme des Don Quixote, für den Peer Gynt einspringt – heute auch openair auf dem Münsterhof: Die  Einladung des Tonhalle-Orchesters an alle, und – wie gestern zu erfahren war und hier nachzulesen ist – kein leeres Versprechen eines grosses Events.


Die Besprechung hier im PDF

Weitere Bilder: Hier

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Bild ©  Herbert Büttiker









Wo de Wahnsinn zu Hause ist

Gaetano Donizettis „I pazzi per progetto“ im Seefeld Theater, 14. 6. 2018


In Donizettis  einaktiger Farce, deren Handlung in einem Irrenhaus in Paris spielt, gibt es merkwürdigerweise keine Irren. Hier wir der Wahnsinn vorgegaukelt, und zwar - wie der Titel verrät – mit Kalkül. Natürlich ist der Irrsinn gleichsam ein dieser Gattung auch inhärentes Symptom, „addio cervello!“ heisst es schon bei Rossini, und Operngesang an sich ist ja ... nun, überlassen wir das den Spöttern.

Unter der Leitung von Christian Seiler wächst sich Donizettis einaktige Farce „I pazzi per progetto“ zur fast dreistündigen musiktheatralischen Veranstaltung. Im Zeichen des Wahnsinns verbinden sich Opern-, Schauspiel-, Bewegungs-,  Instrumentaltheater – und „nur“ die Musik muss sich dabei arg zerzausen lassen.


Die Besprechung hier im PDF

Aus dem Archive: „Lebenssüchtige Todesbegeisterung“ – Donizetti zum 200. Geburtstag am 29. November 1797: PDF

„I pazzi“ im Opernhaus Zürich, 29. 12. 2011:  PDF

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Bild ©  Rémy Bourgeois